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„Das ist nicht hinnehmbar“: Deutsche Bahn streicht auf weiterer IC-Linie nach Leipzig

Der Fernverkehr in Mitteldeutschland steht vor Einschnitten: Die Deutsche Bahn will die Zahl der IC-Verbindungen auf einer wichtigen Ost-West-Strecke reduzieren. Der Unmut ist groß. Denn es ist nicht die erste Kürzung für Leipzig.

Lesedauer: 2 Minuten

Florian Reinke

Leipzig. Bahnreisende in Mitteldeutschland müssen sich im Fernverkehr auf weitere Einschnitte einstellen. Nach Informationen dieser Zeitung steht nun auch die Intercity-Linie 61 von Leipzig über Jena und Nürnberg nach Karlsruhe auf der Streichliste des Staatskonzerns: Die Deutsche Bahn plant, die Fahrten des Intercity auf nur noch zwei tägliche Verbindungen pro Richtung zu reduzieren. Derzeit verkehren die Züge bis zu fünfmal täglich. Diese Änderung soll zum Fahrplanwechsel im Dezember in Kraft treten.

Auf Anfrage äußerte sich die Bahn nicht dazu, welche Züge konkret entfallen werden. Eine DB-Sprecherin begründet die Ausdünnung mit einer „dauerhaft geringen Auslastung und den damit verbundenen Verlusten“. Sie verweist darauf, dass die Bahn das IC-Angebot auf der Route Leipzig–Jena–Nürnberg im Dezember 2023 von einem auf fünf Zugpaare ausgeweitet hatte. Jedoch stellte sich heraus: „Diese Züge werden von den Reisenden kaum genutzt.“ Aus diesem Grund sollen ab Dezember nur noch zwei Züge pro Richtung und Tag verkehren.

Freistaat Sachsen „bedauert die Kürzung“

Wie es aus dem sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung heißt, sei die Kürzung dem Freistaat bekannt. „Wir setzen uns dafür ein, dass für die Bürger in Sachsen so viel Fernverkehr angeboten wird wie möglich. Deshalb bedauern wir natürlich diese Angebotskürzung und haben dies auch dem Bahn-Konzern gegenüber kommuniziert“, sagt eine Sprecherin.

Der Fahrgastverband Pro Bahn Mitteldeutschland zeigt sich angesichts der Kürzungspläne alarmiert. Denn nicht nur auf der Intercity-Linie 61 drohen Einschnitte: Wie die Deutsche Bahn bereits auf Anfrage bestätigte, entfällt auch die frühe Verbindung von Frankfurt nach Leipzig.

Fahrgastverband: „Das ist nicht hinnehmbar“

Der Verbandsvorsitzende Markus Haubold verweist darauf, dass bereits im vergangenen Jahr Kürzungspläne im Fernverkehr kursierten, die vor allem Ostdeutschland betrafen. Tatsächlich stand damals bereits der IC 61 im Fokus – die DB dementierte allerdings etwaige Absichten. Doch nun würden die Pläne konkret, sagt Haubold.

„Das ist nicht hinnehmbar und ein weiterer Bruch der Versprechungen, Ostdeutschland nicht noch weiter vom Fernverkehr abzuhängen und gefährdet massiv den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Weitere Kürzungen befürchtet

Schlechte Nachrichten gab es zuletzt auch für Reisende auf der ICE-Strecke von Dresden und Leipzig nach Frankfurt am Main. Weil die DB im Fernverkehr viele der fünfteiligen ICE der Baureihe 415 aus dem Verkehr gezogen hat, stehen weniger Plätze zur Verfügung. Wie Pro Bahn kritisiert, fehlten diese. Die Folge seien „überfüllte Züge zwischen Frankfurt und Leipzig“.

Bahn-Kenner befürchten, dass weitere Streichungen drohen, die vor allem den Osten treffen. Besonders gefährdet seien IC-Strecken, auf denen parallel Regionalverkehr existiert. Das trifft laut Pro Bahn etwa auf Abschnitte auf der IC-Strecke Leipzig-Norddeich Mole oder Leipzig-Dresden zu. Hier spielt auch das Deutschlandticket eine Rolle: Besitzerinnen und Besitzer suchen nach Regional-Verbindungen, da der aktuell 58 Euro teure Fahrschein auf diesen gilt. „Gerade auf dem Abschnitt Leipzig-Dresden hat man ja bereits versucht, still und leise Fahrten zu kürzen. Und das wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein“, sagt Markus Haubold von Pro Bahn Mitteldeutschland. Auch bei der Intercity-Linie 61 verweist die Deutsche Bahn auf „die starke Konkurrenz“ durch das Deutschlandticket.

Ministerium: „Ausreichend alternative Verbindungen“

Das sächsische Infrastrukturministerium verfolgt die Entwicklungen in Fernverkehr nach eigenen Angaben aufmerksam – und steht mit der DB im Kontakt. Allerdings muss man wissen: Möglichkeiten, auf die DB Fernverkehr Einfluss zu nehmen, hat die Staatsregierung keine. Denn der Fernverkehr ist in Deutschland eigenwirtschaftlich organisiert.

Im Falle der Intercity-Linie 61 seien die Auswirkungen jedoch begrenzt, heißt es aus Dresden. Für Reisende gebe es demnach „ausreichend alternative Verbindungen“ von Leipzig nach Nürnberg und München sowie mit Umstieg nach Baden-Württemberg. Allerdings: Die Verbindungen im Fernverkehr nach Jena und in andere Städte Thüringens verringerten sich.

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