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Schlechter Sommer für Hoteliers in Dresden – wird die Adventszeit besser?

Dresdens Hotels und Pensionen hatten mit einem guten Sommer gerechnet. Warum aus ihrer Sicht weniger Urlaube gebucht wurden und ob der Striezelmarkt das Defizit noch ausgleichen kann.

Lesedauer: 3 Minuten

Touristen im Dresdner Zwinger
Der zurückliegende Sommer lief für die Dresdner Tourismusbranche schlechter als erwartet. Nun liegen alle Hoffnungen auf dem Weihnachtsgeschäft. © Sven Ellger

Von Kay Haufe & Sandro Rahrisch

Dresden. Es hätte der erste Sommer nach der Corona-Pandemie sein können, in dem die Dresdner Hotels wieder so voll wie früher sind. Doch unerwartet haben sich insbesondere deutsche Urlauber anders entschieden. Die Hoteliers mussten eine Sommer-Delle verkraften. Warum die Lust, nach Dresden zu reisen, einen Dämpfer bekommen hat, und wie die Buchungszahlen für die Weihnachtszeit aussehen: So steht es um den Tourismus in Sachsens Landeshauptstadt.

Wie viele Touristen sind wieder in Dresden?

Prinzipiell haben sich die Dresdner Hotels gut aus der Corona-Krise gekämpft, wenn man die Zahl der Übernachtungen als Maßstab nimmt. Zwischen Januar und Juli – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – wurden insgesamt 2,36 Millionen Übernachtungen gebucht, wie aus den Zahlen des Statistischen Landesamtes hervorgeht. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum des Vor-Corona-Jahres 2019 waren es 2,47 Millionen.

Bis einschließlich April dieses Jahres waren die Buchungszahlen sogar wieder auf Vor-Pandemie-Niveau. Mit Beginn des Frühjahrs ebbte die Nachfrage allerdings wieder ab. Die Delle zog sich bis einschließlich Juli, wo die durchschnittliche Zimmerauslastung der Dresdner Hotels und Pensionen bei nur 65 Prozent lag.

Wie erklären sich die Touristiker die Sommer-Delle?

Zum einen sind in diesem Sommer wieder vollumfänglich internationale Reisen möglich gewesen – ohne Test-, Impf- oder Maskenpflicht. Das haben viele Menschen ausgenutzt, insbesondere deutsche Urlauber, die in Dresden mit etwa 80 Prozent den Hauptteil ausmachen. Das Minus resultiere aus weniger deutschen Gästen in Dresden, teilte die Dresden-Marketinggesellschaft mit, die national wie international für Dresden wirbt.

„Diesen Sommer war unser Haus nicht so gut gebucht wie noch im Jahr zuvor“, fasst Sebastian Klink die vergangenen Monate zusammen. Er ist Direktor des Bilderberg-Hotels Bellevue. „Man merkt deutlich, dass viele Deutsche ihren Sommerurlaub 2023 nicht im eigenen Land verbringen wollten, sondern zu weiter entfernteren Zielen aufgebrochen sind.“ So lag beispielsweise im Juli die Nachfrage deutlich hinter den Erwartungen und zwischen zehn und zwölf Prozent unter dem Vor-Pandemie-Niveau.

Ein weiterer Grund für die Delle, der wohl ebenfalls mit der Freiheit nach der Corona-Krise zu tun hat: In diesem Sommer gab es eine riesige Nachfrage nach Events und Großveranstaltungen – Konzerte, Sportmeisterschaften, Festivals. „Ein national, wenn nicht sogar global zu beobachtendes Phänomen“, sagte Dresdens Marketingchefin Corinne Miseer im Sommer dazu und erklärte gleichzeitig, wie wichtig es sei, mit aller Kraft Events mit überregionaler Strahlkraft auch nach Dresden zu holen.

Wird Dresden von ausländischen Touristen wieder gut besucht?

Der Anteil ausländischer Touristen lag zwischen Januar und Juli knapp unter 20 Prozent. Das entspricht etwa dem Vor-Krisen-Niveau. Aus Polen kamen bislang die meisten internationalen Übernachtungsgäste, gefolgt von Österreich, den USA, der Schweiz und Tschechien.

Russland liegt zwar abgeschlagen auf dem 36. Platz im Ranking des Statistischen Landesamtes, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nimmt die Zahl der Touristen von dort aber ebenfalls zu – plus 64 Prozent. Reisen russischer Staatsbürger nach Deutschland sind nicht verboten, jedoch ist ein Visum nötig, um einreisen zu dürfen.

Insgesamt verzeichnet Dresden aus nahezu allen gängigen Herkunftsländern Zuwächse, allen voran Kroatien (plus 370 Prozent) und China (plus 343 Prozent). Eine Ausnahme gibt es: Aus Malta kamen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres weniger Urlauber bzw. Geschäftsreisende.

Kann die Sommer-Delle bis zum Jahresende ausgeglichen werden?

Zumindest schauen die Touristiker recht zuversichtlich auf die kommenden Monate. Mit dem Start des Striezelmarktes am 29. November wachse das Interesse an Übernachtungen in Dresden sprunghaft, so Klink. Im Bellevue seien in der ersten Dezemberhälfte bis zum 16. Dezember nur noch sehr wenige Zimmer verfügbar, erst in der zweiten Monatshälfte könnten Gäste noch gut buchen.

„Die meisten Gäste planen für ihren Besuch mehrere Tage ein, um die Angebote der Weihnachtsregion Dresden-Elbland umfänglich genießen zu können“, weiß Corinne Miseer. Allein neun Weihnachtsmärkte gibt es in Dresden, viele weitere in der Region, etwa auf dem Marktplatz von Meißen oder Pirna. „Wer Weihnachtsfeeling pur erleben möchte, der ist bei uns genau richtig.“ Immerhin hat der Dezember noch einmal das Potenzial für 400.000 Übernachtungen und mehr.

Darüber hinaus könnten auch die Monate September und Oktober noch für Überraschungen in der Statistik sorgen. Die Hoffnung: Nach ihrem ausgedehnten Sommerurlaub an den deutschen, italienischen und spanischen Küsten entscheiden sich viele Deutsche doch noch für einen Städtetrip.

„Der September gestaltete sich positiv, was auch an vielen kleinen Tagungen lag“, sagt Thomas Gaier, Direktor vom Hotel Schloss Eckberg. Auch der berichtet von einem weniger guten Sommer, einschließlich August. Der Oktober laufe noch schlecht, „wir hoffen auf kurzfristige Buchungen“. Das Weihnachtsgeschäft gestalte sich recht stabil, allerdings fielen die Feiern von der Personenzahl her kleiner aus. „Jetzt hoffen wir, dass der Mehrwertsteuersatz bei Speisen bei sieben Prozent bleibt, denn eine Steigerung um zwölf Prozent wäre schwierig.“

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