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Isergebirgsbäcker gründet deutschen Ableger in Zittau und will Berlin erobern

Jiří Koláček hat 2015 eine Bäckerei bei Liberec gegründet und beliefert inzwischen auch Ostsachsen bis Dresden. Nun ist der Rest Deutschlands sein Ziel.

Lesedauer: 3 Minuten

Isergebirgsbäcker Jiří Kolácek zeigt in seiner Zittauer Zweigstelle seine meistgekauften Produkte.
Isergebirgsbäcker Jiří Kolácek zeigt in seiner Zittauer Zweigstelle seine meistgekauften Produkte. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Von Petra Laurin

Isergebirgsbäcker Jiří Koláček liebt den deutschen Markt. Seine Umsätze wachsen dort bedeutend schneller als zu Hause. „Der sächsische Kunde weiß ganz genau, was er will“, sagt der Tscheche.

Dreimal in der Woche früh morgens pendelt sein Lieferwagen mit frischem Gebäck und Brot über die Grenze zu Läden zwischen Zittau und Dresden. „Acht von den Abnehmern sind große Markthallen von Rewe und Edeka“, sagt Koláček. In Tschechien geht es ihm anders. „Wegen der Krise und Inflation rechnet bei uns jeder bei jedem Einkauf.“ Die Krise bremst sein geschäftliches Wachstum im Heimatland.

Nach Angaben des Statistikamtes haben die Tschechen für Lebensmittel im Juli zwar 4,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor ausgegeben. „Trotzdem wachsen auch hier unsere Verkäufe, aber nur rund um 0,5 Prozent pro Monat“, sagt Koláček, der in Janov nad Nisou (Johannesberg an der Neiße; östlich von Liberec und nördlich von Jablonec) seine Brötchen bäckt. „In Sachsen liegt unser Zuwachs bei zirka 20 Prozent.“ Inzwischen setzt er bereits ein Fünftel seiner Produktion in Deutschland ab. Die Kunden jenseits der Neiße machen einen immer größeren Anteil an seinem Jahresumsatz von rund 30 Millionen Kronen, umgerechnet 1,2 Millionen Euro, aus.

In Deutschland getestete Qualität

Dass die Deutschen Wert auf Qualität legen, weiß der tschechische Unternehmer, der als Landwirt Pferde trainierte und in einem Kunstatelier arbeitete, bevor er ab 2015 die Bäckerei aufbaute und zunächst tschechienweit bekannt machte. „Das entspricht völlig unserer Philosophie“, sagte der Handwerker. Und kann das beweisen: Drei seiner Brote hat er zur alljährlichen Brotprüfung im Sommer im Zittauer Salzhaus eingereicht. „Roggenbrot mit Tomaten und Roggenbrot mit Karotten in Bio-Qualität haben die Höchstnoten ‚sehr gut‘ erreicht, mit ‚gut‘ schnitt auch das reine Roggenbrot ab“, sagt André Wünsch, deutscher Handelsvertreter von Koláček.

Die Produkte aus der Isergebirgsbäckerei wurden auch bei der Begegnung des Oberdirektors vom tschechischen Außenministerium, Martin Smolek, mit dem sächsischen Ministerpräsident Michael Kretschmer Anfang Mai serviert.© Staatskanzlei

Auch die in Deutschland immer wichtiger werdende Nachhaltigkeit ist in der Familienbäckerei ein großes Thema. „Kein Mehl, kein Zucker, nichts wird weggeschmissen“, betont Tochter Michaela, die im Familienunternehmen für die Konditorei und für das vor zwei Jahren eröffnete Bistro Hrnec (Topf) in Jablonec (Gablonz) verantwortlich ist. „Wir versuchen, alles zu verarbeiten. Ich hasse Lebensmittelverschwendung.“

Nun beschleunigen Koláček und seine rund 20 Mitarbeiter ihre Bemühungen um den deutschen Markt. Sein Familienbetrieb hat eine deutsche GmbH mit Sitz in Zittau, im Gebäude der Industrie- und Handelskammer beim Bahnhof, gegründet. Die Kammer begleitete die Bäckerei von Anfang an auf dem Weg in den deutschen Markt. Inzwischen gibt es auch eine deutsche Version der Firmen-Internetseite. Nur auf die deutsche Steuernummer wartet Koláček noch. „Das ist eine fast unendliche Geschichte“, sagt er. „Es waren zwei Jahre harte Arbeit und hat auch eine Menge Geld gekostet.“

Das nächste Ziel: Seine Waren in Deutschland auch außerhalb von Sachsen zu verkaufen. Aktuell verhandelt er mit einem Online-Anbieter, um Berlin und München für sich zu erschließen. „Wir haben von dort schon viele Nachfragen erhalten“, sagt der Bäcker.

Bis jetzt verkauft er in Deutschland aber noch in Ostsachsen am meisten. Nach Zittau, Olbersdorf, Oppach oder Radeberg liefert die Bäckerei zum Beispiel auch Brot aus Bananen. Darüber hinaus sei bei Deutschen Süßes sehr beliebt – vor allem Kuchen mit Quark und Mohn oder Cracker.

Als Koláček vor acht Jahren startete, arbeiteten in der Bäckerei in einer ehemaligen Teppichspinnerei im Isergebirge drei Menschen. Heute sind es rund 20 Mitarbeiter. Mindestens fünf weitere sucht der Bäcker händeringend. Aber wie auf deutscher Seite ist die Fachkräftesuche auch in Tschechien schwierig geworden. Niemand wolle mehr in der Nacht aufstehen, um Teig zu kneten, sagt der Tscheche.

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