Von Nora Miethke
Dresden. Die Sächsische Aufbaubank (SAB) wird 30 Jahre alt. Das Jubiläum wird über das ganze Jahr lang groß gefeiert . Den Auftakt bildete ein Neujahrsempfang, einer der Ehrengäste war Philipp Eisele, Geschäftsführer der Edelstahl-Laser-Technik GmbH. Sein Vater Josef Eisele war der erste Kunde der SAB. Der schwäbische Unternehmer aus Göppingen nahm 1990 an einer „Wallfahrtstour der Treuhand für westdeutsche Firmen in den Osten“, teil, wie sein Sohn auf der Bühne erzählte. Er suchte einen Ort, um die hohe Nachfrage nach seinen Laser- und Plasmazuschnitten befriedigen zu können. Josef Eisele hatte von Anfang an die Region Dresden im Blick wegen der Nähe zu Polen und Tschechien. Im Haselbachtal fand er für sich die besten Rahmenbedingungen und gründete dort im Januar 1991 die Edelstahl-Laser-Technik GmbH mit damals zehn Mitarbeitern. Heute sind es 140, und die Edelstahlboxen bei Jägermeister in Kamenz oder den Radiopharmazie-Herstellern in Dresden-Rossendorf „kommen alle von uns“, so Philipp Eisele.
„Ohne die Förderung und verlässliche Begleitung durch die SAB wäre die dynamische Entwicklung unseres Unternehmens in dieser Form nicht möglich gewesen“, ließ Josef Eisele seinen Sohn auf dem Neujahrsempfang ausrichten. Über seine Hausbank lernte er die Fördermöglichkeiten der SAB kennen, die damals noch Teil der Landeskreditbank Baden-Württemberg war. Erst 1996 wurde sie eine selbstständige Förderbank in Trägerschaft und Auftrag des Freistaats. Am 2. November 1990 stellte Josef Eisele den Antrag auf einen Zuschuss in Höhe von 540.000 D-Mark für eine Investition in Höhe von 2,7 Millionen D-Mark im Haselbachtal. Am 31. Juli 1991 kam die Bewilligung. Dafür musste der zehn Seiten lange Antrag „mindestens in 15-facher Ausführung mit sehr vielen handgeschriebenen Erklärungen hin- und hergehen“, erinnert sich Philipp Eisele. Der Aufwand lohnte sich, die SAB blieb ein enger Partner und förderte auch 1996 den ersten Neubau wie auch 2006 und 2013 weitere Erweiterungen.
Im Firmenarchiv gibt es laut Eisele tausende von Papierblättern zu den Anträgen. „Ich hoffe, ihr nehmt es mir nicht übel. Aber meinem Gefühl nach hat sich von damals bis heute nicht viel geändert“, so der Unternehmer beim Neujahrsempfang. Er wünscht sich einfachere Antragsverfahren, die schneller entschieden werden.
Daran arbeitet die SAB laut ihrer Vorstandsvorsitzenden Katrin Leonhardt „konsequent“. Soweit es die Vorgaben von Freistaat, Bund und EU es erlauben, soll die Förderung von der Antragstellung über Auszahlung bis zur Verwendungsnachweisprüfung digital ablaufen. „Über 400 Fördergegenstände sind bereits digital verfügbar, mehr als 130 Programme können online beantragt werden. Anträge können rund um die Uhr eingereicht werden“, betont Leonhardt. Es gäbe einige Programme, bei denen alles komplett online abgewickelt werden könne , wie zum Beispiel der Reparaturbonus. „Wir sind auf gutem Weg, aber längst noch nicht da, wo wir im Sinne unserer Kunden hinwollen“, so die SAB-Chefin.
Meilensteine in 30 Jahren
In den vergangenen 30 Jahren gab es mehrere prägende Herausforderungen für die SAB. Die erste große war die Gründungsphase in den 1990er-Jahren – in einer Zeit, in der sich der Freistaat Sachsen neu aufstellte. „Unsere Aufgabe war es von Beginn an, die Förderung des Landes verlässlich und schnell für die Unternehmen, Kommunen und Menschen zur Verfügung zu stellen, um wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen“, so Leonhardt, die seit Juli 2020 Vorstandschefin ist.
Eine zweite zentrale Herausforderung waren die Hochwasserereignisse 2002 und 2013. Hier mussten die vom Freistaat bereitgestellten Hilfen unbürokratisch an Betroffene ausgezahlt werden, um den Wiederaufbau zu unterstützen.
Die Corona-Pandemie war eine weitere Ausnahmesituation für die 1.200 Beschäftigten der SAB. „Zeitweise haben nahezu alle Mitarbeitenden der SAB angepackt – mit hohem Engagement, teils im Schichtbetrieb, teils in Einzelzimmern im benachbarten Dorint-Hotel –, um sicherzustellen, dass die bereitgestellten Mittel schnell bei den Unternehmen ankamen“, so Leonhardt.
Und vor welchen Herausforderungen steht die Förderbank jetzt? Da sieht die Bankmanagerin vor allem strukturelle Veränderungen: Die Transformation der Wirtschaft durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz und die Modernisierung der Infrastruktur mit Förderung begleiten – und das bei rückläufigen öffentlichen Mittel auf EU- und Landesebene. „Für uns bedeutet das konkret weniger Zuschussförderung und mehr Finanzierungsinstrumente wie Darlehen, Bürgschaften und Beteiligungen, die mit einer Hebelwirkung von 1 Euro öffentlichem Geld Anreize für private Investitionen von 5 bis 10 Euro ermöglichen“, so Leonhardt.
Gleichzeitig brauche es klare inhaltliche Schwerpunkte bei Zukunftsthemen wie Digitalisierung, KI, Forschung und Technologie sowie entsprechende Förderangebote, um die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum der sächsischen Wirtschaft zu sichern.
Wunsch des jüngsten Kunden
Ein Unternehmen, dem die SAB dabei hilft, ist das Dresdner Start-up Holy Poly GmbH, der jüngste Kunde der Förderbank. HolyPoly ist vor fünf Jahren angetreten, großen Herstellern wie Lego und Miele dabei zu helfen, in der Produktion von neuen auf recycelte Kunststoffe umzustellen. Mit wachsendem Erfolg, für Bosch Power Tools entwickelten die Dresdner zum Beispiel die erste recycelte Bohrmaschine der Welt. Die SAB förderte die Investition in die Hauptbetriebsstätte und erleichterte mit einem Markteinführungszuschuss ein neues Produkt.
„Es ist schon erstaunlich, wie gut die Förderprogramm und Kreditinstrumente passen. Das ist wirklich gut abgestimmt und hilft uns sehr“, war Mitgründer und Geschäftsführer Fridolin Pflüger beim Neujahrsempfang voller Lob. Er wünscht sich für die Zukunft, dass es eine Vorankündigung gäbe, wann eine bewilligte Zahlung tatsächlich kommt. „Das müsste doch machbar sein, oder?“, so Pflüger.


