Leipzig. Die Entscheidung steht fest: Der Münchner Industrieriese Siemens passt Kapazitäten im Automatisierungsgeschäft und im Geschäft mit Ladelösungen für Elektrofahrzeuge an. Das betrifft auch Sachsen. Die Fertigung von Ladesäulen im Leipziger Stadtteil Böhlitz-Ehrenberg soll beendet werden. Nach früheren Plänen will Siemens diesen Bereich im Werk im portugiesischen Corroios konzentrieren.
Das Vorhaben ist Teil des weltweiten Umbaus bei Siemens, um die Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu verbessern, wie es heißt.
Konzern will Arbeitskräfte halten
Innerhalb weniger Wochen nach Ankündigung des damit einhergehenden Abbaus von rund 5600 Jobs, davon 2500 in Deutschland, haben sich Konzern und Arbeitnehmervertreter jetzt auf eine Transformationsvereinbarung verständigt.
Ziel der Vereinbarung sei eine standortübergreifende Zusammenarbeit, damit Arbeitskräfte das Unternehmen nicht verlassen müssen, wie Siemens-Personalvorständin Judith Wiese jetzt in München sagte. Als positives Beispiel für diese Zusammenarbeit nannte sie den Standort Leipzig, wo im Ladesäulenbau 160 Jobs wegfallen.
Es ist schade, dass wir in Leipzig bei Bau und Entwicklung dieser Zukunftstechnologie nicht mehr dabei sind. – Steffen Reißig, IG Metall Leipzig
Siemens habe mehr als der Hälfte der betroffenen Mitarbeiter eine alternative Stelle anbieten können, einem Großteil sogar am gleichen Standort.
Der Leipziger IG Metall-Chef Steffen Reißig bedauert die Schließung des sächsischen Standortes sehr. „Es ist schade, dass wir in Leipzig bei Bau und Entwicklung dieser Zukunftstechnologie nicht mehr dabei sind“, sagte er dieser Zeitung. Allerdings sei für den Standort eine gute Lösung gefunden worden. Der Gewerkschafter: „Leipzig kommt mit einem hellblauen Auge davon.“
Nach Informationen dieser Zeitung wechseln fast alle Fertigungsmitarbeiter des Ladesäulenbaus in Böhlitz-Ehrenberg zu anderen Siemens-Standorten, der Großteil in den benachbarten, ebenfalls zum Münchner Konzern gehörenden Schaltanlagenbau.

Quelle: Andre Kempner
Siemens bestätigt auf Nachfrage, dass dieser Bereich geschäftlich sehr gut dasteht und weitere Arbeitskräfte willkommen sind. Wo nötig, werden Mitarbeiter auf neue Funktionen umgeschult und qualifiziert. Auch für Arbeitskräfte aus Forschung und Entwicklung gibt es offenbar die Möglichkeit der Übernahme.
Von Altersteilzeit und Aufhebungsverträgen für den Rest der von der Schließung betroffenen Arbeitskräfte ist ferner die Rede. Betriebsbedingte Kündigungen soll es laut Siemens nicht geben.
Die Kapazitätsanpassungen im Geschäft mit Ladelösungen für E-Autos betreffen weltweit insgesamt rund 450 Stellen, darunter rund 250 in Deutschland. Der Transformationsprozess soll bis Ende des Geschäftsjahres 2025 abgeschlossen sein.
Suche nach externen Partnern
Weil das Geschäft mit Ladesäulen nicht so läuft wie erwartet, sucht Siemens bereits seit geraumer Zeit nach einer Lösung. Parallel zur Verlagerung des Geschäfts nach Portugal hält der Konzern offenbar weiter nach externen Partnern Ausschau.
Zugleich heißt es, dass sich das Unternehmen künftig verstärkt auf die Entwicklung und den Ausbau der Schnellladeinfrastruktur für Depots, Flotten und das Laden unterwegs konzentrieren will. Außerdem sei beabsichtigt, das Geschäft regionaler aufzustellen, um die Märkte mit teils unterschiedlichen Ladestandards schneller bedienen zu können.


