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Deutschlands älteste Briefkastenfirma: Kurzarbeit bei Knobloch in Döbeln

Die Traditionsfirma muss einen Teil ihrer 185 Mitarbeiter nach Hause schicken. Das liegt nicht an einem Mangel an Aufträgen – im Gegenteil. Andere Firmen haben das gleiche Problem.

Lesedauer: 2 Minuten

Die Firma Max Knobloch Nachf. in Döbeln hat die Produktion von Briefastenanlagen gedrosselt. Der Grund liegt bei der Bauindustrie. Quelle: Jens Hoyer

Jens Hoyer

Döbeln. Bei Deutschlands ältester Briefkastenfirma – der Firma Max Knobloch Nachf. in Döbeln – wird gerade kurzgearbeitet. „Wir haben 20 bis 30 Prozent unserer Kapazitätsauslastung heruntergefahren“, sagte Geschäftsführer Thomas Kolbe. Ein Teil der Belegschaft bleibt zu Hause. „Wir verteilen das solidarisch über verschiedene Abteilungen. Die Situation ist nicht kritisch, die Mitarbeiter ziehen gut mit“, so Kolbe.

Der Grund ist nicht etwa Auftragsmangel, sondern Auftragsstau. Die Bauindustrie, an die der Briefkastenhersteller vor allem seine Anlagen liefert, nimmt gerade weniger ab. Wegen der anhaltenden Kälte wird auf vielen Baustellen nicht gearbeitet, sagte Kolbe. „Den Winter hat man nicht im Griff. So eine lange Phase hatten wir lange nicht. Das ist eine ungewöhnliche Situation.“

Bessere Auftragslage in diesem Jahr erwartet

Kolbe hofft auf den „Nachholeffekt“. Was heißen könnte, dass nach der Kurzarbeit auf die Mitarbeiter die gegenteilige Situation zukommt: Überstunden. Denn eigentlich sei die Auftragslage positiv. „Wir sind mit höheren Auftragsbeständen gut ins neue Jahr gekommen. Wir gehen nicht davon aus, dass der Markt schwächer wird. Die Prognose sagt beim deutschen Wohnungsbau ein Wachstum von 3,6 Prozent voraus. Das ist eine gute Nachricht.“

Entlassungen könnten mit der Kurzarbeit bei diesem kurzfristigen Problem vermieden werden. „Wir hatten noch mal Mitarbeiter eingestellt“, so Kolbe. Die Entwicklung mit Betriebsschließungen habe für ein größeres Potenzial auf dem Arbeitsmarkt und mehr Bewerbungen gesorgt. Derzeit arbeiten bei Knobloch 185 Mitarbeiter.

Hochbau benötigt fünf Grad über Null

Die milden Winter der vergangenen Jahre hatten die Baufirmen und Bauherren „verwöhnt“. „Ich bin seit fünf Jahren Geschäftsführer, aber so eine Situation hatten wir noch nicht“, sagte Matthias Masur, Chef der Leisniger Baugilde. Die Firma baut den Rohbau für das neue Feuerwehrgerätehaus in Lüttewitz. Oder baut gerade nicht – denn seit Weihnachten ruhen die Arbeiten.

Den Winter hat man nicht im Griff. So eine lange Phase hatten wir lange nicht. – Thomas Kolbe, Knobloch-Geschäftsführer

Es ist die größte von acht Baustellen der Baugilde, die gerade eingefroren sind. Die Mitarbeiter seien anderweitig eingesetzt – beim Innenausbau oder bei Abbrüchen. „Andere sind im Urlaub, ein paar bleiben zu Hause“, so der Geschäftsführer. Er rechnet noch nicht damit, dass der Betrieb auf den Baustellen schnell wieder losgehen kann. „Es soll wieder kälter werden. Wir brauchen mindestens fünf Grad. Die Baukörper müssen sich erwärmen.“

Tiefbauer arbeiten seit dieser Woche wieder

Die Tiefbauer von der Firma LFT Ostrau und die Rohrleitungsbauer von RAT sind seit dieser Woche wieder im Einsatz. Nach der Weihnachtspause waren sie erst einmal wegen Frost und Schnee zu Hause geblieben.

Bei dieser „Schlechtwettervariante“ bekommen die Mitarbeiter Geld von der „Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft“, kurz ULAK. „Wir zahlen einen Teil, haben aber den Vorteil, dass wir sofort weitermachen können, wenn das Wetter wieder besser wird. Die Mitarbeiter müssen auch nicht aufs Arbeitsamt“, sagte Geschäftsführer Christian Fischer.

Auf acht Baustellen in der Region hatte LFT nicht weitermachen können: Tiefbau-, Pflaster- und Pflanzarbeiten ruhten. „Bis 0 Grad können wir bauen“, sagte Fischer. Auch für den Rohrleitungsbau sei diese Temperatur nötig.

SZ

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