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Zukunft der Hammer-Fachmärkte in Sachsen in entscheidender Phase

Der überschuldete Mutterkonzern ist in Sachsen 27-mal vertreten. Während bei den Hammer-Fachmärkten noch nicht klar ist, wie es weitergeht, ist das Aus für acht Standorte der Großhandelskette Schlau wohl besiegelt.

Lesedauer: 2 Minuten

Ulrich Wolf und Eric Weser

Bielefeld/Dresden. Die Sanierung der Raumausstatter-Kette Hammer ist in ihre entscheidende Phase getreten. Zu Monatsbeginn hat das Amtsgericht Bielefeld nach mehrmonatiger Prüfung über die Hammer System Management GmbH mit Sitz in Porta Westfalica ein Insolvenzverfahren eröffnet: wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Allerdings soll das in Form einer Eigenverwaltung geschehen. Das heißt: Die bisherigen Chefs haben zwar weiter das Sagen, werden aber von einem gerichtlich bestellten Sanierungsexperten überwacht.

Um Kosten zu sparen, sind bereits in den vergangenen Monaten Baumärkte geschlossen worden, auch in Sachsen, etwa Ende April dieses Jahres im erzgebirgischen Bad Schlema.

In Jahnatal soll es Kündigungen geben

Nach Informationen der Sächsischen Zeitung hat ein Teil der Belegschaft des Standorts Jahnatal im Norden des Landkreises Mittelsachsen bereits für Ende September die Kündigung erhalten. Auf Nachfrage dazu teilte eine Sprecherin mit, diese bezögen sich auf die Großhandelskette Schlau und nicht auf die Hammer-Fachmärkte. In Jahnatal existieren beide Ketten.

Zeitlich schon weit vor dem Insolvenzantrag, der Ende Juni gestellt worden war, hatte die Westfalen den Hammer-Markt in Eilenburg im Landkreis Nordsachsen geschlossen. In Heidenau im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hieß es zuletzt Anfang Juli, das Geschäft werde fortgeführt.

Die Marke Hammer und die dazugehörigen Filialen gehören der ebenfalls insolventen Managementholding Brüder Schlau GmbH & Co KG. Die historischen Wurzeln liegen bei den Brüdern Theodor und Wilhelm Schlau, die 1921 in Ostwestfalen einen Farbgroßhandel gegründet hatten. Daraus entstanden zwei Sparten: der Schlau-Großhandel und ab 1976 die auf Raumausstattung spezialisierten Hammer-Fachmärkte.

Von letzteren gibt es rund 180 Filialen in Deutschland. In Sachsen hat der Konzern nach eigenen Angaben derzeit 19 Standorte: in Annaberg-Buchholz, Delitzsch, Döbeln, Dresden, Glauchau, Görlitz, Grimma, Heidenau, Jahnatal, Leipzig (2), Plauen, Pulsnitz, Rodewisch, Siebenlehn, Torgau, Weißwasser, Zeithain und Zwickau.

Schlau-Märkte in Sachsen vor dem Aus

Von den Schlau-Standorten sind derzeit noch gut 60 Märkte aktiv. Die Konzernmutter teilte auf Anfrage dazu mit, für die gesamte Großhandelssparte habe sich kein Investor gefunden. Ein Wettbewerber werde jedoch „aller Voraussicht nach einen Teil der Märkte übernehmen und unter eigener Marke fortführen“. Es gehe um ein Fünftel der Schlau-Standorte, vor allem Schlau-Standorte in West-, Mittel- und Norddeutschland.

Für die übrigen rund 50 Standorte des Schlau-Großhandels, also auch jener in Sachsen, einschließlich der Lager- und Logistikstandorte sowie der zentralen Einheiten, habe man keinen Investor gefunden, heißt es aus Porta Westfalica. „Diese Standorte werden in den kommenden Wochen schrittweise geschlossen.“ Parallel prüfe das Unternehmen, ob für einzelne Standorte „Nachnutzerlösungen“ geben kann.

Damit scheint das Schicksal für die sächsischen Standorte der Schlau-Großhandelskette besiegelt. Und das sind immerhin acht: in Bautzen, Chemnitz, Dresden (2), Jahnatal, Leipzig, Markkleeberg und Zwickau.

Derzeit verhandele der Schlau-Großhandel mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und Sozialplan, heißt es. In den betroffenen Standorten starte der Abverkauf der Bestandsware und die Abarbeitung der bestehenden Kundenaufträge.

Seit Beginn des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung ist der Konzern gezwungen, seine Kosten für Energie, Immobilien, Logistik, Material und Personal wieder selbst zu erwirtschaften. Für Juni, Juli und August waren die Löhne über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert. Insgesamt beschäftigt der Konzern rund 4000 Menschen.

SZ

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