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So sieht Sachsens Apotheke der Zukunft aus

Fünf Jahre hat Pharmazeutin Cordula Grüber daran getüftelt, nun investiert sie 3,9 Millionen Euro. Was den Neubau ihrer Sonnen-Apotheke in Bischofswerda so besonders macht.
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Das Bild zeigt den geplanten Neubau einer Apotheke.
So soll der Neubau der Sonnen-Apotheke in Bischofswerda aussehen. © Ingenieurbüro bauplanconcept

Von Miriam Schönbach

Bischofswerda. Ihr Vater nennt sie stolz: „Pfundskerl“. Antonius Grüber steht auf der Wiese vor dem Krankenhaus in Bischofswerda. In den Händen hält er ein bepflanztes Boot. Zahlreiche Gäste sind zur Übergabe des Fördermittelbescheids für den Neubau der Sonnen-Apotheke seiner Tochter Cordula Grüber gekommen. Die Unternehmerin nimmt für ihre Zukunftsvision 3,9 Millionen Euro in die Hand. Der Freistaat Sachsen unterstützt das Projekt mit 1,5 Millionen Euro aus dem Programm „Regionales Wachstum“.

Es ist ein ganz persönlicher Moment zwischen vielen offiziellen Reden. „Wir wünschen Dir, dass Du so ein Schiff, welches Apotheke heißt, sicher durch alle Wellen führen kannst – und für die Zukunft, dass es weiterhin die Meere ohne große Hindernisse durchquert“, sagt der 82-Jährige und überlässt die Bühne dann den anderen. Das Lob aber spornt an, es sind Streicheleinheiten für die Seele nach dem vielen Auf und Ab für das Projekt.

Mit Hindernissen kennt sich Cordula Grüberaus. Mehr als fünf Jahre reichen die ersten Ideen auf dem Papier durch das Ingenieurbüro bauplanconcept aus Neukirch/Lausitz für wohl eine der modernsten Apotheken in Sachsen zurück. Um so glücklicher sagt die Bischofswerdaer Apothekerin an diesem Dienstagnachmittag: „Hier entsteht auf rund 700 Quadratmetern die neue Sonnen-Apotheke, ein energetisch weitgehend autarkes Gebäude unter Nutzung von Fotovoltaik und Erdwärme. Wir verbessern damit die Daseinsvorsorge für die Einwohner im Bischofswerder Land mit einer erweiterten Barrierefreiheit.“

Energieversorgung künftig weitgehend autark

Doch der Neubau soll noch mehr können. „Wir gehen auf den in unserer Region besonders spürbaren demografischen Wandel ein, um auch den pharmazeutischen Mehrbedarf unserer älterwerdenden Bevölkerung zu decken“, sagt die Pharmazeutin. Ihre These wird durch die Bevölkerungsprognose des Freistaates Sachsen aus dem Vorjahr gedeckt: Demnach wird die Bevölkerung im Landkreis Bautzen nicht nur zurückgehen, sondern auch älter. Im Moment leben hier rund 84.200 Menschen, die mindestens 65 Jahre alt sind. 2040 werden es rund 4.200 mehr sein.

Die Statistik kennt Cordula Grüber. Auf der Suche nach einer Finanzierung für ihr Projekt haben sie und ihre Unterstützer an zahlreiche Türen von Fördermittelgebern geklopft. Eine, die immer an die „Kapitänin“ geglaubt hat, ist die CDU-Landtagsabgeordnete Patricia Wissel: „Nach Fertigstellung dieses Projekts – und sicher erst in einigen Jahren – wird uns wohl richtig bewusstwerden, was ihr hier gelungen ist“, sagt die Politikerin.

Solche Weitsicht unterstützt der Freistaat gern, ergänzt Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD): „Dank der EU-Mittel stärkt unser Programm ,Regionales Wachstum‘ den sächsischen Mittelstand ganz gezielt. Gerade im Strukturwandel wirkt dieses Instrument bei den Unternehmen vor Ort.“ Aus seiner Sicht sei es wichtig für das Land, dass es mittelständische Unternehmen wie die Sonnen-Apotheke gibt, „die sagen: Wir sind regional verankert, wir entscheiden uns für diese Region.“

Platz für mehr als 20.000 Arzneimittel

Bestens kennt das Projekt vom Tag eins an Architekt Oliver Thomas. „Wir sehen die Apotheke als Ergänzung dieses bereits bestehenden medizinischen Zentrums in der Kamenzer Straße in Bischofswerda. Wir haben hier unter anderem die Rettungswache und das Krankenhaus“, begründet er die Standort-Auswahl. Begonnen hat die Suche übrigens mit der Messung der Sonneneinstrahlung auf dem Areal. Das ist wichtig, wenn Sonnenenergie gekoppelt mit Erdwärme in der Sonnen-Apotheke für Strom und Wärme sorgen soll.

So wird auf dem Dach eine Fotovoltaikanlage installiert. Durch den Einbau von großen Batteriespeichern und einem Notstromaggregat wird die Apotheke der Zukunft auch bei einem Netzausfall arbeitsfähig sein. Für die Lieferfahrzeuge werden Elektroladestationen errichtet. Im Inneren sollen auf zwei Etagen ausreichend Flächen für moderne Arbeitsplätze, Lagerkapazitäten und einen Warenlagerautomaten für mehr als 20.000 Arzneimittel entstehen. Er soll die Arzneimittel über Bänder an bis zu acht Ausgabestellen befördern, um einen effektiven Ablauf zu gewährleisten.

„Durch den künftig besseren Gebäudestandard werden die Arbeitsplätze erhalten und die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten verbessert“, sagt Cordula Grüber – und freut sich, dass die Pläne vom Papier Realität werden – übrigens 30 Jahre nach der Gründung ihrer Sonnen-Apotheke in Bischofswerda.

Derzeit noch zur Miete im Ärztehaus

Aktuell sind die Pharmazeutin und ihre 26 Beschäftigten in einem Ärztehaus in Krankenhaus-Nähe eingemietet. Neben der Versorgung mit pharmazeutischen Produkten und Dienstleistungen gehört eine umfangreiche Inkontinenzversorgung auf Rezept zum Alleinstellungsmerkmal dieser Apotheke. Sie versorgt derzeit mit einem kleinen Team unter Leitung einer Krankenschwester 600 Inkontinenz-Patienten.

Für das Ingenieurbüro bauplanconcept aus Neukirch/Lausitz beginnt jetzt die Suche nach Baufirmen. „Wir sind aber ganz optimistisch, dass wir entsprechende Angebote bekommen“, sagt Oliver Thomas. Aktuell ist der erste Spatenstich für Mitte Juni 2024 geplant. Die Fertigstellung des Gebäudes ist für Dezember 2025 vorgesehen. Es wird ein Tag, an dem Antonius Grüber zu seiner Tochter vielleicht wieder „Pfundskerl“ sagt.

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