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Die Datenretter von Leipzig

Bindig Media stellt mit hauseigenen Analyseverfahren Systeme wieder her. Und bewahrt damit Unternehmen vor Schlimmerem.

Lesedauer: 3 Minuten

Blick auf ein Speichermedium.
Datensicherung ist ein Muss für jedes Unternehmen. Manchmal geht trotzdem etwas schief. Dann sind die Datenretter von Bindig Media gefragt.  Foto: Huckleberryking Media GmbH/Bindig Media GmbH

Von Ulrich Milde

Leipzig. In einem mittelständischen Maschinenbauunternehmen in der Region Leipzig, spezialisiert auf CNC-Fräsen für die Automobilzulieferindustrie, führte eine Stromspitze infolge einer Netzumschaltung zum Totalausfall des IT-Systems. Mehrere Festplatten zeigten nach dem Vorfall Fehler an, die Computer ließen sich nicht mehr starten. Konstruktionspläne, Maschinenkonfigurationen, Steuerungsdaten und laufende Fertigungsaufträge – alles schien verloren.
Da kamen die Retter der Leipziger Bindig Media GmbH ins Spiel. Ihnen gelang es binnen 72 Stunden, mithilfe der hauseigenen Analyseverfahren das System wiederherzustellen. Der gesamte Produktionsprozess konnte so mit den kompletten Daten fortgeführt werden. Ein drohender Schaden im siebenstelligen Bereich wurde verhindert.

Hilfe für Anwaltskanzlei
Ein weiteres Beispiel: In einer Anwaltskanzlei in Dresden gab es einen kompletten Systemabsturz. Der Zugriff auf laufende Mandantenakten, Fristsachen, Urteilsentwürfe und den Schriftverkehr war nicht mehr möglich. Die Kanzlei war technologisch lahmgelegt.
Als besonders brisant erwies sich, dass ein Teil der digitalen Akten für eine bevorstehende Gerichtsverhandlung benötigt wurde. Ein Verlust hätte kurzfristig haftungsrechtliche Konsequenzen gehabt und langfristig den Ruf des Juristen beschädigt.
Auch hier konnte das IT-Unternehmen helfen. Die elektronischen Speichermedien wurden unter Reinraumbedingungen ausgebaut und überprüft. Zwei Laufwerke waren gleichzeitig ausgefallen. Dank spezieller Algorithmen gelang es, die Datenstruktur vollständig zu rekonstruieren. Bereits nach zwei Tagen lagen sämtliche wichtige Informationen wieder vor, der Anwalt konnte seine Arbeit ohne wesentliche Verzögerung fortsetzen, die nahende Gerichtsverhandlung war nicht mehr gefährdet. In diesen beiden wie in weiteren Fällen nutzte die Bindig Media, die unter dem Markennamen Data Reverse arbeitet, Entwicklungen der internen Forschungsabteilung, um den Kunden zu helfen. „Der Zugriff auf Daten entscheidet über Zeit, Geld und Geschäftsfähigkeit“, sagt Firmenchef Jan Bindig. „Wir sehen täglich, wie viel Verantwortung und Komplexität mit IT-Systemen verbunden sind – und wie wichtig es ist, im Notfall auf Experten vertrauen zu können.“ Sein Betrieb sieht sich als Spezialist für Datenrettung und unterstützt vor allem Kunden aus Industrie, Verwaltung, Medizin, Medienproduktion und dem juristischen Bereich bei der professionellen Wiederherstellung von Daten nach technischen Ausfällen, physikalischen Schäden oder logischen Fehlern.
Generell gehören Schäden an der IT und verschwundene Mails, Buchungsunterlagen, Verträge und Schriftstücke zu den größten Albträumen im digitalen Zeitalter, privat wie geschäftlich. Ob versehentlich gelöschte Urlaubs- oder Hochzeitsfotos, eine formatierte Festplatte oder ein Hardware-Defekt – die Panik sei meist groß. „Doch oftmals sind die Informationen nicht endgültig verloren.“, sagt Bindig. „Materialermüdung, Stoßbelastung oder Stromereignisse können innerhalb kurzer Zeit zu massiven Zugriffseinschränkungen führen.“

Mechanische Grenzen
Das stehe exemplarisch für eine Tendenz, die sich in der Praxis zunehmend zeige. Moderne IT-Architekturen seien generell auf Ausfallsicherheit ausgerichtet. Dagegen bleibe die physische Ebene weiterhin mechanischen Grenzen unterworfen. „Datenträgerschäden wie eine defekte Festplatte sind kein Relikt vergangener IT-Generationen“, sagt der 47-Jährige. Sie blieben Teil der technischen Realität. Besonders kritisch sei dies in Umgebungen mit erhöhtem Schutzbedarf – dort, wo Vertraulichkeit, Dokumentationspflichten und Integritätsnachweise zentrale Anforderungen seien.
Erfahrungen zeigten zudem: „Nicht der Defekt selbst verursacht häufig den größten Schaden, sondern unkoordinierte Reaktionen wie wiederholte Neustarts oder softwarebasierte Eigenversuche bei mechanischen Problemen“, beschreibt er. Weshalb er empfiehlt, im Falle eines Falles Ruhe zu bewahren, den Schadenverlauf zu protokollieren und zu prüfen, ob aktuelle Back-ups vorhanden seien. Ganz wichtig sei in Unternehmen, den IT-Verantwortlichen unverzüglich zu kontaktieren. Gibt es diesen Experten nicht, sollte ein Spezialist beauftragt werden. „Durch eigene Technologien gelingt es uns, in 95 Prozent aller Vorfälle die Daten wiederherzustellen.“
Ursprünglich hatte Bindig, der im damaligen Karl-Marx-Stadt geboren wurde, eine andere berufliche Laufbahn eingeschlagen. Er absolvierte eine Ausbildung im Einzelhandel, sattelte dann aber auf ein Studium der Wirtschaftsinformatik an der Universität Leipzig um. Danach machte er sich im IT-Bereich selbstständig und beschäftigte sich schon bald mit der Datenwiederherstellung. „Das ist eine spannende Herausforderung“, sagt er. Es sei erforderlich gewesen, viel auszuprobieren. Damals sei es oft um beschädige Festplatten gegangen, deren Schreib- und Leseköpfe nicht mehr funktionierten, etwa wegen Feuchtigkeit oder langer Betriebszeiten.

Überwiegend gewerbliche Kunden
2004 gründete Bindig seinen Betrieb, der inzwischen 18 Mitarbeiter beschäftigt und einen Jahresumsatz in mittlerer einstelliger Millionenhöhe erwirtschaftet. Rund 7 000 Order werden jährlich erledigt. 70 Prozent davon sind von gewerblichen Kunden, der Rest von Privatleuten. Die Auftraggeber kommen überwiegend aus Deutschland, nennenswert aber auch aus der Schweiz und Österreich. Und da es oftmals schnell gehen muss, um Betriebsunterbrechungen zu vermeiden, gibt es eine 24-Stunden-Hotline.
Dabei haben sich seine Angestellten spezialisiert, „nicht jeder macht alles“. Sie müssten sich in die Details der verschiedenen Gerätetypen einarbeiten. Die Hersteller stellten keine Software für die Reparaturen bereit. „Daran haben sie kein Interesse, sie wollen neue Geräte verkaufen.“
Auch bei Cyber-Attacken auf Firmen-IT ist Bindig mit seiner Mannschaft gefragt. Hier geht es auch um Forensik, also die systematische Untersuchung zur Analyse von Beweismitteln nach Sicherheitsvorfällen. Allein in der Bundesrepublik gab es im Januar 2026 über 5000 Angriffe auf Unternehmen. In jedem zehnten Fall wurde die IT der Firma erfolgreich gehackt. Die Daten werden unlesbar gemacht, die Betroffenen erhalten Lösegeldforderungen. „Auch da konnten wir schon helfen“, sagt Bindig. So komme es vor, dass dem Erpresser ein Fehler unterlaufen sei. „Dann finden wir Datenspuren.“ Gelegentlich würden die Angreifer auch nicht alles verschlüsseln. Da gelinge dann eine Teilwiederherstellung.
Der beste Weg, Daten zu retten, ist laut Bindig, sie gar nicht zu verlieren. Goldstandard sei die 3-2-1-Regel: Mindestens drei Kopien anfertigen, wobei zwei Speichermedien genutzt werden sollten und eine Kopie an einem anderen Ort gelagert wird, etwa in der Cloud oder in einem Schließfach.

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