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Wie die neue Chefin der Herrnhuter Sterne tickt und was sie vorhat

Die Zittauerin Katja Ruppert übernimmt ab 1. April den Posten als Geschäftsführerin. Sie erklärt, was ihre nächsten und größten Ziele mit der bekannten Marke sind.

Lesedauer: 4 Minuten

Man sieht Katja Ruppert, die neue Geschäftsführerin der Herrnhuter Sterne GmbH
Katja Ruppert ist die neue Geschäftsführerin der Herrnhuter Sterne GmbH. Sterne leuchten bei ihr zu Hause ganzjährig. Sie selbst mag Blau- und Grüntöne, zu Weihnachten warme Farben. © Matthias Weber/photoweber.de

Von Anja Beutler

Wenn Katja Ruppert nach den Osterfeiertagen zur Arbeit fährt, ist es derselbe Weg wie in den vergangenen 19 Jahren. Und doch ist ein Detail grundlegend anders: Die 42-Jährige fährt die Strecke dann nicht mehr als Verantwortliche für Finanzen und Personal der Herrnhuter Sterne GmbH, sondern als neue Geschäftsführerin. Respekt hat die Zittauerin vor diesem Wechsel durchaus. Aber sie strahlt dabei Sicherheit und Zuversicht aus. Kein Wunder: Ruppert kennt das Unternehmen, seine Entwicklungen und Zahlen extrem gut – und die Kollegen kennen sie. Die wichtigen Entscheidungen der vergangenen zwei Jahrzehnte hat die neue Chefin gewissermaßen mit ihrem Vorgänger Oskar Scholz mitgetragen, war sie doch als Finanzerin der Firma immer mit eingebunden.

Deshalb sei mit ihrer Amtsübernahme auch keine grundlegende Erneuerung zu erwarten, erklärt sie: „Wenn ich jetzt sagen würde, ich mache alles völlig anders, würde ich mir ja selbst widersprechen.“ Neuigkeiten sind aber auch künftig vorprogrammiert, denn die Herrnhuter Sterne starten aktuell mit ihrem neusten Bauprojekt. Die Bagger wühlen sich dafür gerade auf dem Grundstück rechts neben der Manufaktur in die Erde und bereiten den Boden buchstäblich für Neues vor.

Neues Bauprojekt startet dieses Jahr

Was genau die Manufaktur wo plant, hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder neu- und umsortiert. Erst wollte das Unternehmen auf den Flächen gegenüber, also jenseits der Oderwitzer Straße, Parkflächen und auch ein Eventgebäude bauen. Durchaus futuristisch sollte es aussehen, mit einer „eingebauten“ Sternzacke als Attraktion. Davon ist man abgerückt: Jenseits der Straße sollen nun Parkflächen, eine Eventfläche und ein Erlebnispfad entstehen. Gebäude errichten will das Unternehmen aber direkt auf dem Grundstück gleich nebenan: „Dass wir diese Fläche kaufen konnten, hat sich erst später ergeben“, erklärt Ruppert.

Und so wird dort zunächst ein schmaler Anbau entstehen – ähnlich wie die Entdeckerwelt auf der linken Seite des Manufakturgebäudes. Darin wird das beengte Dekostübchen unterkommen. Die aktuell fünf Mitarbeiter logieren momentan in dem kleinen, alten, ehemaligen Bürohäuschen links vor der Manufaktur unter nicht gerade idealen Bedingungen. Teilweise nutzen sie auch die extra aufgestellte Pagode vor dem Eingang zur Schauwerkstatt. Eine Dauerlösung war das aber nie. Im neuen Anbau werden sie deshalb mehr Platz, einen Verkaufsraum und Möglichkeiten für ihre Workshops haben, skizziert Ruppert die Pläne.

