Dresden. war einer dieser Momente, die zum Protokoll gehören und am Ende doch eine gewisse Strahlkraft haben: Im vergangenen Jahr wurde im Dresdner Norden der erste Spatenstich für den Bau der hochmodernen Chipfabrik des taiwanesischen Unternehmens TSMC gesetzt. In Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen in ganz Deutschland ist der Symbolcharakter des offiziellen Akts nicht zu unterschätzen. TSMC und Dresden – das steht für einen Erfolg, der tatsächlich greifbar ist, der vor den Toren der sächsischen Landeshauptstadt deutlich sichtbar wächst. Es steht auch für einen prosperierenden Wirtschaftsstandort, der klar auf seine Stärken setzt und andere Bereiche trotzdem nicht aus dem Blick verliert. Dresden ist das Herz des Silicon Saxony, eines der größten Mikroelektronik-Cluster Europas.
Ganz Europa im Blick
Das wiederum ist seinerseits Teil der Silicon Europe Alliance, einem Netzwerk, das den Halbleiter- und Elektronikstandort Europa stärken will. Das Großprojekt von TSMC – das in Dresden unter dem Namen ESMC als Gemeinschaftsunternehmen von TSMC, Bosch, Infineon und NXP Semiconductors firmiert – zahlt auf dieses Ziel ein. „Zusammen mit unseren Partnern Bosch, Infineon und NXP bauen wir unsere neue Fabrik in Dresden, um den Halbleiterbedarf der schnell wachsenden europäischen Automobil- und Industriesektoren zu decken“, hatte TSMC-Chairman & CEO C.C. Wie aus Anlass des ersten Spatenstichs betont. Mit der hochmodernen Produktionsanlage werde man „die innovativen Fertigungsmethoden von TSMC viel näher zu unseren europäischen Kunden und Partnern bringen“ und damit „die wirtschaftliche Entwicklung in der Region und den technologischen Fortschritt in ganz Europa vorantreiben.“ Ein Anspruch, der in Zeiten einer nach wie vor schwächelnden Wirtschaft besonders wahrgenommen wird. Hoffnung bringt auch das „Sprint“-Projekt von Globalfoundries. Beim Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz Ende Oktober fiel der Startschuss. Der US-Chiphersteller will in einem ersten Schritt 1,1 Milliarden Euro am Standort Dresden investieren, um ab 2028 im Jahr 1,1 Millionen Wafer produzieren zu können. Eine weitere, ganz aktuelle Nachricht mit Strahlkraft über Dresden hinaus.
Chance für ein prosperierendes Umfeld
Globalfoundries und TSMC – zwei echte Global Player im Halbleitergeschäft, die in der sächsischen Landeshauptstadt produzieren und das auch in Zukunft tun wollen, setzen Maßstäbe, die derzeit so nirgendwo in Europa erreicht werden.
Insgesamt werden voraussichtlich allein zehn Milliarden Euro in den TSMC-Standort fließen. Globalfoundries hat die gleiche Summe seit 2009 in Dresden investiert und legt mit „Sprint“ nun nach. Tausende Hightech-Jobs sollen direkt vor Ort entstehen, viele weitere im Umfeld der Fabriken.
Dadurch dürfte die Attraktivität der Stadt für Fachkräfte weiter steigen. Das ist eine gute Nachricht mit etwas fadem Beigeschmack, denn eben jene Fachkräfte sind knapp. Schon vor drei Jahren waren in Sachsen rund 30.000 Stellen in den Bereichen IT, Technik und Naturwissenschaften unbesetzt. Und die Situation hat sich weiter verschärft. Experten – nicht nur in Sachsen – wissen: Das Problem beginnt früh. Knapp sechzig Prozent aller Kinder und Jugendlichen, die Nachhilfe in Anspruch nehmen, pauken Mathematik. Wer es bis zum Abi schafft, scheitert oft im Studium. Auch hier führt Mathe eine Statistik an – die der Studienabbrecher. Aber auch in Chemie und Physik werfen viele das Handtuch. In der Informatik liegt die Abbruchquote im Studium immerhin noch bei 43 Prozent. Schwierig, mühsam, zu wenig Praxisbezug – so werden die sogenannten MINT-Fächer – das Kürzel steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – gern beschrieben.
In Sachsen unterstützen gleich mehrere Initiativen die Förderung von Nachwuchs für den MINT-Bereich. Neben Programmen speziell für Mädchen, etwa der Dresdner Girls Akademie, soll künftig auch geschlechterübergreifend mehr dafür getan werden, Vorurteile und tatsächliche Hürden abzubauen. Helfen soll dabei der MINT-Hub Sachsen. Über die Bildungsprojekte City4Future und IT2School will man Schülerinnen und Schüler zum Experimentieren und Forschen einladen. Begleitet von externen Experten soll der Nachwuchs über Ganztagsangebote praxisnah lernen, was man mit technischer beziehungsweise naturwissenschaftlicher Bildung alles tun kann. „Ohne MINT finden wir keine Lösungen für die Aufgaben in den Bereichen Energie, Mobilität und Klimaschutz“, hatte Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner mit Blick auf den MINT-Hub betont.
Dresdner Initiativen werben auch international
Auch die Fachkräfteallianz Dresden versucht mit vielen Partnern, Interesse für Jobs in Dresden zu wecken – bevorzugt im MINT-Bereich. Genau wie das Talente-Netzwerk Intap, das unter anderem mit der Initiative #HalloIndia versucht, Fachkräfte aus Indien für eben jenen MINT-Bereich zu rekrutieren. Ein Büro, das die TU Dresden 2024 im Zusammenspiel mit anderen sächsischen Forschungseinrichtungen in der indischen Stadt Chennai eröffnet hat, zielt in dieselbe Richtung. Für den Wirtschaftsstandort Dresden ist das trotz aller Sorgen ein positives Signal, schon jetzt steht fest: Die Stadt wächst. Sie wird bis voraussichtlich 2040 mehr als 600.000 Einwohner haben. Auch, weil die jüngsten Großinvestitionen im Tech- und Halbleiterbereich qualifizierten Menschen gute Karrierechancen bieten.


