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Sachsens Hafenchef sorgt sich um die Bahn

Sachsens Binnenhäfen verdoppeln den Güterumschlag auf der Elbe. Zugleich gibt es eine Rückverlagerung von Transporten auf die Straße. Nur eine "Momentaufnahme"?

Lesedauer: 3 Minuten

Man sieht den Dresdner Alberthafen
Es tut sich was im Dresdner Alberthafen, wenn auch wenig auf dem Wasser. Auf der Südseite (l.) entsteht ein neuer Trailerport. Dort können jährlich 50.000 Sattelauflieger umgeschlagen werden – eine Verdopplung der Kapazität von gegenüber (r.). © dpa

Von Michael Rothe

Verkehrte Welt bei Sachsens Häfen: Nach jahrelang rückläufigen Zahlen wurden 2023 in Dresden, Riesa und Torgau mit über 83.000 Tonnen gut vier Mal so viele Güter per Schiff umgeschlagen als ein Jahr zuvor. Zugleich gingen die Transporte mit der Bahn um etwa ein Viertel zurück, während sich die Lkw-Fuhren weiter auf ähnlich hohen Niveau bewegten. Unterm Strich stehen im Verbund der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH (SBO) 2,7 Millionen Tonnen umgeschlagene Güter zu Buche.

Zum Konzern mit rund 150 Beschäftigten und zu 100 Prozent in Besitz des Freistaats gehören neben den drei Adressen in Sachsen auch die Häfen Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt), Mühlberg (Brandenburg) sowie Děčín (Tetschen) und Lovosice (Lobositz) in Tschechien.

Der Rückgang von knapp neun Prozent sei der allgemeinen wirtschaftlichen Lage geschuldet, sagt SBO-Chef Heiko Loroff. Wenn es in Industrie und Transportgewerbe zu Rückschritten komme, schlage das auf alle Binnenhäfen durch. Der Geschäftsführer sieht das Minus aber „mit gewisser Gelassenheit“, denn der Verbund sei so gut aufgestellt, dass er auch Krisen durchstehen könne. Rückgänge in einem Bereich könnten anderswo kompensiert werden.

Binnenhäfen geht es nicht um exorbitante Gewinne

„Wir haben nicht den Anspruch exorbitante Gewinne zu erzielen“, erklärt der 55-Jährige. Bei einem Umsatz von knapp 25 Millionen Euro (minus drei Prozent) sei ein Überschuss von etwa 300.000 Euro erwirtschaftet worden. Der Freistaat erwarte vielmehr, dass ausreichend Hafeninfrastruktur bereitgestellt werde – inklusive neuer Geschäftsfelder, die ursprünglich nicht zu einem Hafen gehört hätten, so Loroff. Es gehe darum, langfristig die richtigen Entscheidungen zu treffen, denn sie seien „für die nächsten 20, 25 Jahre in Stein gemeißelt“.

Man sieht Heiko Loroff, Geschäftsführer der Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH.
Heiko Loroff ist seit 2012 Geschäftsführer der Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH.
© Matthias Schumann

Der SBO-Chef spielt auf anhaltende Kritik an der wirtschaftlichen Nutzung der Elbe und den Investitionen in die Häfen an. Die negativen Prognosen der Gegner würden nicht stimmen, sagt Loroff, es gebe Bedarf für Schiffstransporte. So habe sich der Containerumschlag in Riesa erholt, und in Dresden und Lovosice seien viele Turbinen und anderes Großgerät verladen worden. Obwohl Niedrigwasser der Elbe von Juni bis November zur Einstellung der Schifffahrt geführt habe, sei der Güterumschlag gewachsen. Bei mehr Frachtraum wäre das Plus noch größer gewesen, so Loroff. Im vorigen Jahr hätten in Magdeburg 200.000 Tonnen aus Schiffen ausgeladen und per Lkw nach Tschechien transportiert werden müssen. Dank höheren Wasserstands könnten derzeit größere Schiffe fahren, was bei normalem Pegel nicht möglich sei.

Daher plädiert der Hafenchef für eine Regulierung des Flusses und entsprechendes Wassermanagement. Doch bei der Umsetzung des Gesamtkonzepts Elbe gehe es nicht voran, kritisiert er. Zwar werde das Schiff „nie die Bedeutung von Bahn und Lkw haben, aber eine Nischenfunktion ausfüllen“, etwa auf langen Strecken sowie bei Großraum- und Schwertransporten. Loroff erwartet nicht nur eine Stabilisierung der Schiffstransporte, sondern ein Wachstum – wenn auch von niedrigem Niveau aus.

Grenzsperrungen kosten Tausende Tonnen Fracht

„Ich bin gern Hafenchef“, sagt Loroff, „aber momentan befassen wir uns auch viel mit Problemen bei der Bahn“. Dabei sei die SBO von den Streiks bei der Deutschen Bahn (DB) gar nicht betroffen, weil sie nur mit deren privater Konkurrenz kooperiere. Aber durch baubedingte Grenzsperrungen in Bad Schandau seien Tausende Tonnen Fracht verloren gegangen, beklagt er. Der Chef spricht vom „Flaschenhals“, den es wohl noch über Jahre geben werde. Er macht sich zudem Sorgen, dass politische Entscheider die Seehafenverbindung via Dresden vernachlässigen und sich auf westlichere Korridore konzentrieren könnten.

Der Hafenchef konstatiert eine deutliche Rückverlagerung der Transporte von der Schiene auf die Straße. Auch wegen geringerer Spritpreise in Polen und Tschechien würden Transporte auf der Straße deutlich billiger angeboten. „Eine Momentaufnahme“, tröstet er sich. Perspektivisch seien die Weichen auf kombinierten Verkehr gestellt. Zudem stimmten „zahlreiche Avisierungen“ für den neuen Dresdner Trailerport optimistisch. Um steigende Nachfrage und Verkehrsverlagerung auf die Schiene zu bewältigen, entsteht im Alberthafen für 5,2 Millionen Euro eine neue Anlage. Dort sollen 20 Züge pro Woche und 50.000 Sattelauflieger pro Jahr umgeschlagen werden – doppelt so viele wie derzeit. Im Juni sollen die ersten Testzüge rollen.

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