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Leckere rote „Früchtchen“: Jetzt beginnt in Sachsen die Erdbeersaison

Endlich hat das Warten ein Ende: Seit Dienstag werden im Freistaat ganz offiziell Erdbeeren aus heimischer Produktion verkauft. Der Obstbauverband Sachsen & Sachsen-Anhalt hatte dazu extra nach Zittau eingeladen. Denn im Ortsteil Eichgraben werden die Lieblingsfrüchte der Deutschen schon seit Jahrzehnten angebaut.

Lesedauer: 4 Minuten

Zur Eröffnung der Erdbeersaison in Sachsen ist auch Nadine Kühne als Blütenkönigin Alida I. in die Oberlausitz gekommen. Zusammen mit Katrin Möse vom gleichnamigen Unternehmen aus Eichgraben zeigt sie hier einige der leckeren Früchte. Quelle: Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Frank-Uwe Michel

Zittau. In Sachen Erdbeeren sind sich Sachsens Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) und der Görlitzer Landrat Stefan Meyer (CDU) einig: Beide haben im Juni Geburtstag. Und beide sind deshalb mit den roten Früchten aufgewachsen. „Seit ich denken kann, steht bei mir eine Erdbeertorte auf dem Tisch“, erzählt der Minister. Auch beim Landrat ist das so. Bei ihm hat sich aus dieser Verbundenheit sogar private Betriebsamkeit entwickelt: „Ich habe im Garten selbst einige Pflanzen. So lecker wie bei Möses schmecken die Früchte aber nicht.“

Möses – das sind Katrin und Klaus. Die Tochter hat vom Vater erst kürzlich den Betrieb für Beerenobstkulturen im Zittauer Ortsteil Eichgraben übernommen, die Produktion weiter ausgebaut und modernisiert. „Ein Glücksfall“, schätzt Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) ein. Denn eine reibungslose Unternehmensübergabe an die nächste Generation sei längst nicht immer garantiert.

Sachsens Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch schneidet die Erdbeertorte an. Mit dabei: Landrat Stephan Meyer, Blütenkönigin Alida I., Katrin Möse vom gastgebenden Anbaubetrieb, Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker und Jörg Geithel, der Chef des Obstbauverbandes (v.l.)
Sachsens Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch schneidet die Erdbeertorte an. Mit dabei: Landrat Stephan Meyer, Blütenkönigin Alida I., Katrin Möse vom gastgebenden Anbaubetrieb, Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker und Jörg Geithel, der Chef des Obstbauverbandes (v.l.)
Quelle: Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Anbaufläche und Ertrag in 20 Jahren auf ein Drittel gesunken

Neben Zufriedenheit bringt das Stadtoberhaupt aber auch eine nicht ganz ernst gemeinte Kritik mit zur offiziellen Eröffnung der Erdbeersaison, die der Obstbauverband Sachsen & Sachsen-Anhalt in diesem Jahr in der Oberlausitz veranstaltet. „Jedes Mal, wenn ich mittwochs beim Wochenmarkt von der Familie Möse Erdbeeren kaufen will, sind sie weg.“ Die Nachfrage sei so groß, dass die Leute am Morgen schon Schlange stehen, „noch bevor der Stand überhaupt aufgebaut ist“, hat er beobachtet.

Die Sehnsucht der Menschen nach dem süßen, wohlschmeckenden Obst ist groß – das weiß auch Jörg Geithel. Der Vorstandsvorsitzende des Obstbauverbandes weist jedoch auf einige Probleme hin, mit denen die Branche zu kämpfen hat. Das größte ist die rückläufige Anbaufläche. Innerhalb von 20 Jahren ist sie im Freistaat auf etwa ein Drittel gesunken. 2006 waren es laut Angaben des Verbandes 497 Hektar, aktuell sind davon nur 155 Hektar übrig geblieben.

In Sachsen meist Beeren aus anderen Regionen

Das wirkt sich natürlich auch auf die Erntemenge aus. Wurden 2006 noch 3800 Tonnen Erdbeeren produziert und bei einer besonders guten Ernte 2010 sogar 4400 Tonnen, werden 2026 voraussichtlich nur 1400 Tonnen der beliebten Früchte gepflückt. Das ergibt eine Eigenversorgung von rund zehn Prozent. 90 Prozent der in Sachsen verzehrten Erdbeeren kommen aus anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg, Bayern und Hessen oder werden aus EU-Ländern wie Spanien, Polen, den Niederlanden oder Italien importiert.

Erdbeerernte ist Handarbeit – die kostet Geld. 50 bis 60 Prozent des Betriebsergebnisses machen die Lohnkosten aus – und die sind wegen des zunehmenden Mindestlohnes in den vergangenen Jahren gestiegen. – Jörg Geithel, Vorstandsvorsitzender des Obstbauverbandes Sachsen & Sachsen-Anhalt

Wobei Deutschland insgesamt mit einer Anbaufläche von 12.700 Hektar und einem Ertrag von 81.000 Tonnen im EU-Ranking immer noch an Position 3 gelistet ist. Insgesamt werden in der Europäischen Union rund 1,2 Millionen Tonnen produziert. Der Pro-Kopf-Verbrauch zwischen Ostsee und Alpen beträgt gleichbleibend 3,3 Kilo im Jahr.

