Jannik Packenius
Dresden. Er ist ein Gigant von einem Flugzeug: Der Airbus A380 „Mike-Hotel“ steht seit dem 21. April im Windkanal 32 der Elbe Flugzeugwerke in Dresden-Klotzsche. Vorn und hinten sind nur wenige Meter Platz bis zu den Hallenwänden – bei den Größenverhältnissen glaubt man, es seien wenige Zentimeter.

Quelle: Roland Halkasch
„Früher mussten die bei uns noch draußen stehen“, sagt Jens Wurmisch, der als Aircraft Manager bei den Elbe Flugzeugwerken (EFW) alle technischen Details zum Umbau des Fliegers kennt. Erst vor wenigen Jahren musste der Hangar aus den 1950er-Jahren deshalb angepasst werden. Seit Jahren konzentriert sich das Unternehmen auf den Umbau und die Wartung des gigantischen A380. Die so gewonnene Expertise ist heute neben der Umrüstung von Passagier- in Frachtflugzeuge und der Produktion von Leichtbauteilen ein wichtiges Standbein.
Test aller Systeme
Bei „Mike-Hotel“ im Windkanal 32 steht ein sogenannter C-Check an, der routinemäßig alle zwei Jahre nötig ist. Dabei sollen die Struktur des Flugzeugs untersucht und alle Systeme getestet werden. Gerade sind einige der Triebwerke offen, man sieht Kabelstränge und Technik.

Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
In der Halle stehen große Regale mit aufgereihten Flugzeugpaneelen und Kleinteilen, dazwischen Werkzeuge und Kräne, bereit für ihren Einsatz.
Besondere Probleme mache bei diesem Auftrag ein riesiges Teil am Fahrwerk, die Fahrwerksrippe 9, sagt Jens Wurmisch. Die Schwierigkeit beim A380 sei generell, dass alles entweder sehr groß oder oft vorhanden sei.

Quelle: SZ/Veit Hengst
Sechs Wochen sind für die Arbeiten an der Maschine eingeplant. Die Zeit soll produktiv genutzt werden, darum wird parallel die Kabine modernisiert. „Für mich ist eine der größten Herausforderungen, den Umbau und den C-Check so zu organisieren, dass das zusammenpasst“, erklärt Wurmisch.
Der A380 – ein echter Renner
In Dresden lässt die Fluggesellschaft Lufthansa nacheinander sechs ihrer A380 warten und modernisieren. „Mike-Hotel“ ist bereits der zweite in der Reihe. Insgesamt fliegen acht der Jets in der Flotte.
Das größte Passagierflugzeug der Welt ist ein echter Renner, sagt Tim Kaya, Kabinen-Flottenmanager bei der Lufthansa. „Manche Buchungen werden extra so gelegt, dass auch ein Flug mit dem A380 dabei ist.“ Deshalb soll im kommenden Jahrzehnt weiter auf den Flieger gesetzt werden – obwohl seine Produktion bereits 2021 wegen zu geringer Nachfrage eingestellt wurde. Darum investiert die deutsche Fluggesellschaft weiter in den A380.
Manche Buchungen werden extra so gelegt, dass auch ein Flug mit dem A380 dabei ist. – Tim Kaya, Kabinen-Flottenmanager bei Lufthansa
Der kürzeste Weg zur neuen Business Class führt durch Tür 1 am vorderen Ende des Fliegers. Im unteren Deck befindet sich die Economy Class. Für den C-Check werden alle Sitze angehoben, um darunter zu putzen. „Sie können sich vorstellen, dass Staub sonst schnell Feuer fängt“, sagt Jens Wurmisch. Direkt neben dem Eingang liegt das Cockpit. Hier wird das System neu aufgesetzt und die Technik kontrolliert.

Quelle: SZ/Veit Hengst
Wird ein defektes Teil gefunden, muss es ausgetauscht werden – das gilt hier wie im Rest des Flugzeugs. Seit dem Produktionsstopp des A380 führen kaputte Teile regelmäßig zu Problemen. Oft gibt es die Hersteller nicht mehr. Dann müsse man Unternehmen finden, die anhand der vorhandenen Pläne schnell nachproduzieren können, sagt Wurmisch. Auf dem Ersatzteilmarkt sei die Konkurrenz mit Emirates groß, man kaufe sich regelmäßig die Bestände weg.

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Geht man vor dem Cockpit die Treppe hinauf, kommt man in die erste Klasse. Hier säßen öfter mal die Tokio-Hotel-Brüder Tim und Bill Kaulitz, heißt es im Vorbeigehen. Die A380 der Lufthansa fliegen regelmäßig zwischen München und deren Wahlheimat Los Angeles. Die meisten Strecken führen nach Nordamerika. Wenige Meter weiter befindet sich die Business Class. Es riecht nach frischen Plastikpolstern, wie in einem neuen Auto.
„Mehr private Kunden in den höheren Klassen“

Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Die Investition in die Business Class lohne sich, sagt Tim Kaya. Vor allem seit der Pandemie. „Die Menschen hatten keine Gelegenheit, ihr Geld auszugeben.“ Darum hätten sich viele den Luxus einmal gönnen wollen und seien dann in den höheren Klassen geblieben.

Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Vielleicht haben sich die Passagiere während der Pandemie auch an die Abstandsregeln gewöhnt. Immerhin hat man in der Business Class deutlich mehr Platz als in der Economy. Mit dem Umbau soll die neue Business Class noch mehr Privatsphäre bieten. In der alten Business Class hätte man über seine Nachbarn steigen müssen, um zu einigen Plätzen zu gelangen. Jetzt sind alle Plätze vom Gang aus erreichbar.

Quelle: SZ/Veit Hengst
Durch die neue Anordnung reduzieren sich die Business-Class-Plätze – um 10 auf 68 Sitze. Dafür gibt es jetzt mit einer Sitzbreite von 58 Zentimetern und einer Bettlänge von mindestens zwei Metern mehr Platz für jeden Passagier. Die alten Sitze sollen für den guten Zweck versteigert werden.

Quelle: SZ/Veit Hengst
Knappe Kapazitäten weltweit
Die zwei verbleibenden A380 der Lufthansa werden nicht in Dresden, sondern in Manila auf den Philippinen dem komplexeren D-Check unterzogen. Dort sei die Arbeitsstunde billiger, sagt Tim Kaya. Darum werden Aufträge lieber dorthin vergeben. Weltweit gibt es aber nur vier Unternehmen für solche Aufgaben. Die Kapazitäten für Wartungen sind knapp, darum ist die Lufthansa auch auf den Standort Dresden angewiesen. Weitere Aufträge für EFW in Dresden seien im Gespräch.
Der aktuelle Auftrag läuft noch bis Mitte 2027. Planmäßig wird der Umbau von „Mike-Hotel“ am 5. Juni abgeschlossen sein. Schon einen Tag später soll er modernisiert von München nach Delhi fliegen. Gleichzeitig werden in Dresden die Arbeiten am dritten Airbus A380 „Mike-Bravo“ beginnen.
SZ


