Chemnitz. Der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze (SPD) sieht nach der überraschend angekündigten Schließung des Congress Hotels keine einfachen Lösungen. Das Aus treffe die Stadt an einer sehr sensiblen Stelle, sagte er am Mittwoch im Stadtrat. „Es wird ein schwieriger Weg.“ Die Stadt bringe sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein, werde aber kein Hotelbetreiber sein können.
Nach einem Gespräch mit den Mitarbeitern am Dienstag hatte Schulze sich am Mittwoch mit dem Eigentümer der Immobilie getroffen. Der Austausch sei konstruktiv gewesen, über den Inhalt sei Vertraulichkeit vereinbart worden, teilte die Pressestelle der Stadt auf Nachfrage mit.
Hat ein reicher Israeli das Sagen?
Das höchste Gebäude in der Chemnitzer City gehört dem Investmenthaus Aroundtown SA mit Sitz in Luxemburg. Die Börsenzeitung berichtete 2024, hinter diesem Konzern stehe wiederum maßgeblich der frühere Investmentbanker Yakir Gabay aus Israel. 2019 war Aroundtown als Sponsor beim Fußball-Bundesligisten Union Berlin eingestiegen.
Mit welchem Vertreter des Konzerns Schulze verhandelt hat, wurde nicht bekannt. Im Mittelpunkt stünden jetzt die etwa 40 Beschäftigten des Hotels, sagte er. Dass der Betriebsrat derzeit über einen Sozialplan verhandle, sei wichtig und gut. Die beiden Geschäfte im Erdgeschoss der Immobilie können laut Schulze weiterbetrieben werden. Zuvor hatte sich bereits der Linken-Politiker und Bundestags-Alterspräsident Gregor Gysi für den Erhalt des Hotels eingesetzt.
Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) will das Personal um den Fortbestand des Hauses kämpfen. Sie planten mehrere Aktionen, um Betreiber und Politik unter Druck zu setzen.
Sowohl Aroundtown als auch der Hotelbetreiber GCH mit Sitz in Berlin hatten Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung bestätigt, dass das bekannteste Hotel in Chemnitz zum Monatsende geschlossen wird.
Der NGG-Regionalchef für Dresden-Chemnitz, Thomas Lißner, kommentierte diesen Entschluss mit den Worten: „Die Entscheidung des Betreibers, das Hotel zu schließen, ist ein Arschtritt für die Beschäftigten.“
Die Entscheidung des Betreibers, das Hotel zu schließen, ist ein Arschtritt für die Beschäftigten. – Thomas Lißner, Chef der NGG-Region Dresden-Chemnitz
Nach Informationen der NGG hatte die GCH-Gruppe einen Subunternehmer mit dem Betreiben des Hotels beauftragt: die 2021 gegründete Maya Hotel Operation GmbH. Die sitzt ebenfalls in Berlin, ihre Eigentümerin ist jedoch eine Gesellschaft in Nikosia auf Zypern.
Schwerwiegender Verdacht
Lißner behauptet, die Maya Hotel Operations GmbH habe das Kulturhauptstadtjahr aus Profitgründen noch mitgenommen. Das Congress Hotel sei komplett ausgebucht gewesen, das Personal habe monatelang am Anschlag mit enormen Überstunden gearbeitet. „Jetzt heißt es einfach Tschüss (…). Das ist eiskaltes Geschäftsgebaren.“ Nach Angaben der NGG arbeiten in dem Hotel rund 40 Beschäftigte, sieben davon seien Auszubildende.

Quelle: Harry Härtel
Mit seiner Geschichte und seiner Bauweise ist das Hotel ein Symbol für die selbst ernannte „Stadt der Moderne“. Erst 2024 hatte das als Interhotel errichtete Haus sein 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Es war 1974 mit einer Höhe von 97 Metern als Interhotel Kongreß eröffnet worden. Nach der Wende führte die französische Hotelkette Accor das Haus, bis 2017 unter dem Markennamen Mercure. 2018 übernahm es die Dorint-Kette. Seit Ende 2023 hat dort die GCH-Hotel-Gruppe das Sagen.
Gewerkschaft sieht Investitionsstau
Die NGG glaubt, dass die GCH kein Interesse daran gehabt habe, das Hotel langfristig zu führen. Es gebe einen Investitionsstau, die Genehmigung für den Brandschutz sei ausgelaufen. Dieses Verhalten sei typisch für große Immobilien- und Investmentfirmen, sagte Lißner. Man steige in den Hotelmarkt ein, mache kurzfristig Profit, investiere aber nicht nachhaltig.
Die GCH führt in Sachsen außer in Chemnitz noch Hotels in Dresden-Neustadt (Ibis Styles), in Leipzig (Ibis Nordost) und in Neukirchen im Landkreis Zwickau (Schloss Schweinsburg).
SZ


