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Sachsens Bauernpräsident Krawczyk wiedergewählt

Kurz nach dem Schock über die verspäteten Subventionen hat Sachsens Landesbauernverband seinen Präsidenten im Amt bestätigt. Was er von Krawall hält.

Lesedauer: 2 Minuten

Man sieht Torsten Krawczyk, der Sachsens Bauernpräsident.
Torsten Krawczyk aus Westewitz bei Döbeln bleibt Sachsens Bauernpräsident. © Archivfoto: Dietmar Thomas

Von Georg Moeritz

Weinböhla. Seine erste Wiederwahl: Der 48-jährige Torsten Krawczyk ist erneut für vier Jahre zum Präsidenten des Sächsischen Landesbauernverbands gewählt worden. Der Verband teilte am Freitag mit, beim 1. Sächsischen Bauerntag in Weinböhla sei er „mit überragender Zustimmung“ im Amt bestätigt worden. Der Bauerntag fand am Donnerstag nicht öffentlich statt – obwohl Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) auftrat.

Wenige Wochen vor dem Bauerntag hatte Sachsens Landwirtschaftsministerium mitgeteilt, dass die jährlichen EU-Agrarsubventionen nicht zur gewohnten Zeit an die sächsischen Betriebe überwiesen werden können – sondern erst mit voraussichtlich mehreren Monaten Verspätung. Als Grund wurden Umstellungsprobleme wegen geänderter Regeln und wegen Fachkräftemangels bei den beauftragten Software-Experten genannt. Bauern hatten daraufhin mit Traktoren vor dem Sächsischen Landtag demonstriert.

Krawczyk sagte laut Pressemitteilung nach seiner Wiederwahl, dass „Lärm und Krawall nicht in erster Linie zu unserem Portfolio“ gehörten. Vielmehr setze der Landesbauernverband seine ganze Kraft für Stabilität und Zukunft der Agrarbetriebe ein. Der Bauernverband hat in den vergangenen Jahren Konkurrenz durch andere Verbände bekommen, die auch demonstrieren – vor allem Land schafft Verbindung e.V. Bisher fanden die Protestaktionen aber in der Regel gemeinsam statt. Rund 150 Delegierte nahmen am Bauerntag in Weinböhla teil und wählten den Vereinsvorstand neu.

Kretschmer sichert Bauern Unterstützung zu

Ministerpräsident Kretschmer sicherte laut Pressemitteilung den Bauern zu, dass sie anstelle der verzögerten Subventionen nicht nur Kredite erhalten. Nach der Auszahlung müsse es eine politische Aufarbeitung geben. Für das Landwirtschaftsministerium, dem das Landesamt für Landwirtschaft untersteht, ist Kretschmers Koalitionspartner Wolfram Günther (Grüne) zuständig, der in der Mitteilung nicht erwähnt wird. Vor Günther war Thomas Schmidt (CDU) in Sachsen Landwirtschaftsminister – ein ehemaliges Vorstandsmitglied des Bauernverbandes.

Torsten Krawczyk (mit Blumen rechts neben Ministerpräsident Kretschmer) bleibt Sachsens Bauernpräsident. Das Foto zeigt den Verbandsvorstand, links Andrea Lienig aus Delitzsch, deren Betrieb sich auf Kartoffeln spezialisiert hat.
© Sächsischer Landesbauernverband

Kretschmer „signalisierte“ den Bauern laut Pressemitteilung des Verbandes auch, dass es kein Agrarstrukturgesetz gegen den Bauernverband geben werde. Mit diesem Gesetz will das sächsische Landwirtschaftsministerium ähnlich wie in Brandenburg den Ausverkauf von Agrarflächen an fachfremde Investoren verhindern.

Krawczyk hatte zu Jahresanfang bei einem Pressegespräch gesagt, er finde es grundsätzlich richtig, „Chinesen wegzuhalten“ und auch Pachtpreise zu deckeln. Doch das Gesetz dürfe nicht vorhandene sächsische Großbetriebe einschränken und Fusionen behindern. Der Staat sei nicht der bessere Unternehmer.

Der wiedergewählte Bauernpräsident Krawczyk ist Diplom-Ingenieur Agrarwirtschaft. Er ist mit seinem Bruder Geschäftsführer im Landgut Westewitz GbR – spezialisiert auf Schweine. Der Agrarbetrieb bei Döbeln hat auch eine Biogasanlage.

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