Von Annett Kschieschan
Dresden. Wer eine Krebsdiagnose bekommt oder durch Angehörige mit der Krankheit konfrontiert wird, begreift schnell: Hier geht es um das Wichtigste überhaupt – Gesundheit, Schmerzfreiheit, Lebensqualität. Bei Rotop Pharmaka im Dresdner Norden weiß man das sehr gut. Das Unternehmen ist weltweit führend, wenn es um Nuklearmedizin und molekulare Bildgebung geht. Und es ist Teil eines neuen Clusters. Seit diesem Jahr gibt es nukliD, ein Netzwerk für die Radiopharmazie. Die kommt bei der Krebstherapie zum Einsatz und ist in der sächsischen Landeshauptstadt besonders stark aufgestellt. Nicht von ungefähr fand hier vor Kurzem das „Hi Tech – meets Life Siences-Forum“ statt. Unter dem Motto „Wertschöpfung erweitern – Radiopharmazie-Ökosystem in Sachsen stärken“ trafen sich über 120 Teilnehmer aus Wissenschaft, Industrie sowie Kliniken.
Sie eint Expertise zum Thema und das große Interesse daran, sich auszutauschen. Denn auch in der Radiopharmazie geht die Entwicklung zum Teil schnell voran. Ob bei der Herstellung klinisch relevanter Radionuklide, der Entwicklung und Zulassung von Radiopharmaka oder der Radiopharmalogistik – Wissens- und Diskussionsbedarf zu aktuellen Themen gab es reichlich. Und weil der Blick über den Tellerrand immer hilfreich ist, gehörten auch Einblicke in die Arbeit des belgischen Radiopharmazie-Clusters Rad4Med.be und der European Organization for Nuclear Research CERN zum Programm.
Wie findet man die besten Netzwerke?
Was kann der Standort Dresden? Wie will er sich profilieren? Wie findet man Partner und Netzwerke? Um diese und weitere Fragen ging es bei einer Talkshow, an der unter anderem Hendrikje Heinrich von Rotop Pharmaka, die futureSax-Geschäftsführerin Susanne Stump und Prof. Dr. Klaus Kopka, Direktor des Instituts für Radiopharmazeutische Krebsforschung am Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) teilnahmen. Das HZDR hatte das Forum gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Sachsen organisiert.
Vor allem zwei Erkenntnisse fanden allgemeine Zustimmung: Der Dresdner Cluster muss Kräfte und Kompetenzen bündeln und er kann von einer Erfolgsgeschichte aus der Nachbarschaft lernen. Silicon Saxony ist das nach eigenen Angaben größte Hightechnetzwerk im Freistaat und gehört zu den größten Mikroelektronik- und IT-Clustern in Deutschland sowie Europa. Gegründet 2000, bringt der Verein Hersteller, Zulieferer, Dienstleister, Hochschulen, Forschungsinstitute, öffentliche Einrichtungen und Start-ups zusammen.
Der Cluster nukliD steht noch am Anfang, hat aber gute Chancen, rasch zu wachsen. „Die Radiopharmazie entwickelt sich zur Schlüsseltechnologie bei der Diagnose und Therapie von Krebs. Sachsens Ökosystem aus Forschung, Unternehmen und Kliniken ist bereits ausgezeichnet aufgestellt, um in Europa eine führende Rolle als Innovationstreiber einzunehmen und auch als Wirtschaftszweig entscheidende Bedeutung zu erlangen“, konstatiert Thomas Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen. Prof. Sebastian M. Schmid, Wissenschaftlicher Direktor des HZDR, spricht sogar von Dresden als einem „Nukleus einer dynamisch wachsenden Radiopharmazie-Landschaft in Sachsen“ und nennt vor allem das Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung unter Leitung von Prof. Klaus Kopka sowie die Leipziger Forschungsstelle unter Leitung von Prof. Andreas Maurer als wichtige Orte für Forschung in modernster Infrastruktur und einem starken Netzwerk im Rücken. Das Zusammenspiel aus innovativer Forschung, industrieller Stärke und klinischer Anwendung schaffe „ideale Voraussetzungen, um Sachsen als führende Region für Radiopharmazie in Europa zu positionieren.“
Dresdner Kompetenz sichtbarer machen
Der neue Cluster macht die hiesige Expertise sichtbarer. Bei der Wirtschaftsförderung Sachsen freut man sich aus besonderem Grund über das wachsende Netzwerk. Die Radiopharmazie war bereits vor drei Jahren Thema eines Life Sciences-Forums. Im Anschluss folgten weitere Gespräche und schließlich 2023 ein gemeinsamer Kick-off-Termin. in den Räumen der Wirtschaftsförderer. Er gab den Ausschlag für die Gründung von nukliD. Auch, wenn es bis dahin noch knapp zwei Jahre dauerte – nun ist der Anfang gemacht. Die Teilnehmer des Life- Sciences-Forums jedenfalls zeigten großes Interesse an den Entwicklungen in Dresden. In vielen Gesprächen wurden Kontakte geknüpft und vielleicht die Grundlagen für neue Partnerschaften zwischen Forschung, Medizin und Wirtschaft gelegt.
Und im Dresdner Norden ist sichtbar, dass das funktionieren kann. Zum Beispiel bei Rotop. Das Unternehmen plant den Bau von zwei Fabriken. Baustart soll im nächsten Jahr sein, die Produktion 2028 anlaufen. Langfristig könnte sich die Belegschaft auf 400 Leute verdoppeln – und die Anwendungsmöglichkeit für Krebstherapien wachsen.


