Von Annett Kschieschan
Leipzig. Es gehört zu den kleinen Dingen des Alltags, deren Bedeutung erst klar wird, wenn es ein Problem gibt – das Fahrradschloss. Ohne Sicherung ist der geschätzte Drahtesel mit etwas Pech am nächsten Morgen verschwunden. Ist das Schloss zwar vorhanden, hat aber keine gute Qualität, haben Diebe leichtes Spiel. Wer nun auch noch will, dass es gut aussieht und dabei weder starr noch unhandlich ist, findet sich in der Zielgruppe von Texlock wieder. Seit zehn Jahren entwickelt und produziert das Leipziger Unternehmen textile Fahrradschlösser mit einer patentierten Sicherheitstechnologie. Im Jubiläumsjahr setzt die Firma auf eine besondere Kooperation. Das Bauhaus Dessau feiert 2026 ebenfalls einen runden Geburtstag – den 100. Gemeinsam bringen beide nun ein neues Produkt auf den Markt. Die „Bauhaus-Jubiläumsedition“ greift Farben und gestalterische Elemente, die typisch für die Dessauer Bauhauskultur sind, auf. So finden sich Blau, Rot und Gelb in einer geometrischen Flechtstruktur verbunden. Ein extra entwickeltes schwarzes Label am Seilende markiert beide Jubiläen.
„Unsere Strategie ist ein klares Plädoyer: Vertriebserfolg in gesättigten Märkten hängt nicht nur von Features ab, sondern von der Fähigkeit, eine emotionale und intellektuelle Verbindung zur Marke aufzubauen“, sagt Riccardo Prielipp, Geschäftsführer der Texlock GmbH. Die „Bauhaus-Jubiläumsedition” sei „der sichtbare Beweis für die Kraft von Kreativität und strategischem Geschick gegenüber reiner Finanzkraft“.
Zwei Jahre von der Idee bis zum Start
Aber wie entstand eigentlich die Idee der besonderen Schlösser? Die Geschichte von Texlock begann eben bei jenen kleinen Alltagsdingen, die erst nicht so wichtig scheinen – es dann aber doch sind. Warum müssen sichere Fahrradschlösser schwer und unbeweglich sein? Diese Frage stellte sich Alexandra Baum vor zwölf Jahren. Als Produktdesignerin mit der Spezialisierung auf technische Textilien beließ sie es nicht bei der Frage, sondern suchte eine Antwort. Und als leidenschaftliche Fahrradfahrerin wusste sie immerhin, worauf es bei einem guten Schloss ankommt. Zwei Jahre dauerte es von der Idee bis zum Start von Texlock. Der Anspruch war von Anfang an, maximale Funktionalität und Optik in Einklang zu bringen. Das gelingt, indem mehrschichtige Hightech-Fasern und ein Stahlkern miteinander verflochten werden – untrennbar, wie Texlock verspricht. Mehrere Schichten wirken demnach gegen alle möglichen Versuche, einem Fahrradschloss zuzusetzen: Sägen, Schneiden, Feuer, Lackkratzer oder besondere Wetterereignisse. Der Nutzer kann das Schloss in Seilform bequem verstauen. Mit einem Patent im Rücken hat sich das Unternehmen vom Start-up zum etablierten Anbieter entwickelt. Inzwischen gebe es zwar Produkte, die den eigenen sehr ähnlich sehen. „Im Inneren eines Texlock steckt jedoch eine einzigartige Verbundtechnologie, die ingenieurgetrieben entwickelt wurde. Sie ist unabhängig geprüft und zertifiziert und wird konsequent weiterentwickelt“, betont man in Leipzig, wo jedes Schloss in Handarbeit gefertigt wird. Kurze Lieferwege und „nahezu kein Materialausschuss“ tragen dem Nachhaltigkeitsgedanken Rechnung. Weil man sich gleichzeitig ganz bewusst als regionales Unternehmen versteht, sei die Zusammenarbeit mit dem Bauhaus in Dessau naheliegend gewesen. Das Bauhaus stehe „als kulturelles Aushängeschild Mitteldeutschland wie kaum eine andere Institution für gestalterische Avantgarde und Fortschrittsdenken. Dass beide Jubiläen zusammenfallen, unterstreiche zugleich das „kreative und industrielle Potenzial der Region“.
Zur Verbundenheit mit Land und Leuten gehört auch ein sozialer Ansatz. So spendet das Unternehmen einen Teil der Erlöse jeder Spezial-Edition für den guten Zweck, in diesem Jahr fließt das Geld für ein pädagogisches Projekt. In einer Leipziger Kita gestaltet ein von Texlock beauftragter, pädagogisch geschulter Tischler gemeinsam mit Kindern unterschiedlicher Voraussetzungen Spielzeug oder Möbel – inspiriert von den Formen und Farben des Bauhauses und doch ganz nah dran am Alltag.


