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Krisenwende an Sachsens Flughäfen: Warum die Chef-Kontrolleurin jetzt geht

Erst Stellenabbau, Banken­druck, Krisenmodus – nun könnte die Sanierung früher enden. Hiltrud Werner verlässt den Aufsichtsrat der Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden. Warum die Lage angespannt bleibt.

Lesedauer: 2 Minuten

Maschinen am Flughafen Leipzig/Halle: Die Mitteldeutsche Flughafen AG, die neben Leipzig auch den Airport Dresden betreibt, könnte die Sanierungsphase schon bald beenden. Quelle: Michael Strohmeyer

Florian Reinke und Andreas Dunte

Leipzig/Dresden. Die wirtschaftliche Sanierung der sächsischen Flughäfen könnte früher enden als geplant. Nach schwierigen Jahren mit Stellenabbau und Banken­druck wird die Mitteldeutsche Flughafen AG (MFAG) laut der scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden Hiltrud Werner bereits im Juni alle Bedingungen erfüllen, die erst für Dezember gestellt waren. Die Lage bleibt aber angespannt, und die Passagierzahlen könnten weiter sinken.

„Dass wir jetzt, im Juni 2026, alle Bedingungen erfüllen werden, die für Dezember gestellt waren – ein halbes Jahr vorfristig – zeigt, wie hart diese zwei Jahre waren“, sagt Werner im Gespräch mit Leipziger Volkszeitung und Sächsischer Zeitung. Auf die Frage, ob die Sanierung damit frühzeitig enden könne, erklärt sie, dies hänge nun von allen Beteiligten ab. „Wir hoffen, dass die Banken die Bedingungen für ein Ende der Sanierung ebenso als erfüllt ansehen“, sagt die 60-Jährige.

Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden mit 200 Mitarbeitern weniger

Für die Flughafen-Gruppe wäre das ein wichtiger Schritt. Die MFAG betreibt die Airports Leipzig/Halle und Dresden. Sie gehört mehrheitlich den Ländern Sachsen und Sachsen-Anhalt. In den vergangenen Jahren stand das Unternehmen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Im Zuge der Sanierung haben die Flughäfen einen harten Sparkurs verfolgt und Stellen abgebaut: Heute arbeiten im Unternehmen mehr als 200 Mitarbeiter weniger als vor fünf Jahren.

Aus dem Unternehmen heißt es, ein weiterer Stellenabbau sei derzeit nicht geplant. Wenn Beschäftigte freiwillig gingen oder ausschieden, werde eine Stelle aber weiterhin genau geprüft. Allerdings könne man den Markt und die Folgen des Iran-Krieges nicht beeinflussen. „Wenn der Markt sich dreht, können auch wir uns nur drehen.“ Etwas ausschließen könne man in diesen Zeiten nicht.

Werner macht nach fünf Jahren nicht weiter

Werner, die seit fünf Jahren an der Spitze des Aufsichtsrats steht, kündigt im Interview an, nicht erneut anzutreten. „Ich möchte natürlich nur dann kandidieren, wenn ich auch erneut fünf Jahre mit vollem Einsatz zur Verfügung stehen kann.“ Aufgrund anderer Ämter sei sie sich dabei nicht sicher gewesen.

Wer ihre Nachfolge übernimmt, soll sich am 18. Juni entscheiden, wenn die Hauptversammlung aus den Reihen des Aufsichtsrats den neuen Vorsitz wählt. Zudem sind mehrere Posten neu zu besetzen.

Lage in der Branche bleibt ernst

Wie hart die Sanierung war, schildert Werner ungewöhnlich offen. Die Banken hätten strenge Auflagen gestellt. Hinzu kamen Bedingungen der Geldgeber. „Wenn das Unternehmen diese bricht, können die Banken den Stecker ziehen, also auf einen Schlag die Darlehen fällig stellen.“ 2024 kam zudem ein Chief Restructuring Officer in den Vorstand, „der mit der Machete durch die Prozesse und Ausgaben gegangen ist“. Für die Belegschaft sei das besonders schwer gewesen.

Trotz der wirtschaftlichen Stabilisierung bleiben die strukturellen Probleme groß. Im Passagierverkehr liegt die MFAG deutlich unter den früheren Erwartungen. Besonders Dresden leidet unter der Schwäche des deutschen Luftverkehrs. Zugleich verteidigt Werner beide Standorte. „Wir müssen Dresden erhalten: Sonst gefährden wir Silicon Saxony, die Kultur- und die Wissenschaftslandschaft des Freistaates. Es braucht politischen Willen, den Flughafen langfristig zu stützen – und gleichzeitig müssen wir den Airport weiterentwickeln.“

Jedes einzelne Flugzeug, das nicht mehr in Leipzig oder Dresden stationiert ist, ist wie der Konkurs einer mittelständischen Firma. – Hiltrud Werner, scheidende Aufsichtsratsvorsitzende

Rein betriebswirtschaftlich räumt sie jedoch ein: „Es ist für den Passagierverkehr schwierig, zwei Flughäfen so dicht nebeneinander zu betreiben.“

Angesichts des schwachen Passagierverkehrs setzt Werner auf mehrere Säulen. Leipzig/Halle sei ein wichtiger Standort für die Resilienz Deutschlands – und hoffentlich bald ein Hub für den Wiederaufbau der Ukraine, sagt sie.

Eine Prognose, ob infolge des Iran-Krieges weitere Verbindungen wegfallen, wagt Werner nicht. Wie schwer solche Verluste aus ihrer Sicht wiegen, macht sie an einem Vergleich deutlich: „Jedes einzelne Flugzeug, das nicht mehr in Leipzig oder Dresden stationiert ist, ist wie der Konkurs einer mittelständischen Firma.“

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