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Harter Rückschlag für Flughafen Leipzig/Halle: Billig-Airline Wizz streicht überraschend alle Flüge

Bisher stehen drei Ziele auf dem Flugplan der Wizz Air, doch bald ist Schluss: Die Billig-Fluggesellschaft wird sich vollständig vom Flughafen Leipzig/Halle zurückziehen. Welche Ziele schon bald wegfallen – und was die Gründe für den harten Schritt sind.

Lesedauer: 4 Minuten

Leipzig. Der Flughafen Leipzig/Halle muss einen weiteren Rückschlag verkraften: Die Billigfluggesellschaft Wizz Air streicht alle Flüge vom Airport – und zieht sich vollständig aus Sachsen zurück. Derzeit bietet Wizz Air noch dreimal wöchentlich Flüge nach Tirana, der Hauptstadt Albaniens, sowie jeweils zweimal nach Bukarest in Rumänien und Warna am Schwarzen Meer in Bulgarien an. Doch Mitte September werden alle drei Verbindungen eingestellt.

Das Flughafenmanagement bestätigte auf Anfrage: „Wizz Air wird sich zum Winterflugplan 2025/26 vollständig vom Flughafen Leipzig/Halle zurückziehen.“ Seit 2018 war die Airline mit zwischenzeitlicher Unterbrechung am Flughafen vertreten und hatte bis zu 20 Flüge pro Woche angeboten. Auch Wizz Air bestätigte, „dass drei Strecken nach Leipzig ab dem 13. September eingestellt werden.“ Zu konkreten Gründen äußerte sich das Unternehmen nicht.

Effektiv verliert der Airport dadurch zwei Ziele. Das bulgarische Warna soll weiterhin von Charterfluggesellschaften angesteuert werden.

Kein Deal in Verhandlungen mit Wizz Air

Das Flughafenmanagement verhandelte nach LVZ-Informationen bis zuletzt hart mit Wizz Air. Doch ein Deal kam nicht zustande. Der Grund: Die ungarische Airline hatte verlangt, dass der Airportbetreiber die Marketing- und Vertriebsunterstützung für die Strecken auf hohem Niveau fortsetzt. Dabei geht es darum, dass der Flughafen die Airline unterstützt, die Verbindung bekannt zu machen und zu bewerben. Doch mit dem Flughafen war das nicht zu machen.

Der Airport habe die geforderte zusätzliche Unterstützung nicht leisten können, teilt das Management mit. „Diese Entscheidung steht im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Neuausrichtung der Mitteldeutschen Flughafen AG. Unser Ziel bleibt, bis Ende 2026 wieder ausgeglichen zu wirtschaften.“ Dazu muss man wissen: Die Flughafen-Holding steht unter wirtschaftlichem Druck und verfolgt einen harten Sparkurs. Vorgesehen ist unter anderem ein Abbau von 250 Stellen.

„Wir haben Wizz Air sehr faire Konditionen angeboten und standen seit Monaten mit ihnen in Verhandlung. Dass sich die Airline dennoch gegen eine Fortsetzung entschieden hat, nehmen wir zur Kenntnis“, hieß es vom Management.

Wizz Air und Ryanair: Zwei große Billig-Airlines verlassen Leipzig/Halle

In Verhandlungen mit Billigfluggesellschaften stehen die Flughäfen in Sachsen auch generell vor großen Herausforderungen. Sogenannte Low-Cost-Carrier wie Ryanair, EasyJet, Vueling oder Wizz Air fordern, dass die Gebühren so niedrig wie möglich sind. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten des Flughafenbetreibers durch beihilferechtliche und wirtschaftliche Grenzen stark eingeschränkt. Die Flughäfen versuchen zwar, Airlines zumindest bei der Marketing- und Vertriebsunterstützung entgegenzukommen – aber auch hier gibt es Grenzen.

