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Sachsen bekommt ein Forschungsflugzeug

Ein neues Forschungsflugzeug in Kamenz verspricht klimafreundliches Fliegen: Die TU Dresden arbeitet an Antrieben ohne fossile Brennstoffe. Doch die Entwicklung sicherer Wasserstofftanks stellt die Ingenieure vor große Aufgaben.

Lesedauer: 3 Minuten

Die TU Dresden bekommt ein eigenes Flugzeug für die Forschung. Es wurde am Donnerstagnachmittag am Flugplatz Kamenz in Dienst gestellt. Quelle: SZ/Veit Hengst

Stephan Schön

Kamenz/Dresden. Dieser Professor ist mit dem Flugzeug angereist. Mit dem eigenen. Johannes Markmiller ist Pilot und Professor für Luftfahrttechnik. Es ist sein Fluggerät für die Erforschung der Technologien der Zukunft. Es ist das neue Forschungsflugzeug der TU Dresden. Von Wien nach Kamenz ist Markmiller geflogen. Zur offiziellen Inbetriebnahme des Forschungsgeräts jetzt am Donnerstagnachmittag.

In Kamenz beginnt ein neues Fliegen. Sauberer für die Umwelt und besser für das Klima. Die TU Dresden hat hier ihr neues Forschungsflugzeug stationiert. Es ist ein fliegendes Testlabor für die Entwicklung fossilfreier Flugzeugantriebe. Dazu zählen vor allem Wasserstoff und Elektro.

Ein Loch im neuen Flugzeug

Betrieben wird das Flugzeug künftig von zwei TU-Instituten, dem für Leichtbau und Kunststofftechnik und dem für Luft- und Raumfahrtechnik. „Hier geht es um nicht weniger als die Zukunft der Luftfahrt“, kommentiert Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) die Übergabe des Forschungsflugzeugs an die TU. „Die Forschung an neuen Antriebs- und Leichtbautechnologien ist für die Luftfahrtindustrie enorm wichtig.“

Bei diesem Flugzeug handelt es sich in der Basis um eine in Österreich gebaute Diamond Aircraft DA62 MPP. Es ist ein Spezialflugzeug für Forschungs- und Vermessungsmissionen. Bis zu zehn Stunden kann es im Dauereinsatz bleiben. Und es hat jede Menge Extras.

Blick in das Cockpit des neuen Forschungsflugzeugs. Auf den Pilotenplätzen die Professoren Johannes Markmiller für Luftfahrttechnik und Maik Gude für Systemleichtbau.
Blick in das Cockpit des neuen Forschungsflugzeugs. Auf den Pilotenplätzen die Professoren Johannes Markmiller für Luftfahrttechnik und Maik Gude für Systemleichtbau.
Quelle: SZ/Veit Hengst

Ein Loch im Boden befindet sich dort, wo sonst ein Passagiersitz ist. „Bis zu 100 Kilogramm Forschungsgerät können genau dort installiert werden. Sensoren und Kameras, die herab auf den Boden schauen“, sagt Markmiller. Radar und Lasertechnik zum Beispiel. Dabei kann es um Waldforschung, Luftbildarchäologie oder überhaupt um Umweltthemen gehen. Jede Menge Themen wird es geben. Letztlich soll dieses Forschungsgerät ja mehr als 30 Jahre genutzt werden.

Neuer Treibstoff im Tank

In austauschbaren Gehäusen an der Flugzeugnase, im Rumpf und unter den Flügeln lassen sich zudem die unterschiedlichsten Hightech-Sensoren und Kamerasysteme einbauen. Jetzt aber, in den ersten Jahren geht es erst einmal um etwas anderes, um neue Flugtechnologien.

Das Forschungsflugzeug ist Teil der Forschungsoffensive OST4Aviation. Damit soll in Ostdeutschland eine leistungsfähige Luftfahrtforschung gestärkt werden. Bisher ist diese in Westdeutschland konzentriert, vor allem in Bayern und Bremen und Hamburg. Einer der Technologietreiber für die neue Forschung ist nun das klimafreundliche Fliegen, also die ganz erhebliche Reduzierung von CO₂.

Ein Kleinflugzeug für die sächsische Forschung.
Ein Kleinflugzeug für die sächsische Forschung.
Quelle: SZ/Veit Hengst

Für die neue fliegende Forschungsiunfrastruktur wird auch der Flugplatz Kamenz ausgebaut. Dort entsteht eine eigene Tankstelle für nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF) und Wasserstoff. Die fossilfreien Antriebstechnologien sollen eben nicht nur in der Luft, sondern dann auch vor Ort am Boden unter Realbedingungen erprobt werden. Lagerung und Betanken sind nochmals eine eigene Herausforderung.

„Die Faszination des Fliegens hat mich als Pilot und Ingenieur mein gesamtes Berufsleben lang begleitet“, sagt Johannes Markmiller. „Das neue Forschungsflugzeug ist für uns weit mehr als eine Testplattform. Es ist der entscheidende Schlüssel, um das enorme Potenzial fossilfreier Antriebe zu erschließen und die Vision einer klimaneutralen Luftfahrt Realität werden zu lassen.“

Fürs Fliegen zu schwer

Für den Systemleichtbau der TU geht es dabei um eine ganz andere Herausforderung. Es sind die Wasserstofftanks. „Was es derzeit gibt, ist viel zu schwer für die Luftfahrt. Oder eben nicht sicher genug“, sagt Leichtbauprofessor Maik Gude. „Daran werden wir zuerst arbeiten. Leichte, sichere Tanks für die Luftfahrt entwickeln, bauen und testen.“

Drei Millionen Euro kostet das Flugzeug als Basis. Weitere Investitionen in Wasserstoffmotoren und Sensorik sind vorgesehen. Finanziert wird das aus einem Forschungsfonds der EU.

SZ

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