Von Franziska Höhnl
Dresden. Mit Blick auf die kriselnde Autoindustrie setzt Sachsen verstärkt auf den Bau von Satellitentechnik und Rüstungsgütern. „Weltraumtechnologie wird den Automobilbau nicht allein ersetzen können, die Verteidigungsindustrie auch nicht“, sagte Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) dieser Zeitung. „Beides sind aber Bestandteile, auf denen wir aufbauen können.“
Der Plan firmiert unter dem Namen „Space Saxony“ und knüpft an die erfolgreiche „Silicon Saxony“-Kampagne an. Letztere meint den Erfolg, Dresden als Mikrochip-Zentrum etabliert zu haben, mit den namhaftesten internationalen Herstellern der Chip-Industrie.
Sachsen hofft auf Milliarden-Projekte der Bundeswehr
Sachsen trommelt mit den anderen ostdeutschen Ländern dafür, bei Rüstungsaufträgen stärker bedacht zu werden. Der Freistaat macht sich bereits Hoffnungen, dass ein milliardenschweres Satelliten-Projekt der Bundeswehr im Freistaat gefertigt wird.
Nach dem Thema Rüstung ziehen die Ost-Regierungschefs jetzt auch in Sachen Weltraum an einem Strang. Bei einem Treffen vor wenigen Tagen in Berlin forderten sie den Bund auf, mit Pilotprojekten die Nutzung satellitengestützter Dienste gezielt in Ostdeutschland zu erproben. Der Einsatz biete sich etwa beim Katastrophenschutz, beim „Precision Farming“ in der Landwirtschaft oder der Überwachung von Infrastruktur an.
Zudem forderten die Ost-MP ein mehrjähriges Förderprogramm „Space Components Ost“, mit dem gezielt die Weltraumindustrie in ihren Ländern unterstützt werden soll.
Weltraum-Unternehmen nach Sachsen holen
Für Sachsen geht es laut Wirtschaftsminister Panter zuerst darum, dass sich neue Unternehmen aus dem Bereich ansiedeln. Das sei ein mühsames Geschäft. „Aber wir wollen einen Satelliten aus Sachsen im Orbit sehen, um zu beweisen, dass wir es können“, so Panter. Der Freistaat hat bei „Space Saxony” vor allem die Bundeswehr im Blick, die dank Ausnahme von der Schuldenbremse viel Geld in Ausrüstung und neue Fähigkeiten investiert.
Aber wir wollen einen Satelliten aus Sachsen im Orbit sehen, um zu beweisen, dass wir es können. – Dirk Panter (SPD), sächsischer Wirtschaftsminister
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte zuletzt angekündigt, das Beschaffungsamt der Bundeswehr auszubauen. Davon soll der Standort Dresden profitieren. Aktuell arbeiten dort 100 Beschäftigte und kümmern sich um die Beschaffungen im Bereich Informationstechnik, wie eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums auf Anfrage von SZ und LVZ mitteilte. Details dazu, wie viele Mitarbeitende dazukommen sollen und bis wann, ließ sie offen.
Doch auch die unkonkrete Ankündigung wertet Wirtschaftsminister Panter als Bestätigung dafür, dass das anhaltende sächsische Werben aufgeht: „Auch für die Bundeswehr führt an Dresden und an Silicon Saxony kein Weg vorbei. Sie geht dorthin, wo die Zukunft von Mikroelektronik und Informationstechnik spielt.“
Ruf als heimisches Chip-Mekka wird unterstrichen
Der Freistaat setzt voll auf seine Stärke als Halbleiter-Standort: „Vorrangig geht es um Satellitentechnik, Chips und Leichtbau”, fasst Minister Panter zusammen. „Wir können aus Sachsen die Halbleiter liefern, die für Zukunftstechnologien unverzichtbar sind.“
Tatsächlich ist das Thema Satelliten kein Neuland: Sachsen hat dank der TU Dresden zwischen 2013 und 2021 bereits drei Satelliten ins All gebracht. Aktuell hofft Sachsen darauf, Teil eines Riesen-Projekts zu werden. Es geht um ein System mit mindestens 100 Satelliten, das ähnlich wie die Kommunikations-Flotte des Unternehmens „Starlink“ von US-Milliardär Elon Musk funktioniert.
Die Bundeswehr will mit „SatcomBS Stufe 4″ ein eigenes System ins All schießen, um die Kommunikation der Truppe unabhängig abzusichern. Die Ausschreibung für das milliardenteure Projekt läuft, Details sind geheim. Klar ist: Zu einer Bietergemeinschaft gehört der Bremer Satellitenhersteller OHB, der auch einen Standort in Sachsen hat.
OHB-Vorständin Sabine von der Recke sagte dieser Zeitung zuletzt, Sachsen sei ihr persönlicher Favorit. Auch wegen des Engagements der Politik: „Man kriegt schon mit, dass sich die Entscheidungsträger auch dafür stark machen.“ Ob und wann die Entscheidung für Sachsen fällt, ist offen.
SZ