Auf dieser Fläche will die Manufaktur neu bauen. Die Schauwerkstatt ist das Gebäude in umgekehrter U-Form, das große Haus am linken unteren Bildrand ist ebenfalls ein Produktionsgebäude. Am oberen Bildrand ist der Bahndamm zu erkennen.
© Foto: Herrnhuter Sterne

Später dann soll ein weiteres Gebäude in die Ecke des Nachbargrundstücks gebaut werden. Dort will das Unternehmen die neue Erlebniswelt mit Museum, Ausstellung und Attraktionen für Besucher unterbringen. „Wie das Gebäude aussehen wird – ob mit oder ohne Zacke – ist aber noch nicht entschieden“, sagt die neue Geschäftsführerin. Auch der Termin für einen solchen Bau sei noch nicht greifbar. Ganz anders als beim Anbau fürs Dekostübchen: Dort soll es noch in diesem Jahr losgehen. Und perspektivisch sei auch vorstellbar, die Mitarbeiterzahl für die Deko-Abteilung aufzustocken und dadurch das, was derzeit nur im Laden zu haben ist, auch zunehmend online anzubieten.

Konzentrieren will sich die neue Chefin zudem verstärkt auf Veränderungen im Unternehmen selbst: „Wir sind in den vergangenen Jahren so stark gewachsen, dass wir intern eher hinterher geholpert sind“, schildert sie bildlich die Lage. Konkret heißt das, in der Struktur und Aufgabenverteilung muss einiges neu und besser geordnet werden. Das biete sich mit ihrem Wechsel zur Geschäftsführerin nun ohnehin an, fügt sie hinzu.

Ehemann in Firma kennengelernt

Eine Position wird sie dabei vermutlich nicht verändern – die des Vertriebschefs: Die füllt ihr Mann Jens Ruppert seit Langem aus. Nimmt man da nicht automatisch die Arbeit mit nach Hause? „Nein, das ist wirklich selten, dass wir auch nach Feierabend über Arbeit sprechen, wir können das ganz gut trennen“, sagt Katja Ruppert. Dabei sind Rupperts den Sternen in gewisser Weise auch privat verbunden: Die beiden haben sich im Unternehmen kennengelernt. Dass Katja Ruppert die Geschäftsführung übernehmen wird, darauf hat sich die Familie eingestellt, denn in den vergangenen Jahren ist sie bereits von ihrem Vorgänger Oskar Scholz auf die Leitung vorbereitet worden. „Wir sind ein gutes Team und ticken ähnlich“, gibt sie sich überzeugt.

Vielleicht hilft beim Abschalten auch, dass Rupperts nicht in Herrnhut wohnen. „Wir leben mit unseren beiden Söhnen in Zittau“, sagt sie. Dort habe die Familie alles, was sie brauche – auch einen eigenen Garten, zu dem sich Rupperts in der Coronazeit entschieden haben: „Ich liebe es, im Garten zu arbeiten. Das erdet – ganz wortwörtlich – ungemein“, meint sie und lacht. Dass sie als Zittauerin nie wirklich ihre Heimatstadt verlassen habe, sei übrigens eher Zufall. Nach der Schule und dem Studium zur Diplomkauffrau an der Hochschule am Standort Zittau sei alles nahtlos ineinander übergegangen: Katja Ruppert fing sofort bei der Herrnhuter Sterne GmbH an.

Dort wird sie jetzt neben allen neuen Herausforderungen vor allem ein Ziel verfolgen: „Den Erfolg der vergangenen Jahrzehnte stabilisieren“, erklärt sie. Denn rund 850.000 Herrnhuter Sterne aller Farben, Größen und Materialien pro Jahr zu produzieren, ist durchaus eine Herausforderung gerade auch in wirtschaftlich labilen Zeiten. Die aktuelle Mitarbeiterzahl von etwa 200 stabil zu halten oder gar zu steigern, ist mit Blick auf viele Kollegen, die in den Ruhestand gehen werden, ebenso keine Selbstverständlichkeit, macht sie deutlich. Aber das war es auch in den vergangenen Jahren nicht.

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