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100 Jahre Elektro Röntzsch: Wie ein Familienbetrieb in Oberlichtenau mit der Zeit geht

Elektro Röntzsch ist der einzige Laden, den es in Oberlichtenau noch gibt. Neben 100-jähriger Erfahrung in der Elektroinstallation setzt die Firma auf ein weiteres Standbein: erzgebirgische Volkskunst. Wie beides zusammenpasst.

Lesedauer: 3 Minuten

Michael und Reiner Frank Alischer freuen sich: Ihr Familienunternehmen Elektro Röntzsch in Oberlichtenau begeht sein 100-jähriges Firmenjubiläum. Quelle: Matthias Schumann

Siri Rokosch

Pulsnitz. Wie eine Firma auf dem Land so ein hohes Alter erreichen kann, erklärt Michael Alischer so: „Unser Erfolgsrezept war immer, rechtzeitig an die nächste Generation zu denken“, sagt er mit Blick auf das 100-jährige Jubiläum des Familienbetriebs Elektro Röntzsch im Pulsnitzer Ortsteil Oberlichtenau. Gemeinsam mit seinen Eltern Reiner und Ute Alischer führt er das Meisterunternehmen für Elektroinstallationen in fünfter Generation.

Wenn man das helle Geschäft an der Pulsnitztalstraße betritt, findet man allerdings kaum Elektroprodukte. Stattdessen treffen die Kunden auf Räuchermänner, Schwibbögen, Herrnhuter Sterne, Osterhasen, bemalte Eier und Lauschaer Glasschmuck für den Christbaum.

Michael und seine Frau Katja Alischer verkaufen auch diese 105-zackigen Sterne.
Michael und seine Frau Katja Alischer verkaufen auch diese 105-zackigen Sterne.
Quelle: Matthias Schumann

Hinter der Kasse steht Katja Alischer. Auch sie gehört zum Familienunternehmen: „Ich liebe erzgebirgische Volkskunst“, sagt sie lachend auf die Frage, weshalb hier keine Elektrogeräte verkauft werden. „Als ich 2006 in das Unternehmen einstieg, sind wir von Haushaltswaren umgestiegen auf hochwertige Dekoartikel.“

Geschäftsführer Reiner Alischer fügt hinzu: „Damals war uns ein starker Rückgang der Nachfrage aufgefallen. Die Kunden kaufen ihre Waschmaschinen und Kühlschränke jetzt online oder in den großen Märkten in Dresden.“ Allerdings bietet er auf Anfrage weiterhin an, binnen eines Tages Elektrogeräte zu liefern, zu installieren und die Altgeräte zu entsorgen, betont der Chef.

Begonnen hat alles mit einer Steckdose pro Raum

Die Elektroinstallation ist seit 100 Jahren das feste Standbein der Firma. Am 25. März 1926 hatten Oswin und Arno Röntzsch die Firma Elektro Röntzsch gegründet.

Die Brüder statteten den Ort mit Straßenbeleuchtung aus, aber vor allem die Wohnungen und Häuser, sagt Enkel Reiner Alischer: „Die Grundinstallation eines Raumes bestand damals aus einem Schalter, einer Steckdose und einer Brennstelle.“ Und sein Sohn fügt hinzu: „Zum Vergleich: Wir haben kürzlich eine 60 Quadratmeter große Küche ausgestattet, mit 60 Steckdosen.“

Michael und sein Vater Reiner Frank Alischer mit dem Meisterbrief ihrer Vorfahren.
Michael und sein Vater Reiner Frank Alischer mit dem Meisterbrief ihrer Vorfahren.
Quelle: Matthias Schumann

Reparaturen führten die beiden Firmengründer zunächst im Keller des Wohnhauses durch. Die erste richtige Werkstatt wurde 1947 gebaut. Der erste Laden entstand 1928 im unteren Bereich des Wohnhauses an der Pulsnitztalstraße 62. Damals wurden dort unter anderem Lampen, Geschirr, Sicherungen, Fußwärmer, Bügeleisen und Tauchsieder verkauft. „Aber auch damals gab es bereits Herrnhuter Sterne“, sagt Katja Alischer. Jetzt befindet sich der Laden im Nachbargebäude, welches erst 1993 zugekauft wurde. Bis dahin war dort der Konsum untergebracht.

Die Kunden kaufen ihre Waschmaschinen und Kühlschränke jetzt online oder in den großen Märkten in Dresden. – Reiner Frank Alischer, Geschäftsführer von Elektro Röntzsch

1966 übernahm Wilfried Röntzsch, der Schwiegervater von Reiner Alischer, die Firma und baute viele Maschinen selbst, zum Beispiel zum Herausreißen defekter Wicklungen in Elektromotoren. Seit 1995 hat Reiner Alischer die Leitung der Firma inne und wird von seinem Sohn Michael unterstützt. Auch die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern, mit dem 21-jährigen Fabian. „Wir sind eine der drei ältesten Elektrofirmen im ehemaligen Kreis Kamenz“, sagt der Senior-Chef. „Dass wir so lange bestehen, liegt vor allem daran, dass es immer mehr neue technische Entwicklungen gab und gibt. Es hing alles mit Strom zusammen.“ Ein bisschen Glück sei aber in den vergangenen 100 Jahren auch dabei gewesen, sagt er.

Das sind heute die Hauptgeschäftsfelder

Heute liege der Schwerpunkt des Unternehmens auf Haus-, Gewerbe- und Industrieinstallationen sowie auf deren Prüfung nach DGUV, einer gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsüberprüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel in Unternehmen, um Unfälle zu vermeiden.

Zum Leistungsspektrum gehören Arbeiten in großen Wohn- und Geschäftshäusern ebenso wie die Instandhaltung und Wartung von Anlagen bei der Deutschen Post. Während sich der Senior-Geschäftsführer auf die Reparatur älterer Geräte wie Bohrmaschinen, Motoren und Waschmaschinen spezialisiert hat, übernimmt Sohn Michael unter anderem Projekte in den Bereichen E-Mobilität und Photovoltaik.

SZ

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