Andreas Dunte und Matthias Puppe
Leipzig. Rund 107.700 Menschen pendeln täglich nach Leipzig zur Arbeit, während etwa 76.700 Einwohner auspendeln. Damit übt rund jeden dritten Job in der Messestadt ein Beschäftigter von außerhalb aus. Das geht aus neuen Zahlen der Agentur für Arbeit hervor, die der Leipziger Volkszeitung vorliegen.
Etwa 33.000 machen sich dabei täglich aus dem Kreis Leipzig auf den Weg in die Messestadt. Knapp 20.000 sind es aus Nordsachsen. Auch das südliche Sachsen-Anhalt ist mit täglich mehr als 10.000 anreisenden Arbeitskräften stark vertreten. Teilweise nehmen Menschen aber auch längere Arbeitswege in Kauf, um in Leipzig zu arbeiten: Jeweils etwa 2600 wohnen in Berlin und Dresden, mehr als 500 in München, 330 in Hamburg und 160 in Köln.
Andersherum fahren täglich 26.000 Leipziger in die beiden angrenzenden Landkreise, gut 5800 nach Berlin, 4600 nach Halle und 3200 nach Dresden. Auch Frankfurt/Main (1400), München (1450) und Hamburg (1300) stehen als Arbeitsorte von Leipzigern weiter oben in der Pendlerstatistik.
Auffällig ist, dass erstmals seit Jahren die Zahl der Pendler nicht steigt, sondern stagniert. Zum Vergleich: 2010 pendelten 85.000 Beschäftigte zur Arbeit nach Leipzig. In den Folgejahren kletterten die Zahlen kontinuierlich. 2022 kamen erstmals mehr als 100.000 zum Arbeiten. Seit 2024 sind es nun regelmäßig etwa 107.000.
Firmen agieren in der Krise vorsichtiger
Bei der Arbeitsagentur will man nicht von einem Trendbruch sprechen. Vielmehr handele es sich um eine „statistische Momentaufnahme“. Nach mehreren Jahren deutlichen Wachstums zeige sich am Leipziger Arbeitsmarkt derzeit eine spürbar geringere Dynamik, sagt Sprecherin Tina-Marie Reuter.
„Unternehmen agieren angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten vorsichtiger, Neueinstellungen gehen zurück, und Beschäftigungsverhältnisse werden seltener gewechselt. Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die Pendlerbewegungen aus: Wo weniger neue Arbeitsplätze entstehen und Wechselprozesse langsamer verlaufen, wachsen Einpendlerzahlen nicht automatisch weiter“, sagt sie zur Erklärung.
Und sie hat noch eine weitere: Bis in das zweite Halbjahr 2025 hinein sei die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Leipzig über viele Jahre hinweg – mal stärker, mal schwächer – kontinuierlich angestiegen.
Erstmals seit Juli 2025 ist demnach nun ein geringer Rückgang zu beobachten. Sprecherin Reuter: „Wenn die Zahl der Beschäftigten nicht wächst, sondern leicht zurückgeht, ist eine stagnierende Einpendlerzahl eine folgerichtige Begleiterscheinung.“
Wenn die Zahl der Beschäftigten nicht wächst, sondern leicht zurückgeht, ist eine stagnierende Einpendlerzahl eine folgerichtige Begleiterscheinung. – Tina-Maria Reuter, Agentur für Arbeit
Pendler ziehen nach Leipzig und wohnen nun in der Stadt
Und noch etwas könnte die Stagnation bei den Einpendlerzahlen erklären: Im sächsischen Vergleich sticht Leipzig auch 2025 als einzige kreisfreie Stadt mit einem Bevölkerungszuwachs hervor, auch wenn der nur bei 1000 liegt.
„Das deutet darauf hin“, so Tina-Marie Reuter, „dass sich ein Teil des früheren Pendelzuwachses inzwischen in Zuzug umwandelt – Menschen, die zuvor täglich nach Leipzig gependelt waren, wohnen heute direkt in der Stadt.“ Leipzig bleibe ein klarer Arbeits- und Pendleranziehungspunkt für die Region – nur eben nicht mehr mit dem Tempo der vergangenen Boomjahre.
Während in Leipzig die Einpendlerzahl stagniert, geht sie in den beiden anderen sächsischen Großstädten zurück. 2024 kamen rund 99.000 Menschen zur Arbeit nach Dresden und 52.000 nach Chemnitz. Im Vorjahr waren es 98.300 und 51.600.
Vor 20 Jahren war die sächsische Landeshauptstadt als entfernter Arbeitsort noch intensiver genutzt als Leipzig. Im bundesweiten Vergleich haben ähnlich große Metropolen wie Düsseldorf (195.000 Einpendler) und Stuttgart (201.000 Einpendler) aber auch noch deutlich größere Verkehrsströme zu bewältigen als Leipzig.


