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Fratzscher in Dresden: „TSMC ist eine gute Wette“

Der bekannteste Ökonom Deutschlands ist zu Besuch in Dresden. Er sorgt sich wenig um die aktuelle wirtschaftliche Lage. Warum?

Lesedauer: 2 Minuten

Man sieht Marcel Fratzschner, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung: Wir machen uns in Deutschland kleiner als wir sind." © Archivbild: dpa

Von Luisa Zenker

Eigentlich könnte der bekannteste Ökonom Deutschlands Marcel Fratzscher allen Grund haben, besorgt zu sein. Rechnen die Wirtschaftswissenschaftler doch mit einem Nullwachstum für dieses Jahr. Doch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung steht an diesem Dienstagabend lächelnd am Rednerpult im Dresdner World Trade Center: „Wir machen uns in Deutschland kleiner als wir sind.“ Deutschland sei nicht der kranke Mann Europas. Auf dem Arbeitsmarkt gebe es maximale Beschäftigung, Deutschland leiste mehr Arbeitsstunden als je zuvor und die befürchtete Welle der Unternehmensinsolvenzen sei ausgeblieben.

Selten aber sei die Stimmung so schlecht wie jetzt. Das habe Folgen für die Ökonomie. Denn Wirtschaft sei zum Großteil Psychologie, erklärt Fratzscher beim Dresdner Immobiliensymposium. Nur wer Vertrauen in die Wirtschaft habe, würde investieren. Und genau diese Investitionen bleiben derzeit aus, so der Präsident des DIW.

„Der Elefant im Raum ist nicht Russland, sondern China.“

Für ihn liegen die Probleme nicht in der konjunkturellen Lage der nächsten zwei Jahre, danach werde sich Deutschland erholen. Er blickt vielmehr besorgt auf die bevorstehenden Umbrüche in den zwei kommenden Jahrzehnten. Dazu zählt der Volkswirt drei große Wendepunkte: Erstens die Globalisierung: „Der Elefant im Raum ist nicht Russland, sondern China.“ Deutschlands habe sich „erpressbar“ von der autoritären Volksrepublik gemacht, die Lieferketten stehen vor enormer Herausforderung.

Zweitens, die ökologische und technologische Transformation. Hier hänge Deutschland bereits massiv hinter den USA und China hinterher. Wenn Deutschland weiterhin bremse, werden die wirtschaftlichen Kosten „riesig“ sein. Es brauche „mehr Mut“ in Investitionen. Beispielgebend sei die fünf milliardenschwere Investition der Bundesregierung in die Ansiedlung des Chipriesen TSMC in Dresden. „Das ist eine gute Wette“, lobt Fratzscher, könnte das Unternehmen doch ein Magnet für weitere Ansiedlungen werden. Dennoch fehlt es an Investitionen. Deshalb fordert er die Schuldenbremse zu lockern, um massiv Geld in Infrastruktur und Bildung zu stecken. Investiere der Staat in Bildung, komme das zwei- bis dreifache zurück. „Langfristig bedeutet es weniger Schulden.“

Als größtes Risiko nennt der Ökonom aber die fehlende soziale Akzeptanz von Veränderungen. Man müsse die Leute mitnehmen. Einwanderung sei eine Chance, um den „existenzbedrohenden“ Fachkräftemangel zu schließen. Aber er geht weiter: Mehr Frauen könnten in Vollzeit arbeiten, wenn die Rahmenbedingungen für die Kinderbetreuung stimmen. „Da kann westdeutsche Bundesländer von ostdeutschen Bundesländern lernen.“ Auch das Ehegattensplitting hält er für falsch.

Der DIW-Präsident scheint an diesem Abend wenig besorgt. Auf die Stärken des deutschen Staats solle man sich konzentrieren. Dazu gehört für Fratzscher besonders: der verlässliche Rechtsstaat, der Unternehmen faire Spielregeln zusichert. Und der gesellschaftliche Zusammenhalt, dazu zählt der DIW-Präsident auch den Schutz der Schwächsten: „Hochsolidarische Gesellschaften können Transformationen am besten bewerkstelligen.“

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