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TU Dresden und TSMC bauen Austauschprogramm auf

Sachsens Wissenschaftsminister Gemkow denkt voraus: Durch ein Talent-Abkommen mit TSMC will er die Ausbildung der Fachkräfte voranbringen.
Lesedauer: 3 Minuten
Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow, Lora Ho, Senior-Vize-Präsidentin von TSMC und Professorin Ursula Staudinger, Rektorin der Technischen Universität Dresden, unterschreiben eine Kooperationsvereinbarung.
Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow, Lora Ho, Senior-Vize-Präsidentin von TSMC und Professorin Ursula Staudinger, Rektorin der Technischen Universität Dresden, unterschreiben eine Kooperationsvereinbarung. © Dorothea Zeppezauer

Von Dorothea Zeppezauer, Taipeh

Für nicht einmal 48 Stunden Aufenthalt flogen Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) und die Rektorin der Technischen Universität (TU) Dresden, Ursula Staudinger, extra ein, um das neue wissenschaftliche Koordinierungsbüro im Herzen Taipehs einzuweihen. Dass die Delegation aus Deutschland dabei wegen einer Flugverspätung erst zwei Stunden später zur Tat schreiten konnte, tat der Feierlichkeit der Eröffnungszeremonie keinen Abbruch. Untergebracht in den Räumen der deutschen Außenhandelskammer (AHK), in einem der modernen Hochhäuser mit Blick auf die Stadt, sollen von hier aus die Fäden einer neuen Zusammenarbeit beider Länder zusammengeführt werden.

Unter der Führung der TU Dresden und finanziert durch den Freistaat Sachsen wird das Verbindungsbüro für alle sächsischen Hochschulen den wissenschaftlichen Austausch mit taiwanischen Partnereinrichtungen administrieren. Bereits seit einem Jahr steht Minister Gemkow hierfür im regen Austausch mit möglichen Partnern, mit Universitäten und Bildungseinrichtungen in Taiwan.

Unter der Leitung des Sinologen Josef Goldberger, der selbst an verschiedenen chinesischen und taiwanischen Universitäten gelehrt hat und seit 2017 für den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Taiwan tätig war, soll das Verbindungsbüro die Ausbildung von Fachkräften koordinieren. Ein erstes wichtiges Ziel wird es sein, jenen hohen Erwartungen gerecht zu werden, die der weltgrößte Chipfertiger TSMC in seiner Begründung für die Standortwahl in Dresden formuliert hat. Man freue sich – so heißt es dort – die Talente zu nutzen und das Innovationspotenzial der Region mit der eigenen Spitzen-Technologie zum Leben zu erwecken.

Diesem Anspruch gerecht zu werden und nicht nur ein Innovationsklima zu schaffen, sondern auch die benötigten hoch qualifizierten Fachkräfte bereitzustellen, hat Gemkow sich zur Aufgabe gemacht und mit der TU Dresden ein Programm auf den Weg gebracht, das es in einem ersten Durchgang vierzig und später bis zu 100 Studierenden ermöglicht, ein sechsmonatiges Austauschstudium in Taiwan zu absolvieren, bestehend aus einem akademischen Anteil, den die renommierte National Taiwan University (NTU) übernimmt, sowie einem praktischen Teil, der in den Ausbildungs- und Fertigungsstandorten von TSMC stattfinden wird. Für die Finanzierung sind jährlich 500.000 Euro aus Haushaltsmitteln bereitgestellt. Die erste Gruppe soll im Frühjahr 2024 in Taiwan eintreffen. Das Interesse der Studierenden ist laut einer ersten Umfrage hoch.

Dr. Josef Goldberger, an seinem neuen Arbeitsplatz. Er wird das wissenschaftliche Koordinierungsbüro für Sachsen leiten.© Dorothea Zeppezauer

Notwendig ist der Austauschstudiengang vor allem deshalb, weil die entsprechenden Studiengänge der Elektrotechnik in Taiwan bereits auf die spezifischen Bedürfnisse der Halbleiter-Technologie ausgerichtet sind. Eine solche Spezialisierung gibt es in den Studiengängen der TU Dresden und anderer regionaler Hochschulen nicht. Diesen Studienaustausch zu administrieren, ist eine der Aufgaben des Verbindungsbüros. Zugleich soll es als Anlaufstelle für Interessierte aus dem Zielland dienen und bei der Organisation weiterer wissenschaftlicher Austauschprogramme helfen. In dieser Funktion dient es auch als Pilotprojekt für weitere Verbindungsbüros in Ländern, mit denen der Freistaat den wissenschaftlichen Austausch intensivieren will, sei es in Indien, Vietnam oder Chile.

„Es erfülle ihn mit Freude und Aufregung, dieses unter Zeitdruck geplante Projekt mit Leben zu füllen“, sagte Gemkow bei der Eröffnung und Professorin Staudinger fügte hinzu, dass dieses erste Büro Sachsens in einem Partnerland den Beginn einer engen und vielseitigen Zusammenarbeit markiert. Besiegelt wird die zukünftige Zusammenarbeit durch ein trilaterales Kooperationsabkommen , das der Minister am Nachmittag für den Freistaat Sachsen mit Lora Ho, Personalvorstand von TSMC und Ursula Staudinger am TSMC -Standort Taichung unterzeichnete.

Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow und TSMC-Senior-Vizepräsidentin Lora Ho während eines Besuchs im Newcomer Training Center von TSMC.© Yu-Tzu Chiu/dpa

Das „Semiconductor Talent Incubation Program“ (Programm zur Förderung von Talenten im Halbleitersektor) sei in seinem passgenauen Zuschnitt einzigartig, betonte Gemkow. Er zeigte sich äußerst zuversichtlich, dass es von großem Erfolg sein werde. Auch die TU Dresden-Rektorin hob das Potenzial des Programms hervor, neue Interessenten für die natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge zu gewinnen. Eine Ausbildung bei TSMC habe eine große Strahlkraft. Die TU Dresden spiele eine Vorreiterrolle beim Ausbau des wissenschaftlichen Austauschs zwischen Sachsen und Taiwan. Und für Frau Ho von TSMC ist das Programm „ein vielversprechender Weg“, 2027 die Produktion am Standort Dresden im geplanten Umfang aufnehmen zu können.

Ein selten gewährter Rundgang durch das Trainingszentrum der FAB 15A zeigt, worauf es dem Weltmarktführer ankommt. Das Newcomer Trainings Center ist ganz auf die Ausbildung junger Fachkräfte spezialisiert. Auf zwölf Etagen in modernen Labors werden die einzelnen Arbeitsschritte anschaulich vermittelt. Hierfür verwendet TSMC nicht nur Millionen Dollar teure Originalmaschinen, sondern, auch speziell für die Ausbildung angefertigte Maschinen mit durchsichtigen Rückwänden, die die Prozesse veranschaulichen.

Einen besonderen Schwerpunkt stellt die Plasma-Physik dar, die bei der Produktion von Chips eine entscheidende Rolle spielt. Besonders stolz ist das Unternehmen auf den hohen Praxisanteil, der es den Absolventen ermöglicht, im Anschluss direkt in den sensiblen Produktionsprozess einsteigen zu können. Und das soll künftig auch in Dresden der Fall sein.

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