Von Susanne Sodan
Görlitz. Noch im Februar spielte Hans‑Wolfgang Tyczka mit dem Gedanken, mit seiner Frau bald noch einmal Görlitz zu besuchen, seine Geburtsstadt. Ende Februar dieses Jahres wurde der Unternehmer 100 Jahre alt. Als die SZ mit ihm telefonierte, saß er in seinem Büro in Oberbayern: Jeden Tag sei er dort zwar nicht mehr, aber auch mit Hundert war er geschäftsführender Gesellschafter der Tyczka GmbH. Am vergangenen Wochenende ist Hans‑Wolfgang Tyczka nach kurzer Krankheit gestorben, teilt die Tyczka-Gruppe mit.
Das Unternehmen Tysczka mit Sitz bei Geretsried bei München ist Spezialist für Flüssiggas, Industriegase sowie Wasserstoff. „Mein Vater hat die Tyczka Gruppe mit unternehmerischem Weitblick, großer Menschlichkeit und tiefem Verantwortungsbewusstsein aufgebaut und geprägt“, teilt Frederick Tyczka‑Christoph, Hans‑Wolfgang Tyczkas Sohn und Gesellschafter, mit. „Für viele war er mehr als ein Unternehmer, er war ein Mentor und Wegbegleiter; für unsere Familie der Mittelpunkt und verlässlicher Halt.“
Hans‑Wolfgang Tyczka wurde 1926 in Görlitz geboren, besuchte die Volksschule in Weinhübel, später das Realgymnasium. Sein Vater hatte 1924 in Görlitz ein Sauerstoffwerk gegründet. Nachdem er nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs enteignet worden war, zog er mit seiner Familie in die Oberpfalz und baute das Unternehmen Industriegas Georg Tyczka KG auf. Später folgte der Umzug nach Oberbayern. 1950 stieg Hans‑Wolfgang Tyczka in die Firma ein.
„Hat sich unheimlich für seine Heimatstadt interessiert“
Mit Görlitz blieb er verbunden. Regelmäßig unterstützte er etwa die Interessengemeinschaft (IG) Dorfanger in Altweinhübel. Für die Görlitzer Kulturhauptstadt-Bewerbung 2010 hatte er sich eingesetzt. Der ehemalige Görlitzer Oberbürgermeister Rolf Karbaum stand stets, auch als er nicht mehr OB war, mit ihm in Kontakt. „Ein grundehrlicher, freundlicher, kontaktfreudiger Mann, der sich unheimlich für seine Heimatstadt interessiert“, so beschrieb er den Unternehmer zu seinem 100. Geburtstag. Den Eindruck, dass Tyczkas Herz an Görlitz hing, hatte auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer.
Die Tyczka-Gruppe hebt seine strategische Weitsicht, seine Offenheit für technologische Innovationen und seinen unternehmerischen Mut hervor. So habe Tyczka noch im hohen Alter den Einstieg der Gruppe in den Wasserstoffbereich aktiv mitgestaltet. Für seine Verdienste wurde er mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland sowie dem Bayerischen Verdienstorden.
In Görlitz war Hans‑Wolfgang Tyczka das letzte Mal 2018. Einen weiteren Besuch wird es doch nicht geben.
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