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Zu DDR-Zeiten 1000 Mitarbeiter: Lamator in Torgau schließt – produziert wird künftig in Ungarn

Schlechte Nachricht für den Torgauer Traditionshersteller Lamator: Die Produktion von Federzinken für die Landwirtschaft wird nach Ungarn verlagert und viele verbliebene Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Wie kam es dazu?

Lesedauer: 4 Minuten

Mit dem Aus für Lamator in Torgau geht eine 120-jährige Industriegeschichte zueende. Auf Kundenwunsch wurden die Lamator-Produkte vormontiert geliefert – hier verschraubte Heiko Thiele Kleinteile an den Federzinken (Bild von 2024). Quelle: Silke Kasten

Silke Kasten

Torgau. Die Krise in vielen Industriebranchen in Deutschland erwischt nun auch den Torgauer Traditionshersteller Lamator. Dieser produziert Teile für die landwirtschaftliche Bodenbearbeitung, vor allem qualitativ hochwertige Federzinken aus Stahl.

Ab Herbst 2026 will der Eigentümer von Lamator, die Frank-Gruppe in Hessen, diese Produktion nach Ungarn verlagern. Damit endet eine 120-jährige Firmengeschichte. Das hessische Unternehmen hatte den Torgauer Betrieb 2022 übernommen.

In Torgau enden bald 120 Jahre Industriegeschichte: Die Firma Lamator wird Ende August dieses Jahres schließen.
In Torgau enden bald 120 Jahre Industriegeschichte: Die Firma Lamator wird Ende August dieses Jahres schließen.
Quelle: Silke Kasten

Lamator verlagert Produktion nach Ungarn

„Betroffen von der Schließung sind 15 Mitarbeiter in der Produktion“, erläutert Pressesprecherin Annika Braun. Für vier weitere Mitarbeiter in der Verwaltung sowie im Vertrieb bestünden innerbetriebliche Beschäftigungsoptionen.

Bereits Ende August dieses Jahres soll das Torgauer Werk geschlossen werden. Als Grund für das Aus nennt Braun die hohen Lohnkosten in Deutschland. Da in Torgau noch mit viel Handarbeit gefertigt werde, seien die Kosten im internationalen Vergleich nicht mehr wettbewerbsfähig.

In der Pressanlage wurden die künftigen Federzinken vor der Weiterverarbeitung mit dem gewünschten Profil versehen.
In der Pressanlage wurden die künftigen Federzinken vor der Weiterverarbeitung mit dem gewünschten Profil versehen.
Quelle: Silke Kasten
Marcus Klein bereitete glühend heißen Stahl dafür vor, zu einem runden Federzinken geformt zu werden.
Marcus Klein bereitete glühend heißen Stahl dafür vor, zu einem runden Federzinken geformt zu werden.
Quelle: Silke Kasten

Hohe Kosten als Hauptgrund

Derweil hat die Frank-Gruppe in ihrem ungarischen Werk in Ózd die Automatisierung vorangetrieben und den Standort zu einem zentralen Produktionszentrum entwickelt. Dort werden künftig auch Großfederzinken („Double-Coiler“) produziert. „Das war am Standort Torgau nicht möglich“, erläutert Braun. Die Nachfrage danach habe in letzter Zeit aber zugenommen.

Hier war noch viel Handarbeit gefragt: Nach der Reinigung wurden die Federzinken aufgehängt.
Hier war noch viel Handarbeit gefragt: Nach der Reinigung wurden die Federzinken aufgehängt.
Quelle: Silke Kasten

Mit großer Betroffenheit und aufrichtigem Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass mit der Schließung des Standortes Torgau eine über 120-jährige Tradition in der Landtechnik zu Ende geht. – Frank Grote, CEO der Firmengruppe

Abnehmer der Lamator-Erzeugnisse waren zum einen Landmaschinenhersteller. Sie benötigen die Federzinken für die Erstausstattung ihrer Maschinen. Zum anderen konnten Landwirte die Produkte über diverse Vertriebskanäle, vor allem den Großhandel, direkt kaufen. Die Produkte von Lamator wie auch der gesamten Frank-Gruppe sind Verschleißteile für die Bodenbearbeitung.

„Mit großer Betroffenheit und aufrichtigem Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass mit der Schließung des Standortes Torgau eine über 120-jährige Tradition in der Landtechnik zu Ende geht“, kommentiert Frank Grote, der CEO der Gruppe.

