Bernsdorf. Noch vor Ostern herrscht Klarheit: Das war vor gut drei Wochen noch nicht abzusehen gewesen. Die 105 Beschäftigten des Bernsdorfer Werks von Glashersteller O-I Glasspack haben sich einen abgestimmten Sozialplan erkämpft. Trotz gewisser Erleichterung bedeutet das: Das Ende der Glasherstellung in Bernsdorf nach mehr als 150 Jahren ist damit endgültig besiegelt.
Die Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie (IGBCE) ist zufrieden mit den Verhandlungen im Rahmen der Einigungsstelle: „Die IGBCE Lausitz und der Betriebsrat Bernsdorf haben in einem schwierigen und kräftezehrenden Verfahren einen in dieser Form außergewöhnlich guten Sozialplan für die Beschäftigten des O‑I‑Standortes Bernsdorf durchgesetzt“, sagt Gewerkschaftssekretärin Vivian Madeja.
Dieser Sozialplan ist kein Geschenk des Arbeitgebers. – Vivian Madeja, Gewerkschaftssekretärin der IGBCE Lausitz
Die eingesetzte Einigungsstelle, bei der Arbeitgeber, Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaft am Tisch sitzen, habe ein Ergebnis erzielt, das laut IGBCE weit über den bisherigen O-I-Standards liegt und die Belegschaft bestmöglich absichert.
Das Ergebnis sei nicht selbstverständlich, so die IGBCE: „Dieser Sozialplan ist kein Geschenk des Arbeitgebers, sondern das Ergebnis massiven gewerkschaftlichen Drucks und einer hochprofessionellen Verhandlungsstrategie des Betriebsrats“, betont Vivian Madeja. „Wir haben erreicht, was O‑I zu Beginn kategorisch abgelehnt hat.“
Hohe Abfindungen für die Mitarbeiter
Die erzielte Regelung umfasst nach Gewerkschaftsangaben unter anderem sehr hohe Abfindungen „mit einer für O-I völlig untypischen Formel, die besonders älteren Beschäftigten zugutekommt, mit einem Abfindungshöchstbetrag sowie einer Mindestabfindung“, heißt es weiter. Dazu kommen zusätzliche Beträge für Gewerkschaftsmitglieder, unterhaltsberechtigte Kinder und schwerbehinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, betont die Gewerkschaft IGBCE.
Wichtig für die betroffenen Arbeiter im inzwischen stillgelegten Bernsdorfer Glaswerk: Eine Transfergesellschaft nimmt die Betroffenen laut IGBCE-Angaben auf und sichert sie mindestens sechs Monate ab. Dabei sollen sie 80 Prozent des letzten Nettoentgeltes erhalten, heißt es. Gegen diesen Punkt habe sich die O-I-Spitze lange gewehrt, betont die Gewerkschaft. Die IGBCE will die Glaswerker weiter begleiten.
O-I Glasspack hatte Ende September 2025 bekannt gegeben, dass der Bernsdorfer Standort geschlossen werden soll. Begründet worden war die Schließung damit, dass die Firmengruppe aus Wettbewerbsgründen agiler und leistungsfähiger werden müsse. Das bedeutet: O-I muss Kosten sparen. Einige Wochen später war die Produktion eingestellt worden. Die 105 Arbeiter sind seitdem freigestellt – bei voller Entgeltfortzahlung.
SZ