Es ist nicht lange her, da hatte Wizz Air den Start der Verbindung nach Bukarest gefeiert. Doch nun war es das wieder.
Es ist nicht lange her, da hatte Wizz Air den Start der Verbindung nach Bukarest gefeiert. Doch nun war es das wieder.
Quelle: Wizz Air

Bei Wizz Air wiederholt sich somit nun, was man zunächst bei Ryanair beobachten konnte: Die irische Fluggesellschaft hatte in Dresden und Leipzig alle Ziele gestrichen – und das mit zu hohen Gebühren begründet.

Flughafen Leipzig/Halle: Noch immer weniger Sitzplätze als vor der Pandemie

Unmut über zu hohe Kosten herrscht in der Branche deutschlandweit. Luftfahrtmanager fordern von der Politik, die deutsche Luftverkehrssteuer abzuschaffen. Ihr Argument: Die hohen Kosten in Deutschland seien der Grund, warum der Luftverkehr das Niveau vor der Pandemie noch nicht wieder erreicht hat.

Aktuellen Branchenzahlen zufolge kommt das Angebot an Sitzplätzen derzeit bundesweit auf 93 Prozent des Vor-Pandemie-Niveaus. Der Flughafen Leipzig/Halle liegt mit 78 Prozent unter dem Bundesschnitt. Dresden taucht in der Statistik nicht mehr auf.

Auslastung auf Wizz-Air-Flügen bei 80 Prozent

Mit Tirana und Bukarest hatte Wizz Air 2024 zwei Ziele eingeführt, die beide nicht als Top-Destinationen für Reisende galten. Dennoch war es für den Flughafen ein Erfolg, dass er Wizz Air nach einer Pause überhaupt wieder nach Sachsen holen konnte. Die Ungarn verfolgen einen schnellen Wachstumskurs – daher war die Hoffnung berechtigt, dass sie ihr Angebot erweitern könnten.

Doch dazu wird es nicht kommen. Nach LVZ-Informationen lag die Auslastung auf den Wizz-Air-Flügen ab Leipzig/Halle bei gut 80 Prozent. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Auslastung in Europa lag zuletzt bei 84,5 Prozent, wie Zahlen der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) zeigen. Wizz Air selbst erreichte im Juni laut Geschäftsdaten eine Auslastung von 92,1 Prozent.

Billig-Airlines stehen stets unter Druck

Dieser Wert ist entscheidend, da Budget-Airlines extrem dünne Gewinnmargen haben. Die Fluggesellschaften müssen die hohen Fixkosten für Treibstoff, Crew und Flughafengebühren auf möglichst viele Passagiere verteilen. Heißt also: Für einen profitablen Flugbetrieb müssen die Maschinen möglichst voll sein. Nicht zuletzt sind für die Billig-Airlines Einnahmen aus Gepäckgebühren, Sitzplätzen und Service äußerst wichtig – auch dafür braucht es viele Passagiere.

Allerdings soll für den Wizz-Air-Rückzug nicht die Auslastung ausschlaggebend gewesen sein, wie aus Flughafenkreisen verlautete. Im Fokus standen vielmehr die geforderten Konditionen.

Wie es am Leipziger Flughafen weitergeht

Wizz Air hat sich in den vergangenen Jahren als rasant wachsende Airline etabliert. Die Ungarn betreiben über 30 Basen in Europa und im Nahen Osten – und stehen auf der Liste der größten europäischen Billig-Airlines auf Platz drei. Angeführt wird das Feld von Ryanair, gefolgt von EasyJet. Und Wizz Air will weiter wachsen: Bei Airbus hat die Airline rund 300 neue Flugzeuge bestellt.

Wie geht es nun weiter? Vom Flughafenbetreiber heißt es: „Wir stehen im engen Austausch mit verschiedenen Airlines und werben aktiv für beide Flughäfen – Leipzig/Halle und Dresden – mit dem Ziel, die regionale Anbindung weiter zu verbessern und neue Verbindungen zu gewinnen.“

Die mitteldeutschen Flughäfen setzen schon länger auf den Ausbau touristischer Verkehre – dabei dürfte es bleiben.

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