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Made in Niederkaina: Wie die Budissa AG weltweit die Landwirtschaft verändert

Zwischen Stall, Direktvermarktung und internationalem Markt wird bei der Bautzener Spätschicht am 19. Juni für Interessierte ein ungewöhnlicher Blick auf moderne Agrarindustrie möglich. Neben dem XXL-Bauernhof mit Sitz im Bautzener Ortsteil Niederkaina nehmen an der besonderen Betriebsführung noch 19 andere Unternehmen teil und öffnen ihre Türen.

Lesedauer: 4 Minuten

Martha Schafflik, Robert Schulze und Tina Teichert (v.l.): Die drei stehen exemplarisch für das, was die Budissa AG bei Bautzen heute ausmacht: Landwirtschaft, Direktvermarktung und Hightech unter einem Dach. Quelle: Matthias Schumann

Von Miriam Schönbach

Bautzen. Drei frisch gelegte Eier fischt Martha Schafflik aus dem kleinen Hühnerstall vor dem Budissa-Landmarkt im Bautzener Ortsteil Niederkaina. Die drei Hennen und der Hahn beobachten aus der bequemen Bauchlage auf dem Rasen die Geschäftsführerin der Budissa Gutshof Baruth GmbH. Das Unternehmen ist eine von acht Töchtern der Budissa Agrarprodukte AG mit Sitz in Niederkaina. Am 19. Juni lädt das Agrarunternehmen im Rahmen der Bautzener Spätschicht Interessierte ein, einen Blick hinter die Kulissen des vielseitigen Betriebs zu werfen.

Wer beim Namen Budissa zunächst nur an Felder, Kühe und Traktoren denkt, erlebt spätestens an dieser Stelle eine Überraschung. Denn das Unternehmen versteht sich längst nicht mehr ausschließlich als Agrarbetrieb. „Wir sind ein Landwirtschaftsunternehmen mit Gewerbe zugleich“, sagt Vorständin Tina Teichert. Auf rund 9000 Hektar Produktionsfläche beschäftigen sich die 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Pflanzenbau, Milchproduktion, Schweinehaltung, Direktvermarktung und Energieerzeugung.

Alternative zu herkömmlichen Silos

Daneben hat sich über die Jahre ein weiterer Geschäftsbereich entwickelt, der heute weit über die Region hinaus bekannt ist: die Entwicklung und der internationale Vertrieb von Folienschlauchtechnologie in der BAG Budissa Agroservice.

Was 1993 zunächst nach einer Nischenlösung klang, hat sich zu einem internationalen Geschäft entwickelt, sagt Robert Schulze. Der junge Landwirt und Techniker verantwortet die Entwicklung der Landmaschinen.

Dass er einmal regelmäßig um die halbe Welt reisen würde, habe er nicht erwartet, sagt der 29-Jährige. Allein in den vergangenen Monaten war Schulze unter anderem in Tschechien, Südafrika, Neuseeland, Thailand und der Türkei unterwegs. Dort betreut der Agrarmanager Händler, Kunden und neue Märkte. Die Maschinen werden weltweit eingesetzt, gefertigt werden sie jedoch in Niederkaina. Ursprünglich wurde die Technologie als Alternative zu klassischen Fahr- oder Flachsilos entwickelt. Dort wird Silage – also Futter für Rinder – unter Luftabschluss in einer befahrbaren Anlage konserviert.

„Ein Folienschlauch ist eine Alternative für die Lagerung von hochwertigen Futtermitteln und auch Industrienebenprodukten“, erklärt Schulze. Der Vorteil: Die Lagerkapazität lässt sich flexibel erweitern. Während ein Fahrsilo feste Mauern und damit feste Grenzen hat, können zusätzliche Mengen einfach in Schläuchen eingelagert werden. „Wenn die Kapazität eines Silos erschöpft ist, hat man ein Problem. Mit dem Schlauch kann man Übermengen flexibel lagern“, sagt der Agrartechnik-Ingenieur. Hinzu kommt, dass viele ältere Siloanlagen heute aufgrund hoher Sanierungskosten außer Betrieb genommen werden. Auch deshalb gewinnt die Technologie zunehmend an Bedeutung.

Deutsche Erfindung mit Umweg über Amerika

Was einst mit Futterkonservierung begann, wird heute für deutlich mehr Anwendungen genutzt. „Wir können sehr lagerinstabile Produkte wie Zuckerrübenschnitzel oder Biertreber mit relativ geringen Verlusten einlagern“, sagt Schulze.

Die Geschichte der Technologie beginnt übrigens in Süddeutschland in den 1960er-Jahren. US-amerikanische Unternehmen griffen die Idee auf und entwickelten sie weiter. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten übernahmen die Oberlausitzer das Know-how. Die ursprünglichen Patente sind inzwischen ausgelaufen.

