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Experten sehen Zukunft von VW Zwickau positiv: „Ich vertraue Oliver Blume“

Die IG Metall kritisiert den VW-Vorstand scharf, weil er die Integration von Volkswagen Zwickau in den Konzern verschoben hat. Experten empfehlen, statt Konfrontation lieber die Konzentration auf die Sparprogramme. Auch sei mehr Selbstbewusstsein angebracht.

Lesedauer: 3 Minuten

Im Zwickauer VW-Werk laufen E-Autos der Marken VW, Cupra und Audi vom Band. Quelle: IMAGO/Chris Emil Janßen


Andreas Dunte

Leipzig/Dresden. Die Belegschaft im VW-Werk in Zwickau ist verunsichert: Der Konzern fährt einen harten Sparkurs, immer wieder kochen Gerüchte hoch, wonach die sächsische Fahrzeugfabrik auf der Kippe steht. Und jetzt verschiebt der Vorstand die lange verabredete Integration von VW Sachsen in den Konzern. Die IG Metall spricht von einem „schwerwiegenden Vertrauensbruch“ und fordert den Konzern auf, schnell Verhandlungen aufzunehmen.

Er sei sauer, von der verschobenen Zusammenlegung von VW Sachsen mit dem Konzern aus den Medien erfahren zu haben, so Thomas Knabel, Chef der IG Metall Zwickau. Als der Aufsichtsrat des sächsischen Tochterunternehmens, in dem auch Knabel sitzt, tagte, war die Nachricht bereits öffentlich. In der angespannten Lage, in der sich der Wolfsburger Konzern befindet, schüre eine solche Vorgehensweise Misstrauen in den Belegschaften.

Beschäftigte in Ost und West erhalten gleichen Lohn

Auch Max Jankowsky, Präsident der IHK Chemnitz und Geschäftsführer der Gießerei Lößnitz, kritisiert den Konzern. „Ein solches Vorgehen des Konzerns lässt Empathie vermissen.“ Zugleich zeigt er Verständnis. Die vom Konzern angeführten Gründe, dass es Softwareprobleme gibt, sind aus seiner Sicht nicht aus der Luft gegriffen. Vorstand und IG Metall sollten aufeinander zugehen, rät er. „Es ist keine Zeit für interne Streitereien.“ Nachteile für die Beschäftigten gebe es nicht. Seit Anfang des Jahres gelten in Sachsen dieselben tariflichen Bedingungen wie an den westdeutschen Standorten.

Volkswagen müsse wieder die Hoheit über seine Kommunikation bekommen, so der IHK-Chef weiter. Der Konzern müsse sparen, und das gehe nur mit einer motivierten, nicht mit einer verunsicherten Mannschaft. Zugleich fordert er zu mehr Selbstbewusstsein an den sächsischen VW-Standorten auf. „Wir tun manchmal so, als seien wir das fünfte Rad am Wagen. Das sind wir nicht.“ Eine Neuausrichtung des Konzerns gelinge nur mit den Werken in Sachsen und den Zulieferern, ist sich Max Jankowsky sicher. „Zwickau ist der modernste Standort von VW in Deutschland. Und auch die sächsische Zulieferstruktur ist die modernste. Das weiß der Vorstandschef. Mein Vertrauen hat Oliver Blume.“

Wir tun manchmal so, als seien wir das fünfte Rad am Wagen. Das sind wir nicht. – Max Jankowsky, IHK-Präsident Chemnitz

Auch Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) sieht es so: „Die Standorte in Sachsen gehören zu den produktivsten, die VW in Deutschland hat – sowohl in der Fahrzeugproduktion als auch in der Komponentenfertigung. Letztere ist in Chemnitz sogar europaweit führend. Das ist unser großer Vorteil, und daran müssen wir weiter arbeiten.“ Oberstes Ziel müsse es sein, die vorgegebenen Kostenziele zu erreichen. Er habe Vertrauen in Belegschaft und Geschäftsführung, dass sie das schaffen „und damit gute Argumente im Standortwettbewerb liefern“.

VW Zwickau muss Kostenziele erreichen

Das Ministerium stehe im Austausch mit der Belegschaft, dem Betriebsrat, der Geschäftsführung in Sachsen und auch mit dem Konzern in Wolfsburg, so der SPD‑Politiker. Man müsse gemeinsam auftreten, rät er. „Der Konzern sitzt nicht hier, umso wichtiger ist es, dass wir geschlossen handeln und mit einer Stimme sprechen.“

Vorrang hat aus Sicht von Jens Katzek, Geschäftsführer des Automobilclusters Ostdeutschland (ACOD), ebenfalls das Thema Kosten. „VW hat ein Problem mit den Überkapazitäten. Die Fabriken könnten viel mehr Autos produzieren, als man derzeit verkauft. Und deshalb muss VW an der Kostenstruktur arbeiten!“, so Katzek vom ACOD, der Hersteller, Zulieferer, Dienstleister, Forschungsinstitute, Start-ups und Verbände vernetzt. „Ohne dass die Kostenziele erreicht werden, kann VW die Standorte nicht sichern. Dies muss jedem der Beteiligten klar sein. Deshalb hat die Erreichung der Kostenziele allererste Priorität.“

Auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer macht auf die schwierige Situation aufmerksam, in der Volkswagen steckt. Skoda sei der große Gewinner im Konzern, Porsche schwächelt. Irgendwo dazwischen befänden sich die Marken VW und Audi. Nach Meinung des Wirtschaftswissenschaftlers sind die Kostenbedingungen in Wolfsburg am schlechtesten.

An die Adresse der Gewerkschaft gerichtet, sagt Dudenhöffer, dass eine Integration in den Konzern nicht für mehr Sicherheit sorgt. Das sei ein Irrglaube. Er empfiehlt den Sachsen, den Blick nach China zu richten. VW China habe gezeigt, dass man die Entwicklungskosten und Entwicklungszeiten für neue Modelle radikal reduzieren kann. Zwickau sollte den Austausch mit VW China suchen, um die Wettbewerbssituation des sächsischen Werks weiter zu verbessern. Letztlich komme es allein darauf an. Ein hochproduktiver und innovativer Standort sei das beste Pfund, um im Standortwettbewerb bestehen zu können.

Ganz anders sieht es die Linkspartei im Sächsischen Landtag. Deren Fraktionsvorsitzende Susanne Schaper hält die Begründung dafür, dass die tarifvertraglich vereinbarte Konzern-Integration nicht pünktlich stattfindet, für vorgeschoben. „Man muss den Eindruck gewinnen, dass die Produktion an den verbliebenen sächsischen VW-Standorten Zwickau und Chemnitz in der Konzernzentrale keine Priorität hat. Mit ihrem aktuellen Handeln macht die VW-Führung klar: Wenn es hart auf hart kommt, hat Westdeutschland den Vorzug. Die Integration in den Mutterkonzern würde den Beschäftigten etwas mehr Sicherheit geben und helfen, Zweifel an der Zukunft der Standorte auszuräumen.“

SZ

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