Leipzig/Dresden. In Sachsens Innenstädten endet eine Ära. Im Leipziger Hauptbahnhof zeigt sich dieser Wandel bereits: Der Saturn-Markt, seit Jahren eine Institution, ist verschwunden. Stattdessen leuchtet hier jetzt das Rot der Schwestermarke MediaMarkt. Auch Dresden erlebt einen Einschnitt: Der Saturn-Markt in der Altmarkt-Galerie schließt im Sommer 2026.
Für die Kunden ist es eine sichtbare Zäsur, doch der Umbruch hat gerade erst begonnen. Nach Informationen der Leipziger Volkszeitung und der Sächsischen Zeitung drängt das niederländische Unternehmen Coolblue mit Wucht nach Leipzig und Dresden. Damit verschärft sich der Wettbewerb, der Druck auf die Platzhirsche wächst – was auch Cyberport aus Dresden unter Zugzwang setzt. Was bedeutet diese Neuordnung für die Kundinnen und Kunden?

Quelle: PR/Altmarkt-Galerie
Der Kampf um jeden Kunden wird härter
Der Markt stagniert – und genau deshalb ist er hart umkämpft. „Seit den pandemiebedingten sehr starken Jahren 2020 und 2021 sieht sich die Branche herausfordernden Marktbedingungen gegenüber. Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher dauert an“, analysiert Carine Chardon, die Geschäftsführerin der Branchenorganisation GFU Consumer & Home Electronics.
Starkes Wachstum gibt es nicht: 2025 stagnierte der Markt, zuvor war er geschrumpft. „Für das Jahr 2026 erwarten wir eine moderate Wachstumsdynamik“, sagt Chardon. Daraus folgt: Wer im Elektronikhandel wachsen will, muss das auf Kosten anderer tun. Die Händler jagen sich gegenseitig Kunden ab.
Kampfansage in Blau: Coolblue expandiert
Die Pläne des niederländischen Herausforderers Coolblue erscheinen vor diesem Hintergrund ambitioniert. Country-Manager Urs Möller bestätigt: „Für 2026 sind in Deutschland mindestens drei neue Stores geplant – in Berlin, Leipzig und Dresden.“
Für 2026 sind in Deutschland mindestens drei neue Stores geplant – in Berlin, Leipzig und Dresden. – Urs Möller, Country-Manager der niederländischen Technikmarktkette Coolblue
In Leipzig will Coolblue den Markt ab Ende Juni aufmischen. „In Leipzig werden wir auf der Grimmaischen Straße 10 einen Store mit über 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche auf drei Etagen eröffnen“, sagt Möller.

Quelle: Coolblue
Eigenes Depot in Leipzig ist in Planung
Später im Jahr folgt Dresden: Auf der Prager Straße zieht Coolblue auf über 1200 Quadratmetern und zwei Etagen ein. Das Ziel in beiden Sachsen-Metropolen: „Ein modernes Einkaufserlebnis mit persönlicher Beratung und vielfältigem Angebot an Elektronik sowie Haushaltsgeräten zum Anfassen, Entdecken und Mitnehmen“, wie Möller es ausdrückt.
Zum Start wird Sachsen aus dem Berliner Logistikzentrum beliefert, ein eigenes Depot in Leipzig ist bereits in Planung. Die Strategie ist kompromisslos: „Wir expandieren nur dort, wo wir unser Serviceversprechen zuverlässig einhalten können“, sagt Möller.
Niederländer liefern an den Aufstellort
Das Kalkül: Coolblue macht es Kunden so einfach wie möglich. Wer im Store oder in der App bestellt, wählt einen Wunschtermin ab dem nächsten Werktag. Die eigenen Teams liefern an den Aufstellort. Konkret bedeutet das: „Wenn die Waschmaschine heute kaputtgeht, steht morgen bereits eine neue betriebsbereit im Keller – inklusive Beratung, Lieferung und fachgerechter Installation aus einer Hand.“
Wer das erste Mal einen Coolblue-Markt besucht, merkt zudem schnell: Die Räume erinnern eher an Showrooms mit einem kuratierten Sortiment auf großer Fläche.
MediaMarktSaturn baut das Netz um
Während Coolblue angreift, räumt Platzhirsch MediaMarktSaturn auf. Die Marke Saturn verschwindet an immer mehr Standorten, auch wenn der Konzern offiziell an ihr festhält. Der Grund für das Aus in Dresden: Die nächste konzerneigene Konkurrenz, der MediaMarkt in der Centrum-Galerie, liegt nur fünf Gehminuten entfernt. In den Leipziger Promenaden Hauptbahnhof und im Allee-Center erfolgte der Wechsel hin zu MediaMarkt, die Standorte blieben also erhalten.
Der Konzern spricht von Einzelfallentscheidungen: „Wir analysieren Standort für Standort, welche Marke den Menschen vor Ort am besten dient.“