Export in alle Welt

Das Wissen und die Weiterentwicklung der Technik liegen heute maßgeblich in Bautzen – und die Absatzmärkte wachsen vor allem im Ausland. Exportiert wird inzwischen in 36 Länder, darunter die Türkei, Neuseeland, Südafrika, Spanien, Polen, Tschechien und Malaysia. Die Technik besteht aus speziellen Befüllmaschinen und den dazugehörigen Folienschläuchen. Diese werden aus sortenreinem Polyethylen hergestellt, das sich vergleichsweise einfach recyceln lässt.

Ein Folienschlauch ist eine Alternative für die Lagerung von hochwertigen Futtermitteln und auch Industrienebenprodukten. – Robert Schulze, verantwortet die Entwicklung der Landmaschinen

Aber die Folienschlauchtechnologie ist eben nur ein Standbein des Unternehmens. Eine weitere innovative Tochter ist der Gutshof in Baruth. „Wir machen die Direktvermarktung“, sagt Martha Schafflik.

Für die Agrarwissenschaftlerin ist ihr Betrieb die Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern. Hier können Kunden sehen, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie moderne Landwirtschaft aussieht.

Der Standort in Baruth wurde Anfang der 1990er-Jahre übernommen und in den vergangenen Jahren umfassend umgestaltet. Aus dem alten Landwirtschaftsbetrieb mit Kuhstall und Anbindehaltung entstand Schritt für Schritt ein moderner Gutshof. Alte Gebäude wurden entkernt oder abgerissen, neue Stallanlagen errichtet und zahlreiche Ideen umgesetzt.

Martha Schafflik leitet den Gutshof Baruth und kümmert sich auch um die Direktvermarktung.
Martha Schafflik leitet den Gutshof Baruth und kümmert sich auch um die Direktvermarktung.
Quelle: Matthias Schumann

Heute leben dort Mutterkühe, Schafe und Ziegen. Die Rinder werden in Weidehaltung aufgezogen und anschließend über den Hofladen direkt vermarktet. Ergänzt wird das Angebot durch eine Physiotherapiepraxis, die sich auf dem Gelände eingemietet hat. Für die Zukunft gibt es weitere Pläne, darunter Ferienwohnungen oder ein Hofcafé. Neben der Mutterkuhherde gehören auch Merino-Fleischschafe zum Bestand. Diese Zweinutzungsrasse liefert sowohl Fleisch als auch Wolle.

Tiere, Wolle und Handwerk

Diese Facetten der Landwirtschaft sollen auch bei der Bautzener Spätschicht gezeigt werden. „In den vergangenen Jahren haben wir gesehen, dass sich alle Generationen für unsere Arbeit interessieren“, sagt Teichert.

Für das Unternehmen gehe es dabei nicht in erster Linie um Fachkräftesicherung. Aktuell werden rund 14 Auszubildende beschäftigt, darunter Tierwirte und Industriemechaniker. Ziel sei es, möglichst viele Fachkräfte selbst auszubilden und langfristig an den Betrieb zu binden.

Gleichzeitig verändert die technische Entwicklung die Arbeit in der Landwirtschaft grundlegend. GPS-gesteuerte Maschinen, digitale Steuerungssysteme und moderne Melktechnik gehören heute zum Alltag.

Ein Jubiläumskäse: Zum 35-jährigen Bestehen der Budissa AG gab es einen Käse aus Budissa-Milch, hergestellt in der Krabat-Milchwelt.
Ein Jubiläumskäse: Zum 35-jährigen Bestehen der Budissa AG gab es einen Käse aus Budissa-Milch, hergestellt in der Krabat-Milchwelt.
Quelle: Matthias Schumann

Dennoch bleibt Landwirtschaft von Faktoren abhängig, die sich nicht digitalisieren lassen: Wetter, Pflanzenwachstum und Tiere. „Die Produktionsfaktoren Natur und Tier bleiben lebendig und lassen sich nicht vollständig automatisieren“, sagt Schulze.

Doch nicht nur bei der Budissa AG lässt sich am 19. Juni hinter die Kulissen schauen. Mit acht Touren und 20 Firmen bietet Bautzen das größte Angebot beim Spätschicht-Format im Landkreis Bautzen. Mit dabei sind unter anderem auch Herrmann Eule Orgelbau, Alstom, das Musikhaus Löbner und Bautz’ner Senf. Für einige Touren gibt es noch freie Plätze bei der Bautzener Spätschicht, zu finden sie hier: https://buergerbeteiligung.sachsen.de/portal/bautzen/beteiligung/themen?format=Veranstaltung

SZ

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