Gründe für die Produktionsverlagerung seien die hohen Produktionskosten in Deutschland. Diese würden angesichts der zunehmenden Globalisierung sowie der „angespannten wirtschaftlichen Lage in der Landwirtschaft“ zunehmend ins Gewicht fallen. „Der daraus resultierende hohe Konzentrations- und Kostendruck lässt uns leider keine andere Wahl.“

Stimmen die Maße? Ein Mitarbeiter kontrollierte mit einem Maßband, ob der gewünschte Durchmesser exakt eingehalten wird.
Stimmen die Maße? Ein Mitarbeiter kontrollierte mit einem Maßband, ob der gewünschte Durchmesser exakt eingehalten wird.
Quelle: Silke Kasten

Übernahme durch Frank-Gruppe 2022

Die Firma Lamator (Landmaschinenbau Torgau) war 2022 von der Frank Walz- und Schmiedetechnik in Hatzfeld (Eder) in Hessen übernommen worden. Ziel war es, die Produktpalette um Federzinken zu ergänzen.

Hergestellt wurden in Torgau hochwertige Metallzinken, die in landwirtschaftlichen Geräten im Ackerbau Verwendung finden. An diesen vibrierenden Zinken werden Werkzeuge wie Gänsefüße, Hack- oder Wendeschare befestigt.

Insbesondere im Bereich der Federzinken hatten die Firmenlenker noch 2024 gute Wachstumschancen gesehen. Grund: Aufgrund des Glyphosatverbots und der wachsenden Bedeutung der ökologischen Landwirtschaft gewinne die Bodenbearbeitung ohne Chemie an Bedeutung. Für die mechanische Unkrautbekämpfung werden Federzinken eingesetzt.

Weltweit führend bei Federzinken

Produziert wurden bis zu 400.000 Zinken pro Jahr, dazu diverse Kleinteile wie Klemmelemente oder Schare. Insgesamt wurden am Standort Torgau rund 300 Produkte hergestellt. Weltweit zählte Lamator zu den etwa zehn führenden Anbietern in diesem Marktsegment. Ein Vorteil des Standortes war, dass hier auch spezielle und kleinere Aufträge angenommen werden konnten. Zudem war das Unternehmen für die hohe Qualität seiner Erzeugnisse bekannt.

Bevor die Federzinken verpackt werden, werden sie in handliche Bündel verschnürt.
Bevor die Federzinken verpackt werden, werden sie in handliche Bündel verschnürt.
Quelle: Silke Kasten

Die Frank-Gruppe hat zwei weitere Fertigungsstandorte in Deutschland: das Stammwerk für Walz- und Schmiedetechnik im hessischen Hatzfeld (Eder) und die O.E.M. Tec in Sandersdorf-Brehna bei Halle. Diese Standorte sind von der Produktionsverlagerung nicht betroffen. Insgesamt beschäftigt die Gruppe im In- und Ausland 500 Mitarbeiter. Strategisch hat sich die Muttergesellschaft zum Ziel gesetzt, zum Vollanbieter im Bereich der Verschleißteile für die Agrartechnik zu werden.

Die Torgauer Immobilie verblieb übrigens nach der Übernahme durch die Frank-Gruppe im Besitz der ehemaligen Lamator, umformiert in Torgauer Liegenschaften GmbH. Die neuen Eigentümer hatten die Gewerberäumlichkeiten nur gemietet.

Investitionen trotz Nachfrageflaute

Seit der Übernahme war investiert worden, um die Arbeitsbedingungen und die Ökobilanz zu verbessern: So gab es eine neue Absaug- und Filteranlage für die bei der Produktion entstehenden Dämpfe, und bei der Lackierung wurde auf eine lösungsmittelfreie Farbe umgestellt. Zudem wurde eine Wärmerückgewinnungsanlage eingebaut. Weitere Investitionen in neue Produktionsanlagen waren eigentlich geplant, hieß es noch 2024 – obwohl sich die Mitarbeiter damals in Kurzarbeit befanden, weil eine Nachfrageflaute dem Betrieb zu schaffen machte.

Von Stoll zu Lamator in Torgau

Die Ursprünge der Firma gehen zurück auf die Firma Wilhelm Stoll, die 1878 in Luckenwalde (Brandenburg) gegründet wurde. 1906 wurde der Produktionsstandort nach Torgau verlegt. Zu DDR-Zeiten zählte der VEB Landmaschinenbau Torgau (daher der Name Lamator) zeitweise bis zu 1000 Beschäftigte. Nach der Wende war 1996 die Lamator GmbH gegründet worden. Die Frank-Gruppe rundete durch die Übernahme ihr Angebot für Agrarindustrie und Landwirte mit Federzinken ab. Das Unternehmen offeriert mehr als 12.000 Artikel, die in den Bereichen Bodenbearbeitung, Aussaat, Ernte, Kommunaltechnik und im Weinbau Anwendung finden.

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