Die Steuersenkung bei den Spritpreisen scheint zu wirken. Der Tankrabatt hat die Inflation in Sachsen gebremst. Die Teuerungsrate liegt im Mai nach vorläufigen Zahlen bei 2,8 Prozent und damit 0,1 Prozent geringer als im April. Das meldete das Statistische Landesamt am Freitag.
Die Preissenkungen an den Tankstellen (-6,1 Prozent) seien im Zusammenspiel mit gesunkenen Preisen für Nahrungsmittel (-0,5 Prozent) sowie ersten Preisrückgängen bei Bekleidungsartikeln (-0,6 Prozent) „beachtenswert für die aktuelle Monatsentwicklung“, schreiben die Landesstatistiker.
Allerdings stiegen die Preise in Sachsen stärker als im deutschen Durchschnitt. Für ganz Deutschland meldete das Statistische Bundesamt eine monatliche Inflationsrate für den Mai von 2,6 Prozent.
Mineralölverband: Tankrabatt voll weitergegeben
Weil der Spritpreis nach dem Angriff auf den Iran im Februar kräftig stieg, hatte die schwarz-rote Bundesregierung im April eine befristete Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe beschlossen. Benzin und Diesel werden vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026 um 14,04 Cent netto pro Liter (rund 17 Cent brutto inklusive Umsatzsteueranteil) günstiger.
Auch wenn die Preise an den Zapfsäulen durch den Tankrabatt und die 12-Uhr-Regel jetzt weniger stark gestiegen sind, sind sie im Vergleich zum Vorjahr in Sachsen durchschnittlich 18,7 Prozent höher und beeinflussten weiterhin die Jahresteuerungsrate, heißt es.
Mit Blick auf den Einfluss des Tankrabatts auf die Inflation verweist der Wirtschaftsverband Fuels und Energie e.V. (EN2X), der die großen Mineralölkonzerne vertritt, auf folgende Zahlen: Im Februar habe ein Liter Benzin Super E10 im Bundesdurchschnitt, 1,75 Euro gekostet, im März 2,01 Euro, im April 2,10 Euro und iam 28. Mai 1,97 – also ein Minus von 13 Cent je Liter. „Da gleichzeitig der Produktpreis für Benzin am europäischen Markt zum vier Cent gestiegen ist, ist der „Tankrabatt“ am Ende also in voller Höhe weitergegeben worden“, betont der Verbandssprecher. Ohne „Tankrabatt“ läge der Mai-Durchschnittspreis für E10 bei 2,14 Euro je Liter.
Preise könnten wieder stärker steigen
Das sich die Inflationsrate in den kommenden Monaten weiter abschwächt, ist eher ungewiss. Denn die Spritpreise könnten wieder stärker steigen als bisher.
Zum einen stoppte Russland am 1. Mai die Lieferung kasachischen Rohöls an die PCK Raffinerie in Schwedt. „Die Auslastung der Anlagen wird um ein Viertel sinken, wenn nicht rechtzeitig Alternativen gefunden werden“, heißt es in einer Analyse des ACE Automobilclubs Europa, die diese Woche veröffentlicht wurde. Zwar könnten Raffinerien in anderen Landesteilen Teile Ostdeutschlands mitversorgen. Aber das ist mit Transportkosten verbunden. „Die Preise an den Tankstellen und für Heizöl werden in den betroffenen Regionen noch weiter als bisher über den Bundesdurchschnitt steigen“, so die Prognose in der ACE-Analyse. Nach Ansicht des Verbands EN2X sind die gestoppten Öllieferungen aus Kasachstan schon „eingepreist“.
Zum anderen soll der Tankrabatt am 30. Juni auslaufen. Dann werden die Menschen ausgerechnet zu Beginn der Sommerferien wieder die volle Wucht des Weltmarktes spüren.
SZ