Ein Großteil der Anbaufläche wird bei Katrin Möse  jetzt mit aufgeständerten Kulturen betrieben, die über Substratkästen und ferngesteuerte Bewässerung verfügen.
Ein Großteil der Anbaufläche wird bei Katrin Möse jetzt mit aufgeständerten Kulturen betrieben, die über Substratkästen und ferngesteuerte Bewässerung verfügen.
Quelle: Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Höhere Lohnkosten sind ein wichtiger Faktor

Die Sorgen der Erdbeererzeuger drücken sich aber noch in anderen Punkten aus. Dabei geht es zum Beispiel um die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. „In den vergangenen Jahren haben wir uns von einer Notzulassung zur anderen gehangelt, das war jedes Mal eine Zitterpartie“, erklärt Jörg Geithel. Und er lobt: Die neue Bundesregierung habe da schon viel in Bewegung gebracht.

Hier gibt es in Sachsen Erdbeeren zum Selbstpflücken


Bei Bioobst Görnitz, Cliebener Straße 99, in Coswig (Tel. 03523 78810) kann schon seit vergangenem Freitag gepflückt werden.

Beim Obstbau Beck & Partner, Dorfplatz 2 in Borthen (Tel. 0351 2816587) ist dies seit 26. Mai möglich.

Ab Mitte Juni ziehen folgende Betriebe nach:

Beerenobstkulturen Klaus Möse, Olbersdorfer Straße 14, 02763 Zittau/Eichgraben, (Tel. 0174 9809349);

Obsthof Wöllmen, Pehritzscher Straße 3, Jesewitz (Tel. 034241 50265, voraussichtlich schon ab 1. Juni);

OGS Obstgut Genossenschaft Seelitz, Talstraße 2, Seelitz/Döhlen (Tel. 03737 42213);

Erdbeeren Funck, Hauptstraße 25, Hirschfeld (Tel. 03760 717780).

Ein anderes Stichwort sind die Lohnkosten. „Erdbeerernte ist Handarbeit – die kostet Geld. 50 bis 60 Prozent des Betriebsergebnisses machen die Lohnkosten aus – und die sind wegen des zunehmenden Mindestlohnes in den vergangenen Jahren gestiegen.“ Gäbe es für Saisonarbeitskräfte einen 20-prozentigen Abschlag, „wären wir gegenüber unseren europäischen Nachbarn wieder wettbewerbsfähig“, betont der Verbandschef. Geschehe das nicht, müsse man in Deutschland – und damit auch in Sachsen – weiter das Wegbrechen arbeitsintensiver Kulturen befürchten.

Erdbeerbauern kritisieren Handel wegen Dumpingpreisen

Nicht zufriedenstellend für die Obstbauern sei auch die Position des Handels, so Geithel weiter. Er stützt sich dabei auf Informationen der Bundesfachgruppe Obstbau. Die hatte zum Tag der deutschen Erdbeere am 24. Mai Kritik am Einzelhandel geäußert. Zuerst habe Netto mit 500-Gramm-Schalen für 2,49 Euro geworben. Ein Preis, der die tatsächlichen Produktionskosten der deutschen Erdbeerbauern nicht annähernd decke, so Claus Schliecker. Der Vorsitzende der Fachgruppe beschreibt die Situation mit zwei Worten: „völlig unverantwortlich.“ Andere Händler würden nachziehen, womit ein Wettlauf nach unten begonnen habe. In Sachsen orientieren sich die Preise bei der Direktvermarktung, also im Hofverkauf und auf Märkten, am vergangenen Jahr und liegen laut Jörg Geithel zwischen 4,50 und 6,50 Euro je 500 Gramm.

Trotz aller Schwierigkeiten wird es sächsische Erdbeeren bis in den Juli hinein geben. Unter anderem von den Feldern und aus den Zelten der Firma Beerenobstkulturen Möse aus Eichgraben. Ab 1991 hatte Klaus Möse den Betrieb aufgebaut. In den vergangenen Jahren war seine Tochter Katrin mit eingestiegen. Sie hat das Unternehmen inzwischen übernommen. Neben den angestammten Flächen am Stammsitz werden weitere nördlich von Zittau bewirtschaftet, dort vor allem Sorten mit früher und mittlerer Reife angebaut.

Man habe große Teile der Produktion umstrukturiert, erzählt die neue Firmenchefin. In aufgeständerten Kulturen würden die Pflanzen in Substratkästen und mit ferngesteuerter Bewässerung gedeihen. Ab Mitte Juni könnten Erdbeeren auf den Feldern bei Eichgraben auch wieder selbst geerntet werden. Diesen Service bieten auch viele andere Erdbeererzeuger in Sachsen an.

SZ

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