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Gaskraftwerke für die Lausitz? Neue Regeln stärken den Osten

Lange schienen das Lausitzer und Mitteldeutsche Kohlerevier beim Bau neuer Reservekraftwerke das Nachsehen zu haben. Nach einem Umschwenken könnten die Anlagen nun auch in der Lausitz und im Raum Leipzig entstehen.

Lesedauer: 3 Minuten

Die Leag will am Standort Schwarze Pumpe bei Spremberg mindestens ein Gaskraftwerk bauen. Quelle: Constanze Knappe

Von Irmela Hennig

Cottbus. Geht der Osten beim Bau neuer Gaskraftwerke (GKW) leer aus? Die Sorge war in den vergangenen Monaten groß. Die Anlagen sind zentral für die Energiewende und sollen zugleich den heutigen Kohle-Beschäftigten eine Job-Perspektive bieten.

Wegen des sogenannten Südbonus sah es allerdings lange so aus, als ob das Lausitzer und das Mitteldeutsche Revier bei der Verteilung der Kraftwerke das Nachsehen haben würden. Ende vergangener Woche nun die Wende: Der Bundestag beschloss den Bau der neuen Kraftwerke – mit entscheidenden Verbesserungen zugunsten der ost- und norddeutschen Bundesländer.

Noch in diesem Jahr sollen Ausschreibungen für insgesamt 11 Gigawatt neuer Kapazitäten beginnen, die spätestens Ende 2031 am Netz sein sollen. Die neuen Anlagen sollen zunächst Erdgas verbrennen, was mit dem Ausstoß schädlicher Klimagase verbunden ist. Spätestens 2045 sollen die GKW dann „klimaneutral“ mit Wasserstoff laufen.

Das Energieunternehmen Leag mit Standorten in der Lausitz und bei Leipzig reagiert erleichtert. Auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie spricht von vorsichtigem Optimismus nach einem „harten Kampf“. Ähnlich äußerte sich Leag-Betriebsrätin Silke Rudolf.

Warum sind die Gaskraftwerke für die Energiewende wichtig?

Deutschland ist aus der Erzeugung von Atomstrom ausgestiegen; bis 2038 wird auch mit Energieproduktion aus Kohle hierzulande Schluss sein. Die GKW sollen die Stromversorgung in Deutschland sicherstellen, wenn „die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht“. Laut einem Bericht der Bundesnetzagentur benötigt Deutschland je nach Tempo bei der Energiewende zusätzliche steuerbare Kapazitäten von etwa 22,4 Gigawatt bis zu 35,5 Gigawatt.

Was war ursprünglich geplant?

Mindestens zwei Drittel der Kapazitäten sollten nach den ursprünglichen Plänen an Bewerber unter anderem aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern gehen, in den sogenannten netztechnischen Süden. Zudem hätten sich die dortigen Standortbetreiber auch um das verbliebene Drittel bemühen können.

Begründet wurde das vonseiten des Bundeswirtschaftsministeriums unter anderem damit, dass es im Süden viele große Industriebetriebe gebe, deren Stromversorgung gesichert werden müsse. Die Pläne führten zu Protesten unter anderem in Sachsen und Brandenburg.

Was wurde für die Lausitz und Lippendorf befürchtet?

Politiker, Gewerkschafter und Unternehmen äußerten die Sorge, die Transformation der Regionen könnte ausgebremst werden. Die Kohlereviere, auch im Osten Deutschlands, stecken im Strukturwandel.

Spätestens in zwölf Jahren soll dort das letzte Braunkohlekraftwerk vom Netz gehen. Tausende Jobs stehen auf dem Spiel. Bund, Länder und EU fördern darum die Umstellung – auch der Wirtschaft. Die Leag investiert zudem selbst in neue Geschäftsfelder – so in Wind- und Solarparks sowie Speicheranlagen. Gaskraftwerke seien in der Planung ein weiteres Standbein, so das Unternehmen.

Auszubildende vom Energiekonzern Leag hatten immer wieder für neue Kraftwerke im Osten Deutschlands demonstriert – so wie hier in Schwarze Pumpe.
Auszubildende vom Energiekonzern Leag hatten immer wieder für neue Kraftwerke im Osten Deutschlands demonstriert – so wie hier in Schwarze Pumpe.
Quelle: Patrick Pleul/dpa

Wie viele Jobs wegfallen würden ohne die GKW, dazu gibt es keine verlässlichen Angaben. Laut Betriebsrätin Silke Rudolf biete ein solches Kraftwerk vielleicht 50 bis 60 Stellen. Es gehe beim Thema eher grundsätzlich um Perspektiven für Standorte, um zuverlässige Energieversorgung und Chancen auch für junge Mitarbeiter nach dem Kohle-Aus.

Was steht nun im Gesetz?

Die zweigeteilte Ausschreibung für die Kraftwerke soll folgendermaßen laufen: Die günstigsten Angebote – egal, woher sie kommen – erhalten demnach als erstes den Zuschlag. Erst wenn Standorte aus Nord- und Ostdeutschland insgesamt ein Drittel gewonnen haben, soll der Bonus für den Süden greifen.

Für die Leag mit vier Kraftwerken in der Lausitz und in Lippendorf bei Leipzig heißt das laut Sprecherin Kathi Gerstner: „Wir stellen uns dem Wettbewerb in den anstehenden Ausschreibungen.“ Allerdings gebe es keine Garantie, dass man einen Zuschlag für seine Projekte in Ostdeutschland bekomme.

Wir stellen uns dem Wettbewerb in den anstehenden Ausschreibungen. – Kathi Gerstner, Leag-Sprecherin

Wo und wie schnell können jetzt Gaskraftwerke entstehen?

Konkret will die Leag ein Gaskraftwerk in Schwarze Pumpe und eines am Standort Lippendorf mit jeweils bis zu 850 Megawatt installierter Leistung errichten. Laut Kathi Gerstner könnte der Zeitplan wie folgt aussehen: Bekomme das Unternehmen den Zuschlag, dauere es wohl ein Jahr bis zum Erhalt der Baugenehmigung.

Über erste Teilgenehmigungen im Rahmen des Bundes-Immissionsschutzgesetz-Verfahrens verfügen die Projekte allerdings bereits. „Die reine Bauzeit beträgt etwa vier bis fünf Jahre, sodass die Kraftwerke Anfang der 2030er-Jahre in Betrieb gehen könnten“, heißt es von der Sprecherin.

Was ist mit der Umstellung auf Wasserstoff?

Da ist man bei der Leag skeptisch. Es fehlten die Rahmenbedingungen, so die Antwort. Weder gebe es verlässliche Planungen für eine Wasserstoffleitung in die Lausitz noch sehe man einen belastbaren Hochlauf jener Industrie, die Wasserstoff in verlässlichen Mengen und zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar mache.

SZ

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