Altenberg. Beim Bergbauunternehmen Zinnwald Lithium ändern sich die Besitzverhältnisse – und zwar auf höchster Ebene. Bisher bildete die im Osterzgebirge ansässige GmbH ein Tochterunternehmen der Zinnwald Lithium PLC, einem an der Londoner Börse notierten Aktienunternehmen. Diese Zinnwald PLC wechselt nun den Eigentümer.
Wie kürzlich bekannt gegeben wurde, übernimmt der an der Börse in Amsterdam notierte Rohstoffkonzern AMG Critical Materials mit Sitz im US-Bundesstaat Pennsylvania die Zinnwald Lithium PLC.
AMG war 2023 bei Zinnwald Lithium PLC eingestiegen und hält bereits 29 Prozent der Anteile. Nun wollen die Amerikaner die gesamte Aktienmehrheit übernehmen. Der Kaufpreis beträgt 56 Millionen US-Dollar, die Transaktion soll im dritten Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein.
Lithium-Preis und Nachfrage zuletzt gestiegen
Dass Zinnwald Lithium damit in der Hand nur eines Gesellschafters liegt, könnte dem Projekt die notwendige Dynamik verleihen. AMG konzentriert sich auf die Gewinnung und Weiterverarbeitung von sogenannten kritischen Rohstoffen, zu denen Seltene Erden wie Lithium zählen. Mit rund 3600 Mitarbeitern ist AMG weltweit tätig und unterhält Produktionsstätten in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den USA, China, Mexiko, Brasilien, Indien und Sri Lanka.
Im sachsen-anhaltinischen Bitterfeld betreibt AMG die erste Lithium-Raffinerie Europas. In dieser Anlage wird Lithiumhydroxid in Batteriequalität produziert.
Um Lithiumhydroxid geht es auch im Osterzgebirge. Zinnwald Lithium möchte dort eine der größten bekannten Lagerstätten Europas erschließen. Aus dem Bergwerk sollen – so die bisherigen Pläne – jährlich rund 1,5 Millionen Tonnen Gestein gefördert und in einer bei Liebenau platzierten Anlage weiterverarbeitet werden. Dabei sollen jährlich etwa 18.000 Tonnen Lithiumhydroxid entstehen. Es wird vor allem für Batteriespeicher benötigt. Nachfrage und Preis waren zuletzt steigend, wie einschlägigen Branchenportalen zu entnehmen ist.
„Die Übernahme einer der bedeutendsten Lithiumreserven Europas durch AMG stellt einen wichtigen strategischen Schritt zur Konsolidierung der europäischen Industrie für kritische Rohstoffe dar“, heißt es weiter in einer vom Unternehmen herausgegebenen Pressemitteilung.
Neuer Eigentümer nennt erste Eckpunkte
Jedoch gehören die Bergbaupläne im Osterzgebirge bisher nicht zu den Vorhaben, die es aus Sicht der EU auf die Liste der strategisch wichtigen Projekte geschafft haben – im Gegensatz zu dem auf tschechischer Seite vorangetriebenen Lithium-Bergwerk. Zinnwald Lithium hofft jedoch, die Einstufung in der neuen Runde zu erhalten. Die Entscheidung in Brüssel soll in Kürze erfolgen.
Bei AMG ist man aber optimistisch und nennt erste Eckpunkte, wie es mit den Plänen für das Zinnwalder Bergwerk weitergehen soll. Der kurzfristige Fokus werde zunächst darauf liegen, die technischen Entwicklungsstufen voranzutreiben, teilte Heinz Schimmelbusch, Vorsitzender des Vorstands, mit.
Im Anschluss solle das Bergwerk in mehreren Ausbaustufen angelegt werden. „Wir werden dabei einen schrittweisen Ansatz verfolgen: Anstatt auf eine einzige, großangelegte Baumaßnahme zu setzen, konzentrieren wir uns zunächst auf einen kleineren, ersten Umfang – mit dem Ziel, die Mine sukzessive in Betrieb zu nehmen und die dazugehörige Infrastruktur aufzubauen“, so Schimmelbusch weiter.
Das klingt bereits nach einer Kurskorrektur. Bisher war bei Zinnwald Lithium immer davon die Rede, das Bergwerk so aufzufahren, dass man ab der Inbetriebnahme die volle Kapazität von 1,5 Millionen Tonnen Gesteinsförderung pro Jahr aufnimmt. Nach den bisherigen Zeitplänen soll das frühestens im Jahr 2030 der Fall sein.
SZ


