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Geht das Filialsterben weiter? Sachsens Sparkassen und ihr Präsenzversprechen

Die Sparkassen in Sachsen planen keinen weiteren Abbau. Und sie loben sich selbst: Bezogen auf die Einwohnerzahl ist die Filialdichte im Freistaat deutlich höher als in westdeutschen Regionen. Die Wege sind oft dennoch lang.

Lesedauer: 3 Minuten

Wurde 2023 geschlossen: Die Filiale der Sparkasse in der Gohliser Straße in Leipzig. Quelle: Andre Kempner

Andreas Dunte

Leipzig/Dresden. In fast jedem Dorf gab es früher eine Filiale der Sparkasse. In größeren Städten waren sie an fast allen zentralen Plätzen zu finden. Mit dem Vormarsch von Online-Banking setzte Anfang der 2000er Jahre allerdings ein beispielloses Filialsterben ein.

Doch noch immer würden Sparkassen „das dichteste Filialnetz und Geldautomatennetz aller Wettbewerber“ besitzen, rühmt sich der Ostdeutsche Sparkassenverband (OSV), der neben Sachsen auch für die Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zuständig ist. „Und diese Aussage gilt uneingeschränkt auch für dünn besiedelte Gebiete in Ostdeutschland. Sparkassen nehmen den Versorgungsauftrag also sehr ernst und erfüllen ihn“, so OSV-Sprecher Sebastian Fiebrig.

Rückgang hat sich stark abgeschwächt

Doch Geschäftsstellen kosten Geld. Deshalb sieht das Filialnetz heute anders aus als früher. Unterhielten 2010 die Sparkassen in Sachsen noch 828 Geschäftsstellen (davon 414 mit Personalanwesenheit), waren es im Vorjahr noch 535 (davon 345 besetzt). Immerhin fiel in den vergangenen zwei Jahren der Rückgang weit geringer aus als in den Jahren davor. So ging gegenüber 2023 die Zahl der mit Mitarbeitern besetzten Filialen im Freistaat um vier zurück, die der SB-Filialen um zwei, während die der Geldausgabeautomaten im Zeitraum von 973 auf 985 gestiegen ist.

„Der Abbau von Bankfilialen ist leider ein allgemeines Phänomen in der Banken- und Sparkassenbranche“, sagt Lisa Schliep von der Verbraucherzentrale Sachsen. „Immer mehr Kunden nutzen Online-Banking, die Filialaufrechterhaltung ist teuer, der Ertragsdruck für die Institute hoch. Der Abbau der teuren Filialen spart also Kosten und ist ein gesamtwirtschaftlicher Trend.“ Zugleich stimmt die Verbraucherzentrale dem OSV zu: Das Filialnetz der Sparkassen sei im Vergleich zu anderen Banken in Sachsen noch immer das dichteste.

Studie bescheinigt kurze Wege zur Filiale

Vor diesem Hintergrund verweist der OSV fast schon mit Stolz auf die Studie „Kurze Wege – starke Präsenz“. Darin heißt es, dass 90 Prozent der Menschen in Deutschland eine mitarbeiterbesetzte Sparkassen-Filiale in weniger als acht Minuten Fahrzeit erreichen. In Sachsen betrage die Fahrzeit 4,3 Minuten. Wohlgemerkt geht es in der Studie um Fahrzeiten mit dem Pkw. Wie lange ein Kunde zu Fuß zur nächsten Filiale benötigt, ist nicht untersucht worden.

Bezogen auf die Einwohnerzahl stehe der Osten bei der Filialdichte besser da als der Westen, so der OSV. Generell würden die Sparkassen in ländlichen Regionen bezogen auf die Einwohnerzahl etwa dreimal so viele Filialen vorhalten wie in Städten. Pro 10.000 Einwohner gebe es in Sachsen und Sachsen-Anhalt je 1,5 Filialen. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg kommen 1,2 Filialen auf 10.000 Einwohner, in Niedersachsen sind es 0,8 Filialen.

