Von Christian Wendt und Silke Kasten
Torgau. Die 120-jährige Firmengeschichte des Torgauer Traditionsherstellers Lamator wird weitergeschrieben. Statt im Herbst dieses Jahres zu schließen, weil die Produktion nach Ungarn verlegt werden sollte, wird das Geschäft bereits seit dem 1. Juli von der neugegründeten Lato GmbH fortgeführt. „Auch die komplette Belegschaft wurde übernommen“, heißt es dazu in einer Mitteilung von Lato. Zudem seien die am Standort vorhandenen Maschinen, Anlagen und Werkzeuge zum 30. Juni erworben worden.
Nach Bekanntgabe der Produktionsverlagerung von Torgau nach Ungarn Ende Mai dieses Jahres war ein Investor mit einem Übernahmekonzept an die im hessischen Hatzfeld ansässige Frank-Gruppe herangetreten. „In Torgau können damit weiterhin qualitativ hochwertige Produkte wie Federzinken, Packerfedern und verschiedene Verschleißteile unverändert unter der Marke Lamator entwickelt und gefertigt werden“, bestätigt Guido Schäfer, Leiter Unternehmensentwicklung der Frank-Gruppe.
Hessen freuen sich über Entwicklungsschritt in Torgau
„Wir freuen uns über diese positive Entwicklung für den Standort Torgau“, so Boris Hagmaier, der als Finanzvorstand von Frank den Unternehmensverkauf betreut hat. „Somit kann der Betrieb nahtlos fortgeführt werden. Zudem stehen die bewährten Ansprechpartner unverändert zur Verfügung“, teilt die Frank-Gruppe mit.
Die Stimmung in der Belegschaft ist enthusiastisch. – Anne Kayß, Lato GmbH
Erleichterung demnach auch bei der Belegschaft in der nordsächsischen Kreisstadt. Nach Angabe von Anne Kayß, die den Standort Torgau weiterhin leitet, werde der neue Firmenname Lato übergangsweise Verwendung finden. Zukünftig sollen die Geschäfte wieder unter der Traditionsmarke Lamator abgewickelt werden. „Unser Bestreben ist es, in Kombination mit bestem Service und Einhaltung von Lieferterminen weiterhin Qualitätsprodukte herzustellen“, so Kayß weiter. Die Stimmung in der Belegschaft beschreibt sie als enthusiastisch. Das gesamte Team sei sehr motiviert.
Produktionsschließung in Torgau vom Tisch
Die Frank-Gruppe hatte Lamator im Jahre 2022 übernommen. Ende August dieses Jahres sollte das Torgauer Werk geschlossen und die Produktion nach Ungarn verlagert werden. Als Grund für das Aus wurden hohe Lohnkosten angegeben. Da in Torgau noch mit viel Handarbeit gefertigt werde, seien die Kosten im internationalen Vergleich nicht mehr wettbewerbsfähig, hieß es.

Quelle: Silke Kasten
„An der Strategie von Frank im Segment der Federzinken und Packerfedern ändert sich durch diese für Torgau erfreuliche Entwicklung nichts“, so Dr. Frank Grote. „Teils in Eigenfertigung im ungarischen Werk und teils gemeinsam mit Partnern werden wir uns weiterhin auf die volumenstarken Produkte konzentrieren, sodass es nur geringe Überschneidungen mit Lamator geben wird“, erläutert der Frank-Unternehmenschef.
Werk in Torgau fertigt Zinken für die Landwirtschaft
Hergestellt werden in Torgau hochwertige Metallzinken, die in landwirtschaftlichen Geräten im Ackerbau Verwendung finden. An diesen vibrierenden Zinken werden Werkzeuge wie Gänsefüße, Hack- oder Wendeschare befestigt.

Quelle: Silke Kasten
Produziert wurden bislang bis zu 400.000 Zinken pro Jahr, dazu diverse Kleinteile wie Klemmelemente oder Schare. Das Produktportfolio am Standort Torgau umfasst 300 Produkte. Weltweit zählt Lamator respektive Lato damit zu den nach eigener Angabe zehn führenden Anbietern in jenem Marktsegment. Ein Vorteil des Standortes ist, dass hier auch spezielle und kleinere Aufträge angenommen werden können.
Die Ursprünge der Firma gehen auf die Firma Wilhelm Stoll zurück, die 1878 in Luckenwalde gegründet wurde. 1906 wurde der Produktionsstandort nach Torgau verlegt. Zu DDR-Zeiten zählte der VEB Landmaschinenbau Torgau (daher der Name Lamator) zeitweise bis zu 1000 Beschäftigte. Nach der Wende wurde 1996 die Lamator GmbH gegründet.


