Suche
Suche

So soll die Gläserne Manufaktur in Dresden einmal werden

Was haben Frankreich und Sachsen gemein? Beide wollen zum Start-up-Land werden. Wirtschaftsminister Dirk Panter besucht in Paris die Station F - eine der exklusivsten Einhorn-Schmieden der Welt. Er erkennt: Derartige Hubs treiben Entwicklungen voran.

Lesedauer: 4 Minuten

Frankreichs größte Gründerschmiede „Station F“ ist in einem ehemaligen Güterbahnhof untergebracht. Quelle: SMWA


Nora Miethke

Dresden/Paris. Die Technische Universität Dresden (TUD) – gerade erst zur einzigen ostdeutschen Exzellenzuniversität gekürt – will gern Mieterin in der Gläsernen Manufaktur werden. Geplant ist, dort mit zwei Exzellenzclustern zu den Themen Mikroelektronik und/oder Neue Materialien einzuziehen. So genau steht das noch nicht fest. Auch die Start-up-Factory BoOst – eine Gründerschmiede für Firmen mit hochkomplexen, technologischen Geschäftsideen – hat seit März offiziell ihren Sitz in der Manufaktur.

Doch wie sollen künftig auf den riesigen leeren Fabrikflächen lauter kleine Gründerteams nebeneinander arbeiten? Professor Andreas Pinkwart, der für die TUD die Kooperation mit Volkswagen federführend vorantreibt, denkt da an die „Station F“ – den größten Campus für Start-ups in Paris. Das sei ein Vorbild für die Gläserne Manufaktur, sagte er im vergangenen Dezember bei der Vorstellung der Zukunftspläne für VWs einstige kleinste Autofabrik.

Panter baut Geschäftskontakte nach Frankreich aus

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter hatte diese Woche auf seiner Frankreich-Reise die Gelegenheit, Station F persönlich in Augenschein zu nehmen. Besucher kommen dort normalerweise nicht so einfach hinein. Die Arbeitsbereiche sind streng geheim, doch der „Ministerbonus“ half für einen einstündigen Rundgang.

„Station F ist ein faszinierendes Start-up-Hub“, berichtet der SPD-Politiker via Teams. Solche Gründereinrichtungen werden in Deutschland oft als Geldverschwendung belächelt. „Hier sind in den vergangenen Jahren bereits vier Einhörner gewachsen“, so Panter. Das sind Unternehmen, die über eine Milliarde Euro wert sind. In Sachsen gibt es mit dem Chemnitzer Start-up Staffbase nur ein Einhorn.

Blick in das Innere der Station F in Paris. 1000 Start-ups durchlaufen pro Jahr die Programme des Inkubators.
Blick in das Innere der Station F in Paris. 1000 Start-ups durchlaufen pro Jahr die Programme des Inkubators.
Quelle: SMWA

Der Minister zeigt sich beeindruckt, wie das Ökosystem in Paris funktioniert – zwischen Flächen, Beratung zur Finanzierung und rechtlichen Fragen, aber auch, wie die Gründer untereinander interagieren. Solche Hubs könnten die wirtschaftliche Entwicklung definitiv vorantreiben, gerade in den neuen Bereichen wie Künstliche Intelligenz (KI), glaubt er.

Panter besuchte mit einer Fachdelegation fünf Tage lang Paris, Grenoble und Montpellier. Es war der erste Besuch eines sächsischen Wirtschaftsministers in Frankreich seit 2012 – mit dem Ziel, die Wirtschaftskontakte in den Bereichen Mikroelektronik, Lebenswissenschaften und erneuerbare Energien auszubauen.

Gründerschmiede im alten Güterbahnhof

Untergebracht ist die Station F in einem stillgelegten Güterbahnhof, der „Halle Freyssinet“. Das historische Bauwerk ist denkmalgeschützt, wie übrigens die wesentlich jüngere Gläserne Manufaktur in Dresden auch. Auf 34.000 Quadratmetern – auch diese Größenordnung ist vergleichbar mit Dresden – gibt es eine „Share Zone“, eine „Create Zone“ und La Felicita, das größte Restaurant Europas mit 1000 Plätzen. Die Infrastruktur ermögliche Events von 20 bis 5000 Teilnehmenden, was eine wichtige Einnahmequelle darstelle. Station F vermietet die Räumlichkeiten. Partner erhalten dabei 30 Prozent Rabatt.

Wie es gelingt, die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, berichtet Insa Schniedermeier. Die Deutsche ist die Kommunikationschefin der Station F und begleitete Panter bei seinem Rundgang. Die Einhorn-Schmiede wurde 2017 vom Internetmilliardär Xavier Niel, dem Gründer von Free, ins Leben gerufen. Seine Vision war es, einen Ort für Tausende Start-ups zu schaffen, an dem Innovationen entstehen können. Vor zehn Jahren war das Konzept noch neu und wurde laut Schniedermeier sogar belächelt. Doch schon im ersten Jahr nach der Eröffnung seien 1000 Start-ups vor Ort gewesen. Heute sind es 1000 pro Jahr, die die Station F durchlaufen.

Die Deutsche Insa Schniedermeier ist die Kommunikationschefin in der Station F. Sie möchte die Zusammenarbeit nach Deutschland ausbauen.
Die Deutsche Insa Schniedermeier ist die Kommunikationschefin in der Station F. Sie möchte die Zusammenarbeit nach Deutschland ausbauen.
Quelle: SMWA

Die jungen Unternehmer und Unternehmerinnen erwarten mehr als 30 verschiedene Gründerprogramme, unter anderem auch ein sogenanntes Fighters-Programm für Menschen mit schwierigen Hintergründen. Erst im Februar ist das FAI-Programm für Künstliche Intelligenz gestartet – in Zusammenarbeit mit 16 großen KI-Unternehmen wie Anthropic, OpenAI, Meta, Google, Apple und Mistral. Ziel sei es, Europa als Standort für KI-Innovationen zu stärken und ein Gegengewicht zu den USA und China zu schaffen, heißt es.

Solche Hubs würden ganzen Regionen, Sachsen, aber auch Deutschland guttun. – Dirk Panter, Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Energie in Sachsen

Die vier Einhörner sind Hugging Face, Alan, Pascal (Quantencomputing) und Profound. Erfolg werde aber nicht nur an der Unternehmensbewertung, sondern auch an der Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells und am Wachstum gemessen, heißt es. Die meisten Firmen sind in der Frühphase und mit Risikokapital finanziert. 2025 sammelten die Start-ups allein in den ersten sechs Monaten 800 Millionen Euro Kapital ein.

Ein Anliegen von Schniedermeier ist die Stärkung der Zusammenarbeit mit Deutschland. Sie betont die Bedeutung der deutsch-französischen Partnerschaft für die europäische Wirtschaft und hofft auf mehr Kooperationen, etwa mit der Technischen Universität München (TUM) oder auch der TUD. Die Gründerschmiede ist international ausgerichtet und arbeitet mit Ländern wie Japan, Korea und Indien zusammen. Seit vorigem Jahr mischt auch der Fußballklub Paris Saint-Germain mit einem neuen Sport-Tech-Accelerator (PSG Lab) mit.

Künftig soll sich auch stärker direkt an den jungen Firmen beteiligt werden. Die Investitionen beginnen bei Beträgen zwischen 10.000 und 100.000 Euro. Große Millionenbudgets stehen nicht zur Verfügung. Seit zwei Jahren investiert Station F direkt in die Top-40-Start-ups jedes Jahrgangs. Dies soll ein klares Signal sein, dass man auf die langfristige Entwicklung der Start-ups setzt und dafür Partner sein will.

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD, rechts) würde sich einen ähnlichen Start-up-Campus für Sachsen wünschen.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD, rechts) würde sich einen ähnlichen Start-up-Campus für Sachsen wünschen.
Quelle: SMWA

Sachsens Wirtschaftsminister ist jedenfalls begeistert. „Station F zeigt, dass nicht unbedingt der Staat Geld geben muss. Hier gründete sich dieser Hub aus der Wirtschaft heraus“, sagt er. Ob in Leipzig, Chemnitz oder auch in der Gläsernen Manufaktur in Dresden: „Solche Hubs würden ganzen Regionen, Sachsen, aber auch Deutschland guttun“, ist er sich sicher.

SZ

Das könnte Sie auch interessieren: