Dresden . Krieg in der Ukraine, im Gaza-Streifen und jetzt im Nahen-Osten, Zoll-Chaos in den USA, Militärkonflikt in Venezuela. Dass der sächsische Export angesichts dieser geopolitischen Krisen im vergangenen Jahr nur um ein Prozent zurückgegangen ist, nennt Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter ein „robustes“ Ergebnis.
„Wir leben in Zeiten der Unsicherheit – außenwirtschaftlich und in der sächsischen Wirtschaft selbst“, eröffnete der SPD-Politiker am Mittwoch die Bilanzvorlage der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS).
Wir leben in Zeiten der Unsicherheit – außenwirtschaftlich und in der sächsischen Wirtschaft selbst. – Dirk Panter, Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Energie in Sachsen
Die Unsicherheit wachse aber auch wegen Bürokratie und Unklarheiten in der Gesetzgebung in Berlin. „Ich hoffe zumindest, dass wir etwas mehr Orientierung geben können als andere“, so Panter.
Export robust, aber rückläufig
Die Ausfuhren aus Sachsen – vorrangig Autos, Maschinen und Elektronikprodukte – erreichten 2025 ein Niveau von 50,6 Milliarden Euro. Wichtigster Auslandsmarkt bleiben trotz der Zollturbulenzen die USA mit 4,8 Milliarden Euro vor China und Großbritannien. Allerdings sind die Ausfuhren nach Übersee im Vergleich zu 2024 um sechs Prozent gesunken.
Die Auswirkungen des Kriegs im Iran und der Golfregionen scheinen sich dagegen noch in Grenzen zu halten. „Wir haben bislang keine sorgenvollen Rückmeldungen von Unternehmen“, berichtet Thomas Horn, Geschäftsführer der WFS. Weder der Minister noch Sachsens oberster Wirtschaftsförderer müssen deshalb Reisen aufschieben. Konkrete Folgen seien die explodierenden Flugpreise und die Suche nach alternativen Flugrouten. Horn hat von Unternehmern gehört, die jetzt über Amerika nach Asien fliegen.
Mehr Fokus auf Europa und Indien
Vielleicht gerade wegen der vielen Krisenherde in der Welt spürt die Wirtschaftsförderung ein „unverändert großes Interesse an außenwirtschaftlichen Themen”, so Horn. De-Risking, also Handelsbeziehungen anders aufzustellen, bedeute für Sachsen, stärker auf den europäischen Binnenmarkt zu setzen, betont der WFS-Chef. Europa ist mit einem Anteil von 63 Prozent wichtigster Absatzmarkt für Waren aus Sachsen. Polen und Tschechien zählen weiter zu den Top 5 der sächsischen Handelspartner.
Allerdings gebe es dabei auch innerhalb der EU etliche Handelshemmnisse zu überwinden, so Panter. Der Wirtschaftsminister verwies auf unterschiedliche Zulassungsverfahren und intransparente Vergabeverfahren.
Außerhalb Europas will der Freistaat stärker mit Indien, Japan und Zentralasien zusammenarbeiten. Dort würden sächsische Unternehmen nicht nur neue Kunden und Zulieferer gewinnen, sondern könnten auch Arbeitskräfte werben. Horn sieht das als „Win-win-Situation für alle“. Indien sei auch vor allem für die gebeutelten Maschinenbauer im Freistaat ein vielversprechender Markt.
Chipindustrie stützt Ansiedlungsgeschäft
Die Wirtschaftsförderung Sachsen hat im vergangenen Jahr 18 Neuansiedlungen und Firmenerweiterungen betreut, mit einem gesamten Investitionsvolumen von 211 Millionen Euro. 868 Arbeitsplätze konnten so erhalten und geschaffen werden. Im Jahr zuvor waren es 19 Neusiedlungen. Es sei immer schwieriger, sich Anfragen für Ansiedlungen zu erarbeiten, betont Horn. Gründe sind die wirtschaftliche Lage und der zunehmende Wettbewerb um Investoren mit Polen, Tschechien und anderen Ländern in Mittel- und Osteuropa.
Sechs der 18 Ansiedlungen waren im Halbleiterbereich, vier in der Energie- und Umwelttechnik. Man bemühe sich darum, dass der Chipboom im Dresdner Norden bis nach Ostsachsen und Südwestsachsen ausstrahle, müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass viele Zulieferer längere Distanzen zu den Chipfabriken scheuen, hieß es.
„Besonders erfreulich ist, dass sich mehrere Unternehmen für Sachsen als Zentrale für den Start ihrer europäischen Aktivitäten entschieden haben“, sagte Horn. Das zeige, welche wichtige Schlüsselposition die Region Silicon Saxony im weltweiten Wettbewerb mittlerweile habe.
Zukunftsthemen Robotik, Halbleiter und Lebenswissenschaften
Bei Zukunftsthemen sieht Panter Sachsen als Wirtschaftsstandort gut aufgestellt. Robotik, Halbleiter und Lebenswissenschaft entwickelten sich gut. „25 Jahre Biotechnologie-Offensive zahlen sich ebenfalls aus“, so der Wirtschaftsminister. Diese Branche sei mittlerweile ein Motor für Innovation, Wachstum und Beschäftigung in Sachsen. Ein zukunftsträchtiges Gebiet sieht er in der Rüstungsindustrie. Da würden die ostdeutschen Länder bislang nur wenig von den wirtschaftlichen Effekten der Rüstungsinvestitionen profitieren. „Das muss sich ändern.“