Die Präsenz in der Fläche ist ein Pfund der Sparkassen und ebenso von Volksbanken und Raiffeisenbanken gegenüber dem Wettbewerb. Das aus der Hand zu geben, wäre töricht. – Horst Gischer, Finanzexperte

Erträge geraten weiter unter Druck

„Sparkassen sind öffentlich-rechtliche Institute in kommunaler Trägerschaft. Sie übernehmen somit Verantwortung und haben einen öffentlichen Auftrag, der unter anderem im sächsischen Sparkassengesetz verankert ist“, sagt Verbraucherschützerin Schliep. „Dazu gehört, dass allen Menschen grundlegende Bankgeschäfte angeboten werden und sichergestellt wird, dass niemand durch finanzielle Barrieren davon ausgeschlossen ist.“

Es ist jedoch zu erwarten, so die Verbraucherschützerin, dass die Filialstandorte weniger oder die Öffnungszeiten mit Personalanwesenheit kürzer werden. Die Sparkassen werden weiter an der Kostenschraube drehen, weil eben die Erträge im Filialgeschäft immer mehr unter Druck geraten.

Das birgt Gefahren. Unter Umständen führe das dazu, dass Verbraucher bei betrügerischen Abbuchungen nicht gegensteuern, weil sie nicht wissen, wie. Außerdem werden Kontoauszüge weniger abgerufen, weil das zusätzliche Gebühren verursacht. „Keine guten Voraussetzungen aus Sicht des Verbraucherschutzes.“

Andere Banken haben Netz radikal ausgedünnt

Er gehe davon aus, sagt Finanzexperte Horst Gischer, dass die Sparkassen in Sachsen ihr Filialnetz nicht wesentlich weiter ausdünnen. „Die Präsenz in der Fläche ist ein Pfund der Sparkassen und ebenso von Volksbanken und Raiffeisenbanken gegenüber dem Wettbewerb. Das aus der Hand zu geben, wäre töricht“, so der Professor für monetäre Ökonomie und öffentlich-rechtliche Finanzwirtschaft an der Uni Magdeburg.

Der Vorteil gegenüber der Konkurrenz sei in den vergangenen Jahren sogar noch deutlich gewachsen. Denn Institute wie die Deutsche Bank (einschließlich Postbank) und Commerzbank hätten ihre Filialnetze radikal ausgedünnt. Nach Berechnungen der Bundesbank sank allein 2024 die Anzahl der Filialen im Großbanken-Sektor im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte auf 2.184 Stützpunkte. Bei den Sparkassen (-177) und Genossenschaftsbanken (-180) fiel der bundesweite Filialabbau hingegen deutlich geringer aus.

Die Girobanken, so Experte Gischer weiter, hätten übrigens weder Filialen noch Automaten, profitieren aber davon, dass andere das vorhalten. Er könne nachvollziehen, wenn Kunden wegen niedriger Gebühren zu Girobanken wechseln, gibt aber zu bedenken, dass sich damit der Kostendruck bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken weiter verschärft.

Zur Zukunft des Filialnetzes in Sachsen wie im gesamten OSV-Gebiet sagt Sprecher Fiebrig, dass man wegen der veränderten Kundenbedürfnisse das Angebot regelmäßig überprüfe. Gut möglich, dass also auch in Zukunft die eine oder andere Filiale verschwindet.

Bei der Verbraucherzentrale hat man die Erwartung, dass die Sparkassen dabei mit Augenmaß vorgehen und die digitalen Barrieren mancher Kunden im Blick haben. Dabei sind nicht unbedingt nur Ältere gemeint, sondern auch Menschen mit Migrationshintergrund sowie Kunden, die Sicherheitsbedenken bezüglich digitaler Banklösungen haben.

„Wünschenswert wäre daher, dass Banken und Sparkassen aktiv Unterstützung bei der Einrichtung und Nutzung der Onlineangebote anbieten, kostenfreie Möglichkeiten für Rückfragen gewährleisten und auch weiterhin Zeitfenster und Räumlichkeiten für die persönliche Beratung offenhalten“, heißt es. „Eine ganz pragmatische Lösung: Zusätzlich zum Online-Banking kann dem Kunden Telefonbanking eingerichtet werden – so kann der Verbraucher am Rechner sitzen und parallel Unterstützung am Telefon erhalten, um die Anwendung zu erlernen.“

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