Quelle: Andre Kempner
Schnelle Lieferung nach Online-Bestellung
Hinter der Transformation steckt eine klare Strategie: MediaMarktSaturn trimmt sein Netz auf Effizienz. Und im Hintergrund ordnet sich der Markt bereits neu: Der chinesische E-Commerce-Gigant JD.com greift nach der Mehrheit am Mutterkonzern Ceconomy, die Übernahme soll noch in diesem Jahr besiegelt werden. Ein Schachzug, der laut GFU-Expertin Chardon „nicht nur den Handel, sondern auch die etablierten Brands in den kommenden Monaten zusätzlich herausfordern“ wird.
In Sachsen sieht sich das Unternehmen mit 20 Standorten gut aufgestellt. „Außerdem investieren wir gezielt in diese Märkte: Rund die Hälfte von ihnen haben wir bereits modernisiert und zukunftsfähig gestaltet, die übrigen werden wir sukzessive angehen“, sagt eine Sprecherin. Der Handelsriese wirbt mit einem „Personalized Service“ samt buchbaren Beratungsterminen. Bei der Lieferung setzt das Unternehmen auch auf externe Partner: Über eine Kooperation mit Uber können sich Kunden ihre Online-Bestellung innerhalb von 90 Minuten nach Hause liefern lassen.
Die Antwort des Lokalmatadors Cyberport
Und der Dresdner Elektronikhändler Cyberport? Das Unternehmen hat Jahre der Neuausrichtung hinter sich. Ein Kraftakt, der Spuren hinterlassen hat: Durch einen Umbau der Systeme und die Konzentration der Logistik in Siebenlehn kam es in der Vergangenheit zu spürbaren Einbußen beim Service. Lieferprobleme drückten zeitweise die Bewertungen.

Quelle: Cyberport SE
Laut Maik Friedrich, dem geschäftsführenden Direktor (COO), hat das Unternehmen die „komplexeste Phase der Transformation“ inzwischen hinter sich. Auch das Vertrauen vieler Kunden habe man zurückgewonnen.
Aus dem reinen Preiskampf verabschiedet
Die Zahlen belegen das: Cyberport erzielte gemeinsam mit der Schwestermarke Computeruniverse 2025 einen Gesamtumsatz von 842 Millionen Euro (+ 6 Prozent), auch wenn das operative Ergebnis (EBIT) zuletzt noch leicht negativ ausfiel.
Aus dem reinen Preiskampf haben sich die Dresdner verabschiedet. Statt Rabattschlachten setzt das Unternehmen laut Friedrich auf profitables Wachstum und den Ausbau des Geschäftskunden- und Servicegeschäfts.
Warum die Kunden profitieren
Den Vorstoß von Coolblue nimmt Cyberport ernst. Die Neuen investierten stark in Markenaufbau, Content und Serviceversprechen, analysiert Friedrich. Das belebe den Markt. Doch Cyberport wolle die eigenen Stärken ausspielen: die Expertise im IT- und Elektronikbereich, insbesondere im Premium- und Apple-Segment.
Auch Privatkunden sollen das Unternehmen nicht nur als Händler wahrnehmen, „sondern als Partner, der dich über den gesamten Nutzungszyklus eines Geräts begleitet – von der Auswahl bis zur Weiterverwertung“, so Friedrich.
Für Kundinnen und Kunden hat der Showdown durchaus Vorteile. Das Preisniveau bei Haushaltsgeräten und Elektronik sei zuletzt gesunken, beobachtet GFU-Chefin Chardon. Gleichzeitig rüstet der Fachhandel massiv beim Service-Angebot auf – von der schnellen Logistik bis zu neuen Erlebnis-Welten in den Geschäften. Der Konsument, so Chardons Fazit, „kann von der aktuellen Marktdynamik profitieren“.


