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Tinten-Marke „Barock“ ist endlich wieder Dresdnerin

Über 30 Jahre lagen die Namensrechte für den Traditions-Tintenhersteller "Barock" aus Dresden im Westen Deutschlands. Nun ist die bekannte Marke zurück in ihrer Heimatstadt - im Fässchen und als Funsport.
Lesedauer: 3 Minuten
Man sieht einen Mann vor Tintenfässern.
Sie ist wieder da: Mitarbeiter Uwe Giese befüllt Fläschen mit "Barock"-Tinte, die der Hersteller Octopus Fluids in Dresden produziert. © Sven Ellger

Von Juliane Just

Dresden. Es gibt wohl viele Dresdner und Sachsen, die einst mit ihr geschrieben haben. In den ersten Jahren, als sich die Buchstaben noch eher krakelig ziehen ließen und alles ständig auf dem Papier verlief. Vielleicht aber auch später, als Drucker die Büros fluteten und die digitale Welt schwarz auf weiß ausspuckten. Sie alle schrieben oder druckten mit „Barock“ – bewusst oder unbewusst.

Das Dresdner Original kehrt nun nach über 30 Jahren in seine Heimatstadt zurück und bringt einen Zufall mit sich, wie er nur das Leben schreiben kann. Gleich zwei Unternehmen interessierten sich für die Namensrechte von „Barock“, aus zwei sehr unterschiedlichen Gründen.

Doch von vorn: Die Wurzeln der Tintenherstellung in Dresden reichen bis ins Jahr 1826 zurück. Dort startete der Chemiker Christian August Leonhardi in der Grundstraße mit der Produktion. Der Durchbruch ist ein Patent für „dokumentenechte“ Tinte – also eine Tinte, die nicht verwäscht. Weltberühmt wurde dieses Produkt, als ein Postschiff in der Ostsee versank und man die Dokumente mit „Barock“-Tinte im Gegensatz zu allen anderen noch entziffern konnte.

Traditions-Tintenhersteller „Barock“ aus Dresden meldet 2011 Insolvenz an

Mit der Privatisierungswelle nach 1989 ging der Traditions-Tintenhersteller an Investoren der freien Wirtschaft. Unter dem Namen „Barock Bürobedarf“ wurde im Dresdner Norden, kurz vor Radebeul, Schreibtinte sowie Patronen für Drucker, Tusche, Stempelkissen und Fotopapier hergestellt. Aus dem Traditionsunternehmen, das zu DDR-Zeiten jeder Schüler wegen der Tintenpatronen kannte, wurde jedoch irgendwann ein unscheinbarer Anbieter von Bürobedarf.

Dort, wo einst über 400 Mitarbeiter Tinte fürs ganze Land produzierten, arbeiteten 2011 nur noch 16 Personen. 2011 musste der letzte Eigentümer für das Unternehmen Insolvenz anmelden. Die Entwicklung und Produktion der Inkjet-Tinten, Stempelfarben und Füllhaltertinten wird seitdem von der Octopus Fluids GmbH & Co. KG fortgeführt. Heute werden dort über 400 Tinten-Rezepturen für Industrie, Handel und Kreative in die ganze Welt verschickt.

Und genau diese Firma ist es, die es auf die Namensrechte der Marke „Barock“ abgesehen hat. Über 30 Jahre lagen die Namensrechte im Westen Deutschlands. Bis 2021 gab es ein Namensrecht, das lief jedoch aus. „Wir dachten uns: Es wäre doch eigentlich schön, die Tinte wieder nach Dresden zu holen“, sagt Gunther Lange, Geschäftsführer von „Octopus“. Gesagt, getan.

Neue Serie mit dem Namen „Barock“: Sechs Farben made in Dresden

In den Produktionshallen Hamburger Straße in Dresden befindet sich seitdem nicht nur die Produktionsstätte des Unternehmens, sondern auch ein eigenes Labor. Ein Chemiker der ehemaligen „Barock“-Firma rührt dort neue Tinten-Rezepturen an. Die originalen Rezepturen gibt es nicht mehr, doch eine neue Linie wird das Herz von Schreib-Enthusiasten höherschlagen lassen.

Sechs Farben mit Füllhaltertinte produziert die Dresdner Firma unter dem Namen „Barock“ seit etwa einem Monat. Sie ahmen Farben des Jugendstil-Zeitalters um 1910 nach: Bordeaux, Marine, Jade, Kaviar, Anthrazit und Umbra heißen sie. Weitere Serien aus den 1900er- und 1920er-Jahren sind bereits in der Entwicklung.

Torsten Meisel (l.) und Benjamin Venter (r.) vom Barock-Eventpark und Gunther Lange, Geschäftsführer der Octopus Fluids GmbH & Co. KG, haben sich die Namensrechte der Marke „Barock“ gesichert.© Sven Ellger

„Barock“-Hauptsitz in Dresden trägt noch Original-Schriftzug

Doch dann kommen da noch zwei andere Dresdner ins Spiel, die ebenfalls erhebliches Interesse an dem Namen „Barock“ haben. Auch sie wollen das Namensrecht, denn ihr Unternehmen trägt sogar den Namen in sich: Der Barock-Eventpark, eine Art Mini-Freizeitpark im Dresdner Norden, vereint mehrere Spiel- und Freizeitmöglichkeiten.

Der Schriftzug „Barock“ prangt über dem Firmensitz des Eventparkes, gab ihm seinen Namen. In der Emilienstraße 20 hatte der Traditions-Tintenhersteller seinen Sitz. Dort, wo einst die Tinte hergestellt wurde, ist heute eine Garage für 16 Mini-Autos. „Die Tinte drückt bis heute durch die Wände, das bekommt man nicht mehr weg“, sagt Torsten Meisel, einer der Inhaber des Unternehmens. Gemeinsam mit Benjamin Venter führt er das Unternehmen, das als Schnapsidee begann und inzwischen 15 Mitarbeiter beschäftigt.

Namensrecht erweitert: „Barock“ aus Dresden ist mehr als Tinte

Am Firmensitz zeigt eine Vitrine historische Exponaten der ehemaligen Tintenfabrik. Weil Venter und Meisel an der Geschichte des Geländes interessiert sind, starteten sie einen Aufruf. Viele Dresdner, darunter auch ehemalige „Barock“-Mitarbeiter, brachten alte Füller, Urkunden oder Stempelkissen vorbei.

Und deshalb wollten auch sie sich den Namen „Barock“ sichern. Der einstige Schriftzug über dem Gebäude soll, wenn es nach den beiden Spaßmachern geht, irgendwann wieder leuchten. Eine Schwarmfinanzierung könnten sie sich vorstellen. Wenn jeder Dresdner etwas dazugibt, sind die 20.000 Euro schnell zusammen.

Nun gibt es also gleich zwei Namensrecht-Halter für den Namen „Barock“ – einmal als Tinte im Fässchen und einmal im Event-Bereich. So konnten sich auch die beiden Unternehmen kennenlernen und gemeinsam Pläne schmieden. „Wir haben Ideen. Mal sehen, was sich umsetzen lässt“, sagt Torsten Meisel, will aber augenzwinkernd noch nicht mehr verraten. Und, in dem sind sich wohl alle einig: Hauptsache, die Marke ist endlich wieder Dresdnerin.

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