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„Sunmaxx“ in Ottendorf-Okrilla hat Produktion von neuartigen Solarmodulen gestartet

Erst vor zwei Jahren gegründet, will die Firma "Sunmaxx PVT" jetzt in Ottendorf-Okrilla mit neuartigen Solarmodulen den Weltmarkt erobern. Was das Besondere an der Technik ist.
Lesedauer: 3 Minuten
Man sieht den Geschäftsführer Wilhelm Stein von Sunmaxx
Sunmaxx hat in Ottendorf-Okrilla die Fertigung von Photovoltaikthermomodulen (PVT) gestartet. Geschäftsführer Wilhelm Stein hat noch viel vor. © Marion Doering

Von Siri Rokosch

Ottendorf-Okrilla. Die Firma „Sunmaxx“ hat am Montag offiziell ihre erste Produktionsstätte für neuartige Solarmodule in Ottendorf-Okrilla eröffnet. Mit den sogenannten PVT-Solarmodulen wird sowohl Strom als auch Wärme produziert.

Die neue Technologie funktioniert mit einem „Thermomanagement“ aus dem Automobilbereich, sagt „Sunmaxx“-Geschäftsführer Wilhelm Stein. „Zehn bis teilweise 15 Ingenieure haben diese neue Technik entwickelt. Somit haben wir derzeit mehrere Jahre Vorsprung und sind eine der größten PVT-Produktionsstätten in ganz Europa.“

„Sunmaxx“ hat große Pläne in Ottendorf

Produziert werde bereits seit Ende 2023 in Ottendorf-Okrilla an der Schutterwälder Straße. Derzeit würden zwischen 100 und 1.000 Module pro Woche hergestellt. Ziel sei es, künftig 500 am Tag zu produzieren, so Stein. Das würden dann 120.000 pro Jahr sein.

Auch die Anzahl der Mitarbeiter soll sich stark erhöhen, von momentan 25 auf 60 bis 80 bis zum Jahresende – perspektivisch seien sogar 1.000 Mitarbeiter angedacht. „Dann könnten wir aber nicht mehr in Ottendorf bleiben, das würde die Kapazitäten sprengen“, erklärt der Geschäftsführer.

An der Schutterwälder Straße 13 steht dem Unternehmen, welches erst zwei Jahre am Markt ist, eine Produktionsfläche von rund 4.000 Quadratmetern zur Verfügung. Dort werden Fotovoltaikmodule mit einer Rückseite aus Aluminium versehen, was sonst bei Solartechnik nicht üblich ist: Es sind flache Wärmetauscher, gefüllt mit Wasser und Glykol. Der promovierte Physiker Stein spricht von einem „homogen durchflossenen Flächenhohlkörper“. Für den Laien nennt er das zugelieferte Teil aus der Autobranche auch gerne eine Kühlplatte.

Wie funktionieren die neuartigen Solar-Module?

Die PVT-Module von „Sunmaxx“ bieten eine leistungsstarke Symbiose aus Strom- und Wärmeerzeugung. Auf dem Dach installiert tragen sie sowohl zur Strom- als auch zur Wärmeversorgung bei. Dadurch könne ein nahezu autarkes Energiesystem zu Hause sowie „im gesamten Energiesektor – von Gewerbe und Industrie – bis hin zu modernen Fernwärmesystemen in ganzen Stadtgebieten entstehen“, erklärt Stein.

Grundsätzlich gebe es derzeit zwei verschiedene Möglichkeiten zur Nutzung von Sonnenenergie: Zum einen Fotovoltaikmodule, die Sonnenenergie in Strom umwandeln und zum anderen Sonnenkollektoren, die aus der Sonneneinstrahlung Wärme gewinnen. „PVT-Module können aber nun beides, und zwar in einem einzigen Produkt“, sagt Stein, der seit 20 Jahren im Solar-Geschäft tätig ist. „Durch die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme kann die auf ein Dach eingestrahlte Sonnenenergie mit maximaler Effizienz genutzt werden. So wird der verfügbare Raum optimal genutzt. In Kombination mit Wärmepumpen arbeiten PVT-Module sehr effektiv und liefern nahezu autark und zu 100 Prozent klimaneutral Wärme und Strom.“

Für das Thermomanagement der Module würden besonders effiziente und hoch entwickelte Systeme aus der Automobilindustrie genutzt. Im Gegensatz zu normalen Fotovoltaikmodulen verfügen die PVT-Anlagen über ein eingebautes „Klimatisierungs-System“. Durch den Wärmeaustauscher auf der Rückseite eines Moduls würde Wärme entzogen und an einen Heizkreislauf weitergeleitet. Gleichzeitig wird aber durch die Kühlung der Solarzellen auch die Stromausbeute weiter erhöht.

„Sunmaxx“ sei der einzige Hersteller der Welt, der diese innovative Kombination anbieten kann. „Das ist unser Wettbewerbsvorteil, mit dem wir den Strom- und Wärmemarkt revolutionieren werden – klimafreundlich, nachhaltig und ohne Greenwashing“, freut sich Wilhelm Stein. Entwickelt hat die Firma diese Technik unter anderem gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg und mit der Firma Mahle aus Stuttgart.

Die Höchstleistung eines PVT-Moduls liegt bei etwa 1.600 Watt, davon 410 Watt elektrisch und 1.200 Watt thermisch. Dabei besteht ein Modul aus verschiedenen Schichten – dem Rahmen, Glas, aus EVA-Folie, aus Solarzellen, wieder einer Schicht EVA-Folie und aus einer Rückwandfolie sowie einem Alu-Wärmetauscher.

Wie die Kunden von der PVT-Technik profitieren könnten

Weil die „Sunmaxx“-PVT-Technik als „optimale Quelle für die Wärmepumpe“ angesehen werde, sei sie in vollem Umfang staatlich förderfähig, erklärt Stein einen der Vorteile für die Kunden. Sowohl für das Dach eines Einfamilienhauses als auch für die Industrie und Wärmeversorger sei die neue Technologie geeignet, denn Nachhaltigkeitsziele könnten durch eine klimaneutrale und kosteneffiziente Energieversorgung eher erreicht werden. Die PVT-Module könnten zudem zur Kühlung von Gebäuden genutzt werden.

Direkt in Ottendorf-Okrilla können diese Module aber nicht gekauft werden, statt dessen arbeitet das Unternehmen mit Fachpartnern und Installateuren zusammen, bei denen der Kunde sich zum einen die neue Technik erklären lassen kann, und zum anderen die Module kaufen kann. Preislich würden sie im oberen Feld im Vergleich mit normalen PV-Anlagen liegen. Genaue Preise sollte Stein nicht nennen, betont aber, dass mit der Ausweitung der Produktion die Kosten für die Kunden auch sinken würden.